Neuseeland News

Bald Gebühren für Nationalparks in Neuseeland?

von am 17. Februar 2016

Der Franz Josef Gletscher
Department of Conservation überfordert mit Touristenansturm

Neuseeland verzeichnet Besucherrekorde. 2015 besuchten über 3 Millionen internationale Touristen das Land und seine weitläufigen Nationalparks. Nun schlägt das Department of Conservation Alarm: Auf Dauer sind die durch die Besucheranstürme entstehenden Müll- und infrastrukturellen Probleme mit dem bestehenden Budget nicht finanzierbar. Die Behörde denkt deshalb unter anderem über Gebühren für Nationalparks – wie sie zum Beispiel im benachbarten Australien bereits üblich sind – nach.

Die Neuseeländische Tourismusindustrie boomt und verzeichnet Wachstumsraten von bis zu 20% im Jahr. Im vergangenen Jahr überholte der Tourismus sogar die Milch-Industrie als umsatzstärksten Wirtschaftszweig in Neuseeland.

Einer der größten Besuchermagneten Neuseelands ist seine bombastische Natur. Fast ein Drittel der neuseeländischen Landfläche wird von Nationalparks eingenommen. Verwaltetet werden die Parks vom Neuseeländischen „Department of Conservation“ (DOC), der staatlichen Umweltbehörde. Das DOC ist zum Beispiel für nötige Infrastruktur wie Beschilderung, Straßen, Wanderwege, Wasserstraßen verantwortlich, aber auch für generellen Umwelt- und Artenschutz innerhalb der Parks.

Milford Sound

Unzählige Touren, Selbstfahrer, Wanderer, Boote und Sportler finden ihren Weg in die Nationalparks, zu denen der Zugang bislang für alle kostenlos ist. Auf der Nordinsel ist der Tongariro Nationalpark mit seinen Vulkanen das wohl beliebteste Besucherziel, während auf der Südinsel Aoraki/Mt.Cook, die Gletscher-Region der Westküste mit den Fox und Franz Josef Gletschern sowie der Fiordland Nationalpark im tiefen Süden die meisten Besucher ziehen. So wird etwa die Milford Road zwischen Te Anau und dem Milford Sound Fjord zu Spitzenzeiten von bis zu 1.000 Fahrzeugen pro Tag befahren. Bis zu 500 Camper übernachten in der Hochsaison auf den öffentlichen Camping- und Parkplätzen entlang der beliebten Strecke.

Die großen Besucherzahlen sind nicht ausschließlich Grund zur Freude. Mit dem Tourismus wachsen auch damit einhergehende Probleme, wie etwa Müllbeseitigung, Track-Instandhaltung, Campingplatz- und Hüttenverwaltung.

In allen neuseeländischen Nationalparks wird von Besuchern erwartet, dass sie allen Müll selbstständig wieder mitnehmen und außerhalb der Parks selbst entsorgen. Dies klappt jedoch nicht immer, und wird mit wachsenden Besucherzahlen genau so zum Problem, wie die notwendige Leerung der Campingplatztoiletten, die sich zum Teil über 50 Kilometer von der nächsten Straße entfernt befinden.

Tongariro Crossing

Da das DOC bislang staatlich finanziert wird und in seiner Arbeit traditionell zu großen Teilen von einheimischen Freiwilligen abhängig ist, sieht sich die Behörde außerstande, mit dem bestehenden Budget dem wachsenden Besucheransturm gerecht zu werden. In der vergangenen Woche wurde deshalb ein Workshop abgehalten, an dem Vertreter des DOC, der neuseeländischen Tourismusbehörde sowie des Neuseeländischen Wirtschaftsministeriums teilnahmen.

Inhalt des Workshops waren alternative Finanzierungsmethoden, für den Fall, dass die staatliche Finanzierung des DOCs nicht erhöht wird. Dabei kamen unter anderem generelle Nationalparkgebühren für Besucher zur Sprache, wie sie etwa im benachbarten Australien und in den USA bereits üblich sind. Alternativ wären auch erhöhte Parkplatz- und Campinggebühren eine Möglichkeit, so ein Sprecher.

Die ikonischen Hinweisschilder des DOCs säumen Neuseeländische Nationalparks.

Jeder Neuseeland-Besucher kennt die grün-gelben Hinweisschilder des DOCs, die unzähligen Camping- und Picknickplätze mit unbezahlbarer Aussicht und die vorbildlich gepflegten Wanderwege in einigen der schönsten Nationalparks der Welt. Dass all dies Kosten verursacht, sollte klar sein.

Ich für meinen Teil bin jedenfalls gerne bereit, auch finanziell meinen Teil dazu beizutragen, Neuseelands einzigartig wunderschöne Nationalparks, Natur und Umwelt für die Nachwelt zu erhalten.


Quellen: eTurboNews & Stuff.co.nz

© Fotos: Eline Bakker

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