Australien Work & Travel

Heiße Diskussionen um Steuererhöhung für Backpacker

von am 19. Februar 2016

Die Einkommenssteuer für Backpacker, die kommenden Juli erhöht werden soll, sorgt für Diskussionen in ganz Australien. Politiker wollen die Wirtschaftssituation verbessern, Backpacker und Farmer halten 32,5% Steuern für Working Holiday Maker für den falschen Weg.

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In Australien spalten sich derzeit die Meinungen zu einer Steuererhöhung für Backpacker, die bereits vergangenes Jahr verkündet wurde.
Demnach sollen ab dem Beginn des Steuerjahres 2016/17 im kommenden Juli alle Backpacker vom Beginn ihrer Arbeit an die volle Einkommenssteuer von 32,5% zahlen.

Zurzeit ist es für Work and Traveller in Australien noch möglich, die gesamten Steuern per Steuererklärung nach der Reise wieder zurückzuverlangen. Das aber nur, wenn man mindestens sechs Monate an einem Ort gewohnt und insgesamt nicht mehr als 18 200 AU$ verdient hat, womit man als “Foreign Resident for Taxation Purposes” gilt. Bis zur Einnahmegrenze von 37 000 AU$ gelten dann 19% Steuern.
Das kann viel Geld bedeuten, weshalb die Neuerungen für viele der jungen Reisenden äußerst unvorteilhaft sein werden.

Ebenfalls wenig erfreut sind die Farmer selbst, die Angst vor einem daraus resultierenden Backpackermangel haben. So schlossen sich bereits einige von ihnen zusammen, um sich mit einer Opposition gegen die Steuererhöhung zu wehren.

Ackerarbeit in Port Douglas    
  
Treasurer of Australia will die Steuererhöhung auf jeden Fall durchsetzen

Der verantwortliche Treasurer von Australien Scott Morrison hält strikt an der Entscheidung fest und macht klar, dass es eine Steuererhebung für die Work and Traveller geben muss.

In einem Statement Brief schreibt er, dass “Working Holiday Maker sein nicht bedeutet, dass man Urlaub von den Steuern bekommt.”. Er legt weiterhin fest: “Wer hier arbeitet, soll auch Steuern zahlen.”

Seiner Meinung nach ist es unfair, dass einige Backpacker trotz ihres Einkommens nicht einen A$ Steuern zahlen, dafür aber beispielsweise australische Dienstleistungen, wie Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen nutzen.

Das stimmt nebenbei gesagt aber nur bedingt. Die australischen Gesundheitsbehörden kommen nur für britische Working Holiday Maker auf, alle anderen müssen sehr wohl eine private Auslandskrankenversicherung im Heimatland abschließen und werden vom australischen Staat mit keinem Cent unterstützt.  Andere Dienstleistungen wie z. B. Polizei und Feuerwehr nehmen dagegen auch gewöhnliche Touristen in Anspruch, welche ja bekanntlich auch keine Steuern zahlen.

Eine weiterer Punkt der Argumentation Morrisons sind Neuerungen wie verlängerten Arbeitszeiten bei ein und demselben Arbeitgeber in Nordaustralien, mit denen die Regierung Backpackern bereits entgegen gekommen sei.

Ebenfalls ein Grund für die Änderungen kann sein, dass einige Backpacker wissentlich Steuern hinterziehen, womit sie offensichtlich nicht nur ihren zukünftigen Nachfolgern schaden.
Es soll nämlich vorkommen, dass Working Holiday Maker sich beim Ausfüllen der Steuerdokumente für einen Job fälschlicherweise als “Residents” ausgeben, um deren niedrigere Steuern von “nur” 19% anstatt 32,5% zahlen zu müssen.

Davon ist allerdings abzuraten, da Steuerhinterziehung bekanntermaßen eine hart geahndete Straftat ist und auch nicht verjährt. Wer also meint, nach der Ausreise aus Australien interessiere sich keiner mehr für die Steuern, die man nicht gezahlt hat, wird sich bei wiedereinreise auch 30 Jahre später noch wundern.

Möglicherweise leiden deshalb gerade die ehrlichen, eigentlich clevereren Backpacker in Zukunft für ihre betrügerische Kollegen mit und zahlen mehr Steuern.

Der Arbeitsplatz des Australischen Treasurers Scott Morrison.  

Immer lautere Stimmen gegen Steuererhöhung

Beim Gedanken an die vielen anstrengenden Stunden, in stechender Hitze auf Farmen oder Obstplantagen, vergeht vielen vorher schon die Abenteuerlust.
Wenn dann nach einer Stunde mühseliger Arbeit drei Körbe voller Früchte zusammengepflückt sind, man davon aber theoretisch nur zwei ausgezahlt bekommt und den dritten dem Staat schenkt, ist große Frustration vorprogrammiert.

Der deutsche Fabian Kraus, der bereits seit zwei Monaten mit einem Working Holiday Visum in Australien ist, hält 32,5% Steuern für zu viel.

Wenn man trotz harter Arbeit ein Drittel seines Gehalts an den Staat abgeben muss und nicht wieder zurückbekommt, bleibt kaum noch etwas für sich selbst übrig.
“Wir machen oft schon die schlechtbezahltesten und unbeliebtesten Jobs dieses Landes.”, betont der Backpacker.

Auch Kayleigh Brammeld, eine Work and Travellerin aus England, hat große Angst vor der Neuerung, von der auch sie ab Juli betroffen sein wird.
“Hätte ich das gewusst, bevor ich hier ankam, hätte ich mir das zweimal überlegt.”


Online Petition will eine Lösung für alle Seiten erreichen

Eine kürzlich gestartete Online Petition und Social Media Kampagne (#Backpackertax) der National Farmers’ Federation (NFF) soll die hoch angesetzte Steuererhöhung verhindern.

Die große Angst vieler Australier ist, dass 32,5% Steuern viele Work and Travel- Interessierte davon abschrecken könnten, nach Australien zu kommen. Kanada oder Neuseeland zu bereisen und dort zu arbeiten wäre dann deutlich rentabler für die jungen Abenteuerlustigen.

Für die Jobs, die Backpacker üblicherweise übernehmen, sind sich viele Australier einfach zu Schade. Das bedeutet, dass beispielsweise viele Farmer bald keine Chance mehr haben, ihre Früchte rechtzeitig zu ernten und pleitegehen könnten, falls die befürchteten Konsequenzen eintreten.

Charlie Armstrong, einer der Leiter der NFF, unterstreicht, dass Backpacker derzeit immerhin 3,5 Mrd. A$ im Jahr zur australischen Wirtschaft beitragen. 40 000 von ihnen waren dieses Jahr an Farmen angestellt.
Diese Zahlen zu ersetzen wäre für die Australier nahezu unmöglich.

NFF möchte deshalb die goldene Mitte zwischen den Forderungen des Staats und der betroffenen Arbeitgeber und -Nehmer erreichen: eine Einkommenssteuer von 13-19% für Backpacker.

Schätzungen der NFF zufolge würde dabei genügend Gewinn für den Staat entstehen.
Außerdem wäre Australien weiterhin konkurrenzfähig mit Kanada und Neuseeland, die Backpacker könnten weiterhin genug Geld verdienen, um davon Reisen zu können und die Farmer hätten weiterhin genügend Arbeitskräfte.

Wenn das nicht nach einem Kompromiss klingt!
Leider müssen wir aus momentaner Sicht jedoch weiterhin geduldig abwarten, wohin die Diskussionen führen.


Quellen: change.orgabc.net.au (02.02.16) , abc.net.au (04.02.16)queenslandcountrylife.com.au , cairnspost.com.au

© Fotos: Traktor: Tourism Northern Territory / Peter Eve; Sabine Hopf ; Treasury: Wikimedia Commons (Lizenz: CC BY-SA 3.0)

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