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Bombardierung Darwins als Touristenattraktion

von am 3. August 2016

Im Australischen Darwin wurde eine neue multi-millionen Dollar Touristenattraktion eröffnet, bei der man die Bombardierung der Hafenstadt hautnah miterleben kann. Mit einer neuartigen Technologie der Virtual Reality und Hologrammen wird der Besucher zurück ins Jahr 1942 versetzt und erlebt die Bombardierung Darwins aus verschiedenen Perspektiven. Ein zweifelhafter Spaß für groß und klein.
 

TNT-Darwin-Bombing

 
Neben dem Darwin Military Museum und dem Museum & Art Gallery of the Northern Territory gibt es nun eine weitere Sehenswürdigkeit, in der man mehr über die Kriegsgeschichte Australiens und speziell Darwins erfahren kann. Vor wenigen Tagen wurde die "Bombing of Darwin Wharf Experience" in der Stokes Hill Warf in Darwin eröffnet und soll ein neuer Publikumsmagnet werden.

Der Geschäftsführer von Tourism Northern Territory, Tony Mayell, hat keinen Zweifel daran, dass diese „fantastische neue Touristenattraktion“ weltklasse ist. „Besucher werden zurück zum 19. Februar 1942 transportiert und erleben diesen Tag der Bombardierung Darwins hautnah mit", erklärt Mayell stolz.

Sein ausgesprochenes Ziel ist es, den Besuchern aus aller Welt zu zeigen, dass das Northern Territory der richtige Ort ist, um mehr über Australiens Kriegsgeschichte zu lernen. Der Militär-Tourismus würde stetig wachsen, meint er, und immer mehr Menschen besuchen Kriegsdenkmäler und Ausstellungen zu diesem Thema – nicht nur in Australien, sondern in der ganzen Welt. „Diese neue Attraktion wird die Reihe der bereits existierenden Militär-Erlebnisse vervollständigen“, fügt Mayell hinzu.

Die Regierung des Northern Territory und der Royal Flying Doctor Service (RFDS), eine gemeinnützige Organisation, haben das Projekt mit 4 Millionen A$ finanziert. Der RFDS leitet es nun und hat auch bei der Ausstattung der Ausstellung eine wichtige Rolle gespielt.

Virtuelle Realität im Kriegsmodus

Mit Hilfe von Virtual Reality-Brillen Kriegs-Feeling hautnah sozusagen. Jetzt fehlt nur noch Popcorn und das Fernsehvergnügen ist perfekt.

Ausgestattet mit einem Virtual Reality Headset und mit Hilfe von Hologrammen erlebt man die Bombardierung des Hafens von Darwin wie es vor über 70 Jahren gewesen sein muss. Man kann sich bequem in einen Sessel zurück lehnen und in einer 360° Rundumschau den Angriff auf Darwin aus verschiedenen Perspektiven miterleben - vom Boden, aus der Luft und vom Wasser.

Einblicke in das Leben der damaligen Zeit erhält man unter anderem von dem Hologramm des Offiziers Etheridge (Jim) Grand, der zur Zeit des Angriffs auf der USS William B Preston diente. Die Nachfahren des Offiziers Grand waren bei der Eröffnung dabei und fühlen sich geehrt und dankbar, dass die Geschichte ihres Großvaters nun für ein breites Publikum zugänglich sei.

Außerdem gibt es 3-dimensionale Bilder von verschiedenen Personen, wie dem damaligen Premierminister John Curtin, mit denen man interagieren kann und die bisher unbekannte Geschichten von ihren Schicksalen an diesem dramatischen Tag erzählen.

Um besser nachvollziehen zu können, was die immensen Schäden angerichtet hat, wird auch ein Nachbau eines japanischen Militärflugzeugs ausgestellt. Und da auch die Helfer nicht unerwähnt bleiben dürfen, kann man auch ein altes Flugzeug des Royal Flying Doctor Service bestaunen.
 

SAB-Darwin-DenkmalSchild

 
ABER....

... es stellt sich die Frage, was wohl Menschen von dieser „Attraktion“ halten, die vor über 70 Jahren selbst dabei waren und die Bombardierung in der wahren Realität miterlebt haben. Sicherlich werden viele dieser Menschen heute nicht mehr leben, um über diesen wohl schrecklichsten Tag in ihrem Leben berichten zu können. Dennoch würde keiner von ihnen dieses Ereignis noch einmal durchleben wollen.

Das Northern Territory scheint mit neuer Technologie auf Effekthascherei zu gehen. Hinter  all den Opfern stecken auch Einzelschicksale. Menschen haben andere geliebte Menschen und/oder all ihren Besitz verloren. Dieser Tag hat ihr Leben für immer verändert, aber das wird nur am Rande erwähnt, denn es  scheint wichtiger zu zeigen, welchen materiellen Schaden Menschen anrichten können als die Tragik dieses Angriffs zu verstehen.

Der Einlass in das neueste Museum Darwins ist mit einem Banner und den Worten „Bombing of Darwin Wharf Experience“ überspannt, doch will man so etwas wirklich erleben und sehen? In einer Zeit, wo Krieg, Terror und Bomben allgegenwärtig sind, kann man sich nur schwerlich vorstellen, dass es einen Bedarf an virtuellen Kriegsszenarien gibt. Wenn man auch nur einen Hauch von Einfühlungsvermögen und Mitgefühl hat, sind einem solche "Attraktionen" zuwider und man meidet sie.

Zwischen den Zeilen von Mayels Aussagen kann man erahnen, dass er auch ein pädagogisches Ziel verfolgt, aber was soll man aus virtuellen Bildern einer Bombardierung lernen? Wo man Bomben am Besten abwirft, um den größtmöglichen Schaden anzurichten - egal, ob menschlichen oder materiellen? Wenn es unser Bestreben ist, so etwas an unsere Kinder zu vermitteln, haben wir versagt und schauen einem düsteren Ende entgegen.

Lernen aus der Vergangenheit ist der richtige Weg, um weitere Kriege zu vermeiden, aber muss man dafür aus einem schrecklichen Erlebnis wie einem Krieg eine Touristenattraktion machen? Sollte man nicht lieber über die Ursachen des Angriffs aufklären als nur über den entstanden Schaden zu berichten? Es scheint, das diese neue Sehenswürdigkeit nicht ganz bis zu Ende gedacht wurde.

Doch das neue Museum ist nicht die einzige bizarre Touristenattraktion, über die Darwin verfügt. In der Innenstadt, direkt in der Mitchell St befindet sich Crocosaurus Coves. In kleinen, grauen Betonbecken werden Krokodile, Schildkröten und Stachelrochen gehalten und zur Belustigung zahlungswilliger Touristen ausgestellt. Mutige Mitbürger können sogar im "Cage of Death" mit einem Kroko im tristen Becken planschen. Daran hat der Mensch wahrscheinlich wie immer die meiste Freude.

Weitere Highlights in der „Bombing of Darwin Wharf Experience“

  • Eine Nachbildung eines japanischen Kriegsflugzeugs Mitsubishi Zero
  • eine Nachbildung einer 250 kg Bombe in der man auch ihre Funktionsweise sehen kann
  • ein Fenster, in dem man den Darwin Harbour im Jahr 1942 sehen kann. Synchron dazu sieht man auf einem erhöhten Fußboden eine Luftaufnahme der Bombardierung des Hafens
  • Ein lebensgroßes Hologramm des Gründers des Royal Flying Doctor Services, John Flynn
  • Mini-Hologramme des Premieministers John Curtin, eines japanischen Pilotens und einer RFDS Krankenschwester
  • ein stillgelegtes RFDS Pilatus PC 12 Flugzeugs
  • Bildschirme, die einen Livestream der RFDS Flugzeuge ausstrahlt sowie ehemalige Patient der RFDS, die ihre Geschichten erzählen

Quellen: ETB Travel News, NT News

Fotos: Tourism NT; Sabine Hopf

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