Panorama

Robyn Davidson: Für immer die „Kamel Lady“?

von am 13. Juni 2017

Australiens Outback scheint endlos, staubig und auf den ersten Blick beinahe undurchdringlich. Umso unglaublicher erscheint die Geschichte von Robyn Davidson, die im Jahre 1977 im Verlauf einer abenteuerlichen Expedition über 2700 km zu Fuß von Alice Springs bis zum Indischen Ozean lief – begleitet von niemandem außer ihren vier treuen Kamelen. Doch kaum einer weiß, dass dies nicht Robyns einziges Abenteuer blieb, denn ihre geliebten Kamele gerieten später in Gefahr.
 

 

Sie machte Schlagzeilen mit ihrem mutigen Vorhaben und ihr Buch wurde zum Bestseller. Robyn Davidson und ihre Kamele erschienen auf vielen Titelseiten bekannter Zeitungen, denn die über 2700 Kilometer lange Reise durch die Wüste Australiens begeisterte große und kleine Menschen auf der ganzen Welt. Was muss sich diese junge Frau, die im Alter von 27 Jahren ganz alleine zu Fuß das Outback des roten Kontinents durchquert hat, wohl gedacht haben?

Doch wenige kennen die Geschichte nach der Geschichte, denn das Schicksal wollte Robyn nach ihrer gelungenen Expedition wohl nicht so ganz in den Wüstenruhestand entlassen. Ihre Kamele hatte die Frau sieben Jahre nach ihrem Abenteuer an ein Ehepaar verkauft - zwei Kamelliebhaber durch und durch -, um den Wüstenschiffen ihren wohlverdienten Ruhestand zu gestatten. Schließlich hatten die Tiere Robyns Gepäck etwa 3200 Kilometer treu durch die Wüste geschleppt. (Stimmt. Wer richtig gezählt hat, merkt, dass Robyn es nicht bei einem einzigen Wüstenabenteuer belassen hat.) Doch die Zeit für ein Happy End war wohl immer noch nicht gekommen. Die neuen Kamelbesitzer waren gezwungen ihr Grundstück zu verkaufen und somit Robyns geliebte Kamele abzugeben. Robyn war außer sich vor Angst um das Schicksal ihrer tierischen Freunde.
 

„The Last Camel Walk"

Die einzige plausible Lösung schien es, die Kamele zurück Richtung Alice Springs zu bringen, wo sie ihr restliches Leben in Sicherheit leben können, doch die Kosten für den Rücktransport waren immens und Robyns finanzielle Mittel sehr eingeschränkt. Eine Lösung musste gefunden werden, um das verlorene Geld wieder einzubringen. Eric Hanson, ein Freund Robyns, hatte schließlich eine brillante Idee: „Wie wäre es, eine weitere Wüstenexpedition ab Alice Springs zu unternehmen – nur diesmal mit zahlenden Gästen?“ Das Ziel sollte die Delmore Downs Cattle Station sein, wo die Kamele ihr neues Zuhause finden würden. Obwohl sie ihren Ruf als „Camel Lady“ ablegen wollte, sah Robyn keine andere Lösung.

In den Spuren Robyn Davidsons die Wüste durchqueren? Natürlich. In unglaublicher Geschwindigkeit fanden sich 6 Gäste, die im Jahre 1985 über 312 Kilometer nordöstlich von Alice Springs nach Delmore Downs Cattle Station in das Abenteuer ihres Lebens aufbrechen wollten. Dem Last Camel Walk und somit der Rettung der Kamele stand nichts mehr im Wege.

Ein Dutzend Freunde Robyns wurden als Guides, Entertainer und Köche organisiert und ein großer Truck zu einem Transporter für Kamele umfunktioniert, der die Tiere bis Kalgoorlie brachte, von wo aus sie mit dem Zug nach Nullarbor transportiert wurden. Eine Odyssee - doch die Reise glückte ohne weitere Vorkommnisse. Zwischenzeitlich wurde Reiseequipment und genügend Essen organisiert, das auf einem Truck, der zu einer mobilen Küche umfunktioniert wurde, den Gästen an bestimmten Tourstopps serviert wurde.
 

 

Von Toleranz, Ameisen und Hitze

Sorgen machte sich Robyn viele. Was wenn die Reisenden der Hitze und dem Staub des australischen Outbacks nicht standhalten? Was ist, wenn ihre Freunde und wichtigsten helfenden Hände - konservative Stadtmenschen – nicht am Staub ersticken, sondern an ihrer niedrigen Toleranzschwelle? Was ist, wenn den Gästen die Reise nicht gefällt? Im Gegensatz zu ihrer eigenen Reise, die nur für sie war, reiste sie dieses Mal für andere. Doch stellte sie schnell fest, dass ihre Sorgen unbegründet waren, denn sie war es selbst, deren Knochen knackten und deren Haut der Sonne kaum standhielt und sie war die, die am Ende des Tages müde war.

Die Tage begannen mit einem riesigen Frühstück, mit einem noch größeren Berg Geschirr und einer Menge aufräumen, packen, organisieren. Bis zum Mittag marschierte die Gruppe, hielt einen Mittagsschlaf und wanderte weiter bis zum nächsten Rastpunkt, wo der Truck bereits wartete. Hin und wieder wurde ein paar Tage pausiert – insbesondere wenn die Camps von faszinierender Natur umgeben waren oder zu viele Blasen an den Füßen den Weg beschwerlicher machten.

Zwischenfälle hielten die Gruppe nicht auf: Weder streunende Kamele, noch unerwarteter Regen, noch die Nester riesiger Bullaugenameisen, die zur Sicherheit verbrannt werden mussten. Einige Straßen existierten nur in ihrer Fantasie oder nur auf der Karte. Großartige Erlebnisse, zwischenmenschliche Momente und sich kontinuierlich verändernde Landschaften machten die schlechten Tage wett.  

Als sie schließlich ihr Ziel erreicht hatten, wollte Robyn Zeit für sich und Zeit zum Abschied nehmen, mehr von ihren tierischen als ihren menschlichen Begleitern. Die neuen Besitzer ihrer Kamele, Donald und Janet Holt, liebten ihre Kamele genauso wie sie, doch als Robyn im Truck zurück nach Alice Springs saß, konnte sie ihren Verlust genau dort spüren, wo es am meisten wehtut.

Die emotionale Rettungsaktion der Kamele war dennoch geglückt.

Wer von Robyns Geschichte noch nicht genug hat, sollte das Buch lesen, das wir hier rezensiert haben, oder sich den Film "Spuren" ansehen, der über ihr erstes und größtes Abenteuer gedreht wurde und auf dieser wahren Begebenheit basiert:


Quelle: Australian Geographic
© Fotos: Laura Appel (oben), Australian Tourist Commision (unten)

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