Australiens tierisches Aushängeschild droht auszusterben
Es gibt viele Gründe, warum Australien zu den Paradiesen unserer Erde zählt: Atemberaubende Wildnis, abenteuerliche Erfahrungen und Bewohner, deren Unbeschwertheit ansteckend ist. Ein weiterer Grund, über den 5. Kontinent ins Schwärmen zu geraten, ist die in vielerlei Hinsicht einmalige Tierwelt des Landes – sei es, weil es hier Säugetiere gibt, die Eier legen oder weil manche von ihnen den Nachwuchs in Beuteltaschen herum tragen. Jeder kennt das querfeldein hopsende Känguru, den erhobenen Hauptes umher stolzierenden Emu oder den kannibalisch veranlagten Tasmanischen Teufel.
Einer der beliebtesten Fauna-Stars ist ohne Zweifel der Koalabär. Zahlreiche Wildlife Parks bieten Kuscheleinheiten mit dem grau melierten Baumbewohner. In der freien Wildnis bekommt man den kleinen, knuddeligen Vielschläfer hingegen immer seltener zu Gesicht. Ein Umstand, der nicht mehr nur bedenklich, sondern auch bedrohlich ist.
Der Living Planet Report 2012 des WWF, dem World Wide Fund for Nature, hat es klar in Worte gefasst. Nur knapp 50 Jahre und dann könnte der Koala – und damit ein Wahrzeichen Down Unders – ausgestorben sein.
Dass das Thema immer aktueller wird, zeigen nicht nur unzählige diesbezügliche Meldungen in den australischen Medien. Auch nationale Magazine wie die HÖRZU oder der National Geographic berichten in großen Artikeln über das bedrohte Maskottchen. Daher ist es auch Reisebine ein Bedürfnis, fernab unserer üblichen Traveller-Tipps, euch im September, dem australischen „Save the Koala“ Monat, über die kritische Situation der Beuteltiere zu informieren. Vielleicht schießt ihr infolgedessen während eures kommenden Australien-Urlaubs nicht nur süße Fotos der Baumbewohner, sondern seid euch gleichfalls deren Gefährdung durch den Menschen bewusst. Denn so, wie es heute um die Koala bestellt ist, war es nicht immer.
Etwa zehn Millionen Koalas, so schätzt man, lebten vor Beginn der europäischen Besiedlung auf dem roten Kontinent. Entlang der fruchtbaren Ostküste schlugen üppige Eukalyptuswälder ihre Wurzeln. Diese sind zugleich Lebensraum und -grundlage der schläfrigen Beuteltiere. Seit 1788 drang der Mensch in die bisher so unberührte Umgebung ein. Das plüschige Fell des bis dato unbekannten Tieres war begehrt – vor allem in einer Gesellschaft, die aus dem Nichts heraus eine Kolonie aufzubauen hatte. Ihre Haut gelangte bis nach Kanada und die USA, um daraus Hüte und Handschuhe herzustellen. Erst 1927 erklärte die Regierung das Jagen auf Koalas zu einer illegalen Tat. Zu diesem Zeitpunkt lebten in Queensland nur noch einige zehntausend Tiere. Auch in den anderen Regionen war der Bestand drastisch zurück gegangen.
Die Ruhephase hielt nur kurz an. Schon bald forderte die intensive Verstädterung entlang der Küsten den bislang größten Tribut von den Koalas. Wo bisher Eukalyptusbäume in den Himmel ragten, schossen plötzlich Strommaste empor; statt freier Wildbahn versperrten Maschendrahtzäune den Weg; Eukalyptuswälder wichen Fertighaussiedlungen und Swimming Pools; Hunde, Autos sowie Krankheiten wurden die neuen Feinde. Willkommen in der Gegenwart.
Je nachdem, ob Tierschutzvereine oder Behörden Auskunft geben, variieren die derzeitigen Koala-Bestände zwischen 44.000 und 300.000 Artgenossen. Wem man mehr Glauben schenkt, spielt dabei keine Rolle: Fakt ist, die Beuteltiere sind vom Aussterben bedroht! Etwa 4.000 Stadtkoalas sterben pro Jahr; mehr als 80% ihrer natürlichen Lebensräume sind mittlerweile zerstört. Zwischen 1990 und 2010 hat sich der Bestand in New South Wales um ein Drittel, in Queensland sogar um 43% verringert. In einzelnen Regionen sei der Rückgang noch drastischer, so das “Threatened Species Scientific Committee”.
Ende April kündigte Australiens Umweltminister Tony Burke an, den Koala auf die einheimische Liste der gefährdeten Tiere zu setzen – allerdings nur in New South Wales, Queensland und im ACT. Die Bestände in South Australia und Victoria, allen voran entlang der Great Ocean Road, bleiben von dieser Schutzmaßnahme unberührt. Das gegenwärtige Haushaltsbudget des Commonwealth-Landes stellt lediglich 0,5% des Geldes für Naturschutzinvestitionen bereit. Hinzu kommt, dass nur wenige der über 500 verschiedenen Eukalyptusarten als Nahrung für die Koalas in Frage kommen. Ihr Schutz bleibt gleichfalls häufig unbeachtet. Es scheint nicht verwunderlich, dass Tierschutzorganisationen den Bundesstaaten Versagen vorwerfen, wenn es um die Rettung des Touristenlieblings geht bzw. um die Erhaltung ihrer Lebensräume.
Doch Australien wäre nicht Australien, wenn einer Bedrohung tatenlos zugesehen werden würde. Zahlreiche Bürgervereine kümmern sich aufopferungsvoll z. B. um die Versorgung angefahrener oder auch orientierungsloser Koalas. Organisationen wie das „Sunshine Coast Koala Wildlife Rescue“ oder das Koala Hospital in Port Macquarie tun ihr Bestes, den hilflosen Koalabären zu Hilfe zu eilen. Ihr Einsatz geschieht zumeist auf freiwilliger Basis heraus, neben ihren Alltagsjobs. Eine Institution möchte Reisebine hierbei hervorheben:
Die Australian Koala Foundation, kurz AKF genannt, setzt sich seit mehr als 20 Jahren für den Schutz der freilebenden Koalas ein. Es handelt sich um eine gemeinnützige, wissenschaftliche Vereinigung mit Hauptsitz in Brisbane, Queensland. 1986 gegründet, bekämpfte sie in den ersten Jahren hauptsächlich eine rätselhafte Geschlechtskrankheit der Koala Weibchen, in deren Folge sich die Fortpflanzung stark verringerte. Allmählich erkannten Forscher jedoch, dass weniger die Krankheit als vielmehr der Mensch und seine Lebensweise die Existenz der Koalas bedroht. Eine kleine Anzahl fester Mitarbeiter und unzählige freiwillige Helfer der AKF versuchen seitdem, die Regierung und den Einzelnen auf die Bedrohung der Koalas aufmerksam zu machen. Um ihren Erhalt zu garantieren, finanziert die Organisation umfangreiche Forschungsprojekte und bietet Schulungs- sowie Aufklärungsarbeit an, z.B. für Landschaftsplaner und Regierungsabteilungen. Des Weiteren arbeitet sie an dem sogenannten “Koala Habitat Atlas“ – einer Datenbank, in der sich detaillierte Informationen über den Lebensraum der Koalas in Australien befinden. Größtes Ziel der AKF dürfte jedoch die Durchsetzung des „Koala Protection Acts“ sein. Mit diesem Gesetz nach amerikanischem Vorbild soll der Koala von der australischen Regierung als nationales Symbol definiert werden, um so umfassende und vor allem konkrete Schutzmaßnahmen zu gewährleisten.
Dem willigen Helfer stehen mehrere Wege zur Verfügung, die AKF bei ihrem Ziel zu unterstützen. Der mit Sicherheit niedlichste ist die Adoption eines Koalas. Jeder, der monatlich $25 bereit zu zahlen ist, darf fortan einen kleinen Joey oder einen erwachsenen Mate in den Wildlife Parks Australiens sein Eigen nennen. Beim nächsten Trip nach Down Under kann das kuschelige Adoptivkind dann sogleich in den Arm genommen werden. Wer es mehr mit der Flora statt mit der Fauna hat, kann über die AKF einen Eukalyptusbaum pflanzen lassen – oder zwei – oder auch gleich 500 Stück. Schon mit $10 kann der Tierfreund seinen Beitrag zum Erhalt des natürlichen Lebensraums der Koalas leisten. Die Rebellen unter euch treten am besten der “Koala Army“ bei. Hierbei handelt es sich um eine Art Teilorganisation der AKF, die sich konkret für die Durchsetzung des “Koala Protection Acts“ einsetzt.
Der Koala braucht jede Hilfe, die er kriegen kann. Und vielleicht setzt ihr sogar ein Zeichen, damit auch zukünftige Generationen in den Eukalyptusbäumen des 5. Kontinents erfolgreich Ausschau halten können nach dem grunzenden, grauen Fellknäuels.

Wo greift der Mensch nicht in die natürliche Fauna ein: Afrika, das Elfenbein der Elefanten, die Wale, der Panda in China, der Koala usw.
Wir vergessen immer eins dabei, WIR sind nur Gast auf dieser Erde!
Ich habe erlebt, wie die Tiere in den Pflegeeinrichtungen umsorgt werden, Anfassen oder auf den Arm nehmen ist nur gegen € 15,-- möglich. Die Erlebnisse mit den Tieren, auch den Wombats, gehen unte r die Haut. Wenn ich jetzt immer wieder von den schrecklichen Zuständen lese, ist es, als ob ich von meinem Kind lese, das so leidet.. Mein Mann und ich werden jeder ein Koalapatenkind annehmen und ein paar Eurkalyptusbäume pflanzen lassen.Wir hoffen, das Land bald wieder besuchen zu können.
Es sollte jeder einmal die Möglichkeite haben, die Arbeit in den australischen Tierrehas kennenzulernen. Es lässt einen nie wieder los. Wir werden eine Patenschaft übernehmen und ein paar Eurkalyptusbäume pflanzen lassen und hoffen, bald wieder nach Australien zu kommen.