Panorama

Reisepreis-Aufpreise? Das Timing macht’s

von am 4. Februar 2015

Man muss nicht Betriebswirtschaft studiert haben, um eine wichtige Sache beim Reisen schnell zu erkennen:

“Je später desto teurer!“

Für gewöhnlich gilt bei “ab Preisen”: Es gibt sie tatsächlich, allerdings werden sie für eine Zeit kalkuliert, in der vom entsprechenden Produkt jede Menge verfügbar und die Nachfrage in der Regel sehr gering ist. So kann man es zumindest für touristische Preise sehen. Ähnliches gilt aber auch für T-Shirts, Smartphones oder PKWs. Nur hier geht es in erste Linie um Ausstattung, Größe oder Zubehör. Wenn der VW-Konzern den klassischen GOLF “ab” anbietet, ist jedem klar, dass weder Lederausstattung, ein 200 PS Motor und eine 300 Watt Soundanlage dabei sind.

Bei Flügen, Hotelzimmern oder Mietwagen wundern sich trotzdem viele immer wieder, warum ein im Februar angebotener Preis von XY plötzlich im Juli auf XV-Plus steigt. Was dabei, insbesondere von jungen Menschen, für gewöhnlich außer Acht gelassen wird, ist der Faktor “Zeit”.
 

Die Zeit und der Preis

Klar, ein paar fette Alufelgen kann man sich noch bildlich vorstellen, auch weiß man genau, wieso man beim iPhone einen 128 GB Speicher dem läppischen 16 GB Grundmodell vorzieht und ist gegebenenfalls bereit, dafür auch etwas mehr hinzublättern.

Aber mit der – Zeit – ist das so eine Sache. Warum soll ich später mehr bezahlen?

Ein halbes Jahr ist ein Uni-Semester, solange dauert knapp die Rückrunde in der Bundesliga oder ist der Abstand zwischen zwei Zahnarzt-Vorsorgeuntersuchung. Es ist aber auch der Zeitraum, in dem – global gesehen – der Planet zweimal die Jahreszeit wechselt. Im Tourismus kann das preislich dramatische Folgen haben.

So steigen z.B. in New York die Zimmerpreise, wenn Frühling und Sommer Einzug halten, in den Alpen werden zur High-Season die Leihski in der bevorzugten Größe knapp und in Sydney kostet ein Hotelzimmer mit Blick auf den Hafen über Silvester fast soviel wie ein gebrauchtes Auto. Deshalb sollte man sich über eines klar sein: Unternehmen, die Dienstleistung oder Produkte für Urlauber und Reisende anbieten, sind nicht anders als Sony, McDonalds oder Mercedes Benz: sie sind genauso gewinnorientiert.

Es gibt nur einen Unterschied: Ein Flugzeug hat nur eine bestimmte Anzahl von Sitzplätzen. Da kann zur Weihnachtszeit nicht schnell mal die Produktion angehoben werden. Einem Autovermieter ist es nicht möglich, schnell noch ein paar hundert Fahrzeuge dazu zu kaufen, hingegen die Burgerbraterei nur ein paar Patties mehr auf den Grill schmeißen muss, wenn zusätzliche Gäste kommen. Und natürlich kann ein Hotel zu Spitzenzeiten nicht in Nullkommanichts einen Anbau hochziehen, der im Rest des Jahres dazu noch leer stehen würde. Hier müssen Umsätze durch den Umstand gemacht werden, dass es „Saisonal“ gravierende Unterschiede gibt.

Wer sich im Mai und Juni nach Sydney aufmacht, dürfte nicht nur beim Flugpreis richtig sparen, sondern findet unter Umständen auch ein paar echte Unterkunfts-Schnäppchen. Gleichzeitig muss aber akzeptiert werden, dass man den einen oder anderen Pullover einpacken sollte und man sich mit dem Gedanken anfreunden muss, dass ein Regenschirm ein sinnvoller Begleiter bei Sightseeing- und Shopping-Touren sein kann.

Richtig gute Laune bekommt man vermutlich auch, wenn man sich z.B. unser Angebot für eine Camper-Anfrage durchliest, solange sie sich auf diesen Reisezeitraum bezieht. Denn die Preise in der sogenannten “Off-Season” sind einfach unschlagbar.

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Sparen mit Haken

Andererseits darf man sich natürlich nicht wundern, wenn vor Ort festgestellt wird, dass viele Attraktionen geschlossen sind oder diese nur sehr eingeschränkt geöffnet haben. Es könnte sogar vorkommen, dass manch australisches Highlight nur mit Gummistiefeln oder besonders wetterfester Kleidung besucht werden kann oder der Strand wegen “Quallen” geschlossen ist. Wobei festzuhalten wäre, dass auch diese Wet-Season, der Winter oder die sogenannte „Nebensaison“ auch immer ihre schönen Seiten haben. Aber die Regel bei Urlaubszeiten ist es nicht.

Wer dagegen in den australischen Sommermonate November bis Februar, oder noch besser über den Jahreswechsel nach Down Under reist und eine Unterkunft in Sydney sucht, wird möglicherweise geschockt sein von den Preisen, die von Fluggesellschaften, Hoteliers oder Tour-Unternehmen aufgerufen werden. Denn selbstverständlich kennen die Anbieter die Besucherzahlen aus Statistiken oder, noch einfacher, brauchen nur aus dem Fenster zu schauen um zu sehen, wie es während der Saison deutlich wärmer und sonniger wird.

Und letztlich werden trotz der höheren Preise diese Flüge, Unterkünfte und Produkte ja auch von vielen Urlaubern gebucht. Oft aus dem Umstand heraus, dass manch einer gar keine andere Möglichkeit hat und nur zu diesem Zeitpunkt reisen kann. Meist weil die Kinder “Große Ferien” haben (in Australien übrigens im Dez/Jan) oder die Verwandten und Freunde, die man besuchen möchte, nur gerade dann Zeit haben. Und selbst reisende Backpacker sind oftmals von bestimmten Terminen abhängig, weil das neue Semester oder die Ausbildung beginnt.

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Warum nicht einen Durchschnittspreis?

Davon ausgehend, dass dies eigentlich allgemein bekannt sein dürfte, melden sich immer wieder Reisebine-Nutzer und fragen, wieso der angebotene Preis denn so deutlich von dem „ab Preis“ bei Angeboten auf unseren Seiten abweicht?

Da stellt sich die Frage, wie ein Preis, der abhängig von verschiedenen Faktoren und zudem zeitabhängig ist, sonst dargestellt werden kann? Sollte der maximal höchste Preis genannt werden? Mal abgesehen davon, dass es marketingtechnischer Unsinn wäre, dürften auch all die geschockt sein, die eigentlich zu einer preislich recht moderaten Zeit reisen wollten und würden vom Angebot gewiss die Finger lassen! Oder ein „cirka Preis“?
Aber dann ergibt sich wiederum die Frage: Welcher? Der, der ungefähr so zwischen Haupt- und Nebensaison liegt? Also Preise, die einen guten Durchschnittswert darstellen. Die Antworten hierzu sind ganz einfach und liegt auf der Hand:

  1. Die Erklärungen dazu würden einen vernünftigen Rahmen sprengen und könnten kaum noch in einer einfachen Fußzeile formuliert werden.
  2. Weil kein anderer das so macht und man sich damit selbst wirtschaftlich schnell ins Abseits stellen würde. Also vielleicht schön für denjenigen, der sich nur mal umsehen und preislich informieren möchte. Für Unternehmen allerdings, die sich so präsentieren, wäre die Betriebszeit sicherlich bald abgelaufen.

Und mal ganz ehrlich. Wer bleibt heutzutage schon auf einer Webseite die schreibt: “Das kostet so in etwa um die xyz Euro”.

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Fazit und was man beachten sollte

Jeder Anbieter versucht, den günstigsten Preis anzugeben. Ob nun bei Flugpreisen, Hotelzimmern oder Mietwagen, es sind immer Preise, die es auch tatsächlich gibt, die aber normalerweise nur dann zum Tragen kommen, wenn man in punkto Zeitraum, Ausstattung und/oder anderen Kriterien bereit ist, Abstriche zu machen. Für gewöhnlich beeinflussen folgende Faktoren sehr stark die Preise im Tourismus:

  • Reiseziel: Umso beliebter und entfernter umso teurer
  • Reisezeit: Ferienzeit und besondere Ereignisse (von Sport über Festivals bis hin zu Jahreswechsel oder lokalen, zeitlich begrenzten Phänomenen, z.B. Sonnenfinsternis, Walwanderungen oder Coral spawning)
  • Klimazonen: Besseres Wetter = höherer Preise.

FAZIT: Je unflexibler man ist, um so teurer wird es

Inzwischen bieten einige Fluggesellschaften sogar kurzfristige Überraschungsflüge zu wirklich günstigen Konditionen an. Allerdings muss man zeitlich sehr spontan sein und erfährt auch nicht vor der Buchung wo es genau hingeht  …  dafür bekommt man einen besonders günstig Flug und die Fluggesellschaft bekommt so noch ihre bis dahin unverkauften Plätze in der Maschine voll !

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