Rund ums Fliegen

Premium Economy Class: zwischen Low-Budget und Luxus

von am 9. Februar 2017

Flugzeuge nicht nur als Transportmittel, sondern als eigenständiges Erlebnis zu sehen, soll nicht mehr nur der First- und Business Class vorbehalten sein. Qantas, Cathay Pacific, bald auch Emirates und viele mehr wollen zeigen, wie das geht: mit der Premium Economy Class, der Luxusklasse für Economy Passagiere.
 

CX-Premium-Economy-Class-Picture09© Foto: Cathay Pacific

 
Die gute alte Economy Class. Wo man teils stundenlang zusammengefaltet wie ein Origamikranich mit dem Sitznachbarn um 3,5 Millimeter Platz auf der Armlehne kämpft. Schafft man es trotzdem irgendwann einzuschlafen, wird man kurz darauf von einem erdbebengleichen Ruckeln durch den ganzen Körper geweckt, jedes Mal wenn der Vordermann sich bewegt. Wenigstens ist man nach dem Stundenlangen Aufenthalt am Terminal durch die drei gesalzenen Nüsschen, die man beim Einstieg in die Hand gedrückt bekommt, immer gesättigt. 

Jeder Mensch (der über 1,50m groß ist) kennt das ein oder andere Problemchen als Flugpassagier in der „Normalo“ Klasse. Vor allem kennt er, wie diese je nach Länge des Fluges auch ganz schnell zu ausgewachsenen Problemen ausarten können. 

Das soll aber für Leute mit ein paar Scheinen mehr im Geldbeutel gelöst sein: mit der Premium Economy Class. 

Der ein oder andere Reisende hat mit Sicherheit schon von dieser besonderen Klasse gehört. Sie feiert dieses Jahr immerhin schon ihren 25. Geburtstag, denn bereits im Jahre 1992 führte die taiwanesische Fluglinie EVA Air zum ersten Mal eine Klasse zwischen Economy- und Businessklasse ein. Diesem Vorbild folgte auch Virgin Atlantic schnell.

Heutzutage wird sie immer gewöhnlicher, die Mittelklasse. Auch wenn die Namen sich unterscheiden können. British Airways beispielsweise nennt seine Premium Economy Class „World Traveller Plus“. Wer sich die leisten mag, kann sich unter anderem über einen Nachmittagstee freuen, den die geizigeren Passagiere nicht bekommen. 
Passagiere der Mittelklasse zahlen im Durchschnitt 2,5 mal so viel wie die der Economy Class.

Vielen Flugreisenden genügen ein paar extra Snacks und ein bisschen mehr Beinfreiheit nicht, um über die teilweise großen Preisunterschiede der Economy Klassen hinwegzusehen. Schließlich kann man das gesparte Geld auch am Urlaubsort ausgeben und hat dabei möglicherweise mehr davon.

Andere hingegen wollen ihren Urlaub bereits im Flugzeug beginnen, lassen sich von versüßtem Service an Bord, kürzerer Wartezeit beim Boarding und mehr erlaubtem Gepäckgewicht locken. 

John Guscic, Management Direktor von Webjet sagt, dass fast ein Drittel der Flugbuchungen bei seinem Online-Reisebüro im hochklassigen Bereich lagen, also Premium Economy, Business und First Class. 

Dank der insgesamt niedriger werdenden Preise für internationale Flüge, ob geschäftlich oder freizeitlich, haben einige Kunden mehr Geld übrig für die luxuriösere Klasse. Deshalb entscheiden sie sich dafür, entspannter am Reiseziel anzukommen, so Guscic. 

Die Fluglinien nutzen die immer weiter aufklaffende Lücke zwischen immer billigerem Low-Budget und überteuertem Luxus. Zwischen Ryan Air Billigflügen mit so wenig Drumherum wie möglich für die geringsten Kosten und Emirates’ First Class mit abgetrennten Räumen und Privatkoch für jeden Passagier sowie Duschen im Flugzeug (!) ist nun mal massig Platz für eine Mittelklasse-Nische. 

Vor allem Reisende in ihren 40ern, die alleine oder mit Partner reisen, geben gerne etwas mehr Geld für einen angenehmeren Flug aus.
Aber auch Geschäftsreisende nutzen die gegenüber der Business Class günstige Variante, wenn sie beispielsweise kleineren Firmen angehören und wenig Budget für ihre Reise haben. 

Lawinenartig stieg in den letzten Jahren das Interesse an der Premium Economy und somit auch das Angebot verschiedenster Fluglinien. Jane Ferguson von der Reiseagentur Helloworld South Melbourne erklärt, dass die Airlines die neue Klasse einführen müssen, um attraktiv zu bleiben und erfolgreich zu sein. Die Premium Economy Class sei (zumindest von Melbourne aus) immer voll, es könne gar nicht genug Sitze dafür geben. 

Es gibt aber wie fast überall auch bei den verschiedenen „Premiumklassen“ unterschiede je nach Anbieter und Flugzeug. Während bei Cathay Pacific lediglich die Beinfreiheit und die Fernsehbildschirme etwas vergrößert werden, tut sich bei Virgin Australia mehr. 

Bei einigen neuen Flugzeugen der Airline wurden die Sitzplätze der Premium Economy Class, seitdem nur noch Premium Class genannt, von 40 auf 24 reduziert, was deutlich mehr Platz schafft. Außerdem gibt es Mahlzeiten, die sich der Business Class schon deutlich annähern, auf schickem Geschirr serviert, dazu wird Wein angeboten und Kaffee von Nespresso. Stündlich werden obendrein noch Cocktails und Snacks serviert. 

Selbstverständlich macht sich dieser echte Luxus bemerkbar, die Kunden bewerteten Speisen und Getränke seit der Neueinführung um 13,5 Prozent besser.
Auch Qantas wird wohl ähnlich drastische Änderungen in der Mittelklasse durchführen. 

Laut dem Experten John Guscic ist die Revolution der Premium Economy Class noch lange nicht zu Ende. Er und seine Kollegen sagen voraus, dass einige Airlines sie noch weiter ausbauen und vergrößern werden, um damit mehr Kunden für sich gewinnen zu können. Mit ihrer eigenen Luxusklasse für „Normalos“.
 

Mehr Infos bei Reisebine: Die Premium Economy Class – Fliegen „fast“ wie in der Business Class?


© Foto: Cathay Pacific
Quelle: theaustralian.com

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