Australien News

Wohnen in Sydney – Privileg für Reiche?

von am 4. August 2015

Seit 1970 ist das „Sirius Building” in Sydney, The Rocks, das Zuhause für Sozialschwache und soll nun verkauft werden. Anwohner und Kulturkomission fürchten nun Umsiedlung und Abriss.

Im Zuge der Neugestaltung in den 1970er Jahren, mussten die meisten Bewohner aus dem Viertel „The Rocks” in Sydney ihre kleinen Reihenhäuser für wenig Geld räumen. Leidtragende waren dabei meistens Pensionäre, Menschen mit Handicaps und einfache Arbeiter.
 

Sirius Apartments Sydney

Sirius Apartments (© Foto: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Um einen Kompromiss zu schaffen und den Menschen ein neues Zuhause zu geben, wurde das „Sirius Building” nahe der Harbour Bridge gebaut. Durch geringe Mietpreise sollte sichergestellte werden, dass auch weniger gut verdienende Arbeiter und Sozialschwache am Leben der Innenstadt teilhaben können. Um so widersprüchlicher ist es jetzt, dass die Regierung das „Sirius Building” veräußern will und die Bewohner erneut umgesiedelt werden sollen. Diesmal jedoch in die Außenbezirke von Sydney.

Für die Anwohner, die bereits in den 1970er Jahren ihr Zuhause verlassen mussten, gleicht dies einer Katastrophe, denn wo sollen sie hin?

Das „Sirius Building” ist seit nunmehr über 40 Jahren ihre Heimat und ermöglicht den meist sozialschwachen Bewohnern durch vergleichsweise günstige Mietpreise weiterhin in ihrem gewohnten Umfeld zu leben. Sollten die Anwohner tatsächlich gezwungen werden ihre Wohnungen zu verlassen, so ist es für sie beinahe unmöglich eine Wohnung in gleicher Umgebung für einen bezahlbaren Mietpreis zu ergattern. Mit einer Durchschnittsmiete von ca. 2400 AU$ für eine Einzimmerwohnung im Stadtzentrum und ca. 1700 AU$ in äußeren Bezirken gehört Sydney zu den teuersten Städten weltweit. Wie sollen sich das Geringverdiener, Arbeitslose oder Menschen mit Handicap leisten können?

Eine Umsiedlung in die Außenbezirke bedeutet dabei nicht nur, sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden. Viel mehr besteht die Problematik darin, dass die Menschen am Alltag der Großstadt nicht mehr teilnehmen – und davon profitieren – können. Die 87-jährige Myra Demetriou zum Beispiel ist blind und hat ihr halbes Leben im „Sirius Building” verbracht. Nur hier kennt sie sich aus. Weiterhin ist eine stadtnahe Wohnung notwendig, um problemlos Ärzte und soziale Einrichtungen zu erreichen.

Der Abriss der Sozialwohnungen raubt seinen Anwohnern nicht nur das Zuhause, sondern ist Symbol für den Wandel Sydneys zu einer Stadt, in der zu Leben anscheinend nur noch den „Reichen und Schönen” möglich ist.

Durchschnittliche Quadratmeterpreise für Kaufimmobilien von 8.000 AU$ in den Außenbezirken und 15.000 AU$ im Stadtzentrum kann sich wohl kaum eine normal verdienende Familie leisten. Außerdem ist damit zu rechen, dass die Preise auch in Zukunft weiter steigen werden, da der Wohnraum in Sydney begrenzt ist und irgendwann ausgeschöpft sein wird.


Quellen: www.numbeo.com; redflag.org.au; www.news.com.au
© Foto: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International

Vorheriger Artikel
Nächster Artikel