Australien Work & Travel

Wie dubiose Farmer Backpacker in Australien abzocken

von am 4. März 2016

In der letzten Woche haben wir bereits über trügerische Jobangebote auf dem australischen Stellenmarkt berichtet.
 

Backpacker bei der Farmarbeit in Australien

 
Aktuell wurden wiederholt Vorfälle im australischen Staat Victoria gemeldet, weshalb die Behörden nun noch intensiver gegen dieses Problem vorgehen wollen.

Um noch deutlicher zu zeigen, wie leicht man wirklich in Australien auf diese Angebote reinfällt, haben wir die 20-jährige Lina zu diesem Thema befragt. Im vergangenen Jahr war sie mit einer Freundin als Backpackerin in Australien unterwegs und ist auf der Suche nach Arbeit in Perth, an der Westküste, gelandet.

 

Frage: Wieso sollte es gerade Farmarbeit werden?

Antwort: Wir wollten die 88 Tage, die für das Second Year Visa absolviert werden müssen, abarbeiten und haben uns deshalb dafür entschieden, nach Stellenangeboten auf Farmen zu schauen.

 

Frage: Wie seid ihr dann bei der Jobsuche vorgegangen?

Antwort: Zuerst fragten wir im Hostel nach, bekamen dort jedoch keine passenden Jobangebote. Deshalb haben wir Gumtree durchforstet und sind auf eine Anzeige für zwei Jobs auf einer Erdbeerfarm  in der Nähe von Mt. Barker, 5 Stunden südlich von Perth, gestoßen.

 

Frage: Wie sah das Angebot aus, was ihr dort gefunden habt?

Antwort: Unsere Aufgaben sollten das Pflücken und Verpacken von Erdbeeren sein. $21 pro Stunde sollte es geben und für die Unterkunft wurden $10 pro Tag verlangt. Die Arbeitszeit betrug 6 Stunden am Tag von Montag bis Samstag jede Woche.

 

Frage: Der Stundenlohn klingt ja nicht schlecht, aber waren euch die 6 Tage in der Woche nicht ein bisschen zu viel?

Antwort: Wir brauchten dringend Geld und der Stundenlohn war tatsächlich ziemlich verlockend. Und auch der Preis für die Unterkunft war geringer, als der Preis, den wir im Augenblick in unserem Hostel in Perth gezahlt haben. Da haben wir uns einfach gesagt, dass wir die 6 Tage in der Woche durchziehen, schließlich bekommen wir dann auch schneller unsere 88 Tage voll.

 

Frage: Wie lief es dann ab, als ihr euch dafür entschieden hattet, den Job anzunehmen?

Antwort: Wir bekamen eine Bestätigungsmail vom Farmer und haben uns daraufhin direkt einen Bus am nächsten Morgen von Perth nach Mt. Barker gebucht. Am Bahnhof wurden wir dort von der Frau des Farmers abgeholt und mit auf die Farm genommen, die nochmal 28km von Mt. Barker entfernt war. Dort angekommen sollten wir einen Vertrag unterschreiben, der die Details aus dem Angebot so beinhaltete wie besprochen: $21 für jede Stunde, die wir arbeiten.

 

Frage: Die Unterkunft sollte $10 pro Tag kosten, hast du gesagt. Wie sah diese denn genau aus?

Antwort: Geschlafen wurde in Containern, die mit je einem Stockbett und einem kleinen Nachttisch ausgestattet waren. Völlig in Ordnung für $10, dachten wir. Allerdings waren die Sanitäranlagen, wenn man sie so nennen möchte, sehr dreckig. Einmal hatte ich sogar einen Frosch in meiner Dusche. Und auch die Küche war nicht unbedingt besser. Viel zu wenig Platz und nicht ausreichend Geschirr für die 30 Angestellten.

 

Frage: Wann hat eure Arbeit begonnen und wie sah diese aus?

Antwort: Am nächsten Morgen ging es in der Früh los auf’s Feld. Jeder von uns wurde mit einem Korb ausgestattet und es sollte losgehen. Vorher aber dann der Schock. Der Farmer teilte uns mit, dass es anfangs nur $6 pro Stunde geben würde und man sich hocharbeiten könnte, wenn man schnell genug arbeitete.

 

Frage: Habt ihr trotz dieser Bekanntgabe angefangen zu arbeiten?

Antwort: Ja, wir brauchten schließlich das Geld und waren weit gefahren, um hier zu arbeiten. Deshalb beschlossen wir, uns einfach reinzuhängen und zu versuchen, unseren Stundenlohn aufzubessern.

 

Frage: Zurück zum Arbeitsverlauf, wie ging es weiter?

Antwort: Zuerst sollten die Erdbeeren gepflückt werden. Es stellte sich raus, dass es deutlich anstrengender war, als wir vermutet hatten. 5 Stunden lang bei 35 Grad in der prallen australischen Sonne über das Feld rennen und so schnell wie möglich die Erdbeeren zum Traktor bringen, zehrte an unseren Kräften. Anschließend mussten wir eine weitere Stunde Unkraut herausreißen und zwei Stunden lang die gesammelten Erdbeeren in Plastikpackungen sortieren. Beim Einsortieren bekam man pro sortierten Korb sogar nur $1. Wir schafften beide 8 Stück in zwei Stunden und waren somit noch unter dem Stundenlohn von $6.

 

Fragen: Das sind aber mehr als 6 Stunden Arbeitszeit wie zuvor besprochen. Hattet ihr denn eine Pause?

Antwort: Ja, das ist richtig. Eine halbe Stunde gab es Mittagspause, bevor wir zum Verpacken geschickt wurden.

 

Frage: Konntet ihr euren Stundenlohn im Nachhinein denn steigern?

Antwort: Das weiß ich bis heute nicht, ob wir das gekonnt hätten. Als wir nämlich am ersten Tag nach der Arbeit in der Küche standen, bekamen wir mit, wie ein anderer Backpacker erzählte, er würde bereits 3 Wochen auf der Farm arbeiten und wäre gerade mal bei einem Stundenlohn von $9 angekommen. Wir konnten gar nicht glauben, was für eine Abzocke das Ganze war und entschieden uns dazu, die Farm sofort zu verlassen.

 

Frage: Die richtige Entscheidung wie ich finde, nach der Schilderung der Umstände. Vielen Dank für deine Zeit.

Antwort: Gerne. Ich hoffe, dass solche Betrüger zur Rechenschaft gezogen werden und keine Möglichkeit mehr haben, Backpacker auszunutzen.


© Fotos: Destination New South Wales: Sally Mayman

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