Australien Work & Travel

Work & Traveler fühlen sich benachteiligt – kaum einer reklamiert

von am 24. Oktober 2016

Backpacker in Australien werden viel zu oft ausgenutzt. Was viele Erfahrungsberichte und Reportagen längst thematisierten, wird jetzt von der Australischen Regierung bewiesen: Ihrer Studie nach fühlt sich über die Hälfte der Work and Traveller in der Landwirtschaft unterbezahlt und schlecht behandelt. Viele davon scheinen so eingeschüchtert zu sein, dass sie sich nicht trauen, sich damit an die Regierung zu wenden. 
 

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Working Holiday Maker in Australien haben es nicht immer leicht. Das haben wir bereits in mehreren Artikeln zum Thema gemacht. 

Gerade diejenigen, die 88 Tage lang auf einer Farm arbeiten wollen, um ein Second Year Holiday Visum zu erhalten, haben leider zu oft mit Betrügern und Halsaufschneidern zu kämpfen.

Fair Work Ombudsman veröffentlichte nun einen Bericht, der harte Fakten zu den teilweise unmenschlichen Taten einiger Arbeitgeber offenlegt. Zwei Jahre lang recherchierten die Regierungsmitarbeiter dafür. 

So wurden rund 4.000 ausländische Arbeiter, die ihre Zeit auf einer Farm abarbeiteten, um ein zweites Jahr in Australien bleiben zu dürfen, zu ihren Arbeitsbedingungen befragt.

Dabei kam heraus, dass 66% von ihnen sich von den Farmern ausgenutzt fühlten und zu schlecht bezahlt werden. 

Was dabei besonders bestürzend ist: Die meisten Befragten gaben zu, sich nicht über ihre Lage beschweren zu wollen, aus Angst davor, kein Second Year Visum zu erhalten. Denn dafür müssen die Arbeitgeber eine Bestätigung aushändigen, dass die Halter des Working Holiday Visums mindestens 88 Tage auf ihrer Farm gearbeitet haben. 

Leider handelt es sich bei den untersuchten Fällen nicht nur um Unterbezahlung. Nicht selten finden sich Backpacker in verdreckten, überfüllten oder einfach zu kleinen Unterkünften, teils gar ohne fließend Wasser oder Strom wieder. Auch sexuelle Belästigung und Gewalt scheint keine Seltenheit zu sein. 
 

Unterkunft für Fruitpicker

Unterkunft für Fruitpicker

Natalie James, Mitarbeiterin bei FWO war negativ überrascht, als sich herauskristallisierte, dass so viele Backpacker zu eingeschüchtert sind, um sich über schlechte Arbeits- und Lebensbedingungen durch ihre Arbeitgeber zu beschweren. 

Umso wichtiger sei es, dass Working Holiday Vermittler sich an das zum Australian Government gehörende Bürgerbüro wenden, so James. Logischerweise kann nur gegen diejenigen Betrüger vorgegangen werden, die auch reklamiert werden. 

Die Farmer, die gut mit ihren Arbeitnehmern umgehen und sie ausreichend bezahlen, sollen reichlich mit Backpackern versorgt werden, während die Betrüger herausgefiltert, belangt und aus dem Verkehr gezogen werden sollen. Die Spreu soll also sprichwörtlich vom Weizen getrennt werden.

Besonders dringend muss zwielichtigen Jobvermittlern das Handwerk gelegt werden, die laut Natalie James Hauptverursacher der Betrügereien sind. Sie locken ahnungslose Working Holiday Maker mit falschen Auskünften und sacken dabei selbst noch Geld ein. 

 

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Diese Firmen sind darauf ausgelegt, ausländische Arbeiter auszunehmen. Dass sie dabei das Gesetz bewusst missachten fällt spätestens dann auf, wenn die Mitarbeiter des FWO die registrierte Firmenadresse anfahren und dort nicht die Firma vorfinden. 

Leider macht es genau das aber auch schwierig, sie aus dem Verkehr zu ziehen.

Das Ziel der Regierung ist es, mit den von Backpackern profitierenden Farmern an einem Strang zu ziehen, um die Zustände schnellstmöglich zu verbessern. 

Eine innovative Idee kommt dafür auch aus den Reihen der Landwirte. 

Anthony Staatz, Repräsentant der Lockyer Valley Growers  möchte, dass eine Art Zertifikat für Arbeitgeber eingeführt wird. 

Dafür sollen diese in Zusammenarbeit mit Fair Work Australia oder einer Regierungsbehörde ein spezielles Programm durchlaufen. Nur wer davon überzeugt, sich an die Gesetze und Bestimmungen zu halten, soll so ein Zertifikat erhalten. 

Für Landwirte wäre das ein guter Weg zur Selbstkontrolle, ob sie die Richtlinien einhalten oder etwas ändern müssen. Wer sich dagegen bewusst nicht an die Regeln hält, könnte viel einfacher erkannt und zur Rechenschaft gezogen werden, so Staatz.

Würde diese Idee umgesetzt werden, wäre womöglich das gesamte Konzept der Farmarbeit für ein verlängertes Work and Travel Visum wieder Attraktiver. Denn eigentlich sollen ja beide Seiten, Farmer wie Backpacker davon profitieren.
Die egoistischen Arbeitgeber, die junge Arbeiter so ausnutzen, machen leider nicht nur ihren Opfern das Leben schwer, sondern auch den eigenen Landsmännern und potenziellen Nachfolgern. 

Die Lockyer Valley Growers, allen voran Anthony Staatz, wollen deshalb der Regierung unter die Arme greifen und ihre Idee Vorstellen, in der Hoffnung auf neue Sicherheit für Australiens Work and Travel Branche.


Quelle: www.abc.net
Fotos: Tourism NSW; Stefan Rhein

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