Neuseeland News

Wwoofing: Entlohnung mit Gammelfleisch

von am 12. Januar 2018

Ein weiterer Aufruf zur Vorsicht an Wwoofer: In ihr angeblich „warmes und komfortables Zuhause“ lockte eine Wwoofing Farm in Neuseeland unwissende Backpacker und Volontäre, die hier nicht nur unmenschliche Arbeitsbedingungen erwartete, sondern die auch noch Lebensmittel aus dem Mülleimer eines Supermarkts zum Abendessen serviert bekamen.
 

 

„Du wirst hier freundlich willkommen geheißen und hast die Möglichkeit mit anderen Reisenden Freundschaften zu schließen.“ So wirbt die Robinwood Wwoofing Farm in der Nähe von Christchurch auf ihrer Facebook-Seite und hat sichtlich Erfolg: Hunderte von Reisende zieht es auf die Organic Farm, um ein wenig ihrer Arbeitskraft gegen Kost und Logis zu tauschen. Ein fairer Handel, wie es scheint und ohne Zweifel eine gute Art, um sich als Backpacker das Dach über dem Kopf zu verdienen.

Die bittere Realität ist jedoch eine andere, wie durch eine Arbeitsinspektion herauskam und in einer Pressemitteilung des Ministeriums für Arbeit bestätigt wurde. Die neuseeländische Farm setzte ihre Wwoofer für knallharte 40-Stunden-Wochen ein und setzte sie in ihren Aufgaben Arbeitnehmern gleich. Ausschließlich gewinnbringende und schweißtreibende Arbeit anstatt authentischer Freiwilligenarbeit. Als ob dies nicht schon erniedrigend genug ist, verstand sich die Logis als unbeheizter und dunkler Raum unter der Treppe und die Kost wurde mit freundlichem Gruß aus der Supermarktmülltonne serviert. Dass das Fleisch bereits verdorben war, scherte die Gastgeber wohl nicht.
 

Arbeitnehmer statt Wwoofer?

Die meisten Wwoofer waren natürlich Ausländer – obwohl ohne Arbeitsvertrag gearbeitet wurde, war die schnelle Suche nach einer neuen Bleibe also erst einmal erschwert und das Dach über dem Kopf wichtiger. Vermutlich sagten sich viele: Ich schaff’ das schon eine Weile.

Außerdem lockte die Farm mit einer Extra-Bezahlung von 120 Dollar pro Woche. Was für jeden Reisenden erst einmal vielversprechend klingt, verstößt gegen jegliche Wwoofing-Regularien. Obwohl laut Aussagen einiger Wwoofer selbst dieser Arbeitslohn nicht bezahlt wurde, steht nun zur Debatte, welche Wwoofer als Arbeitnehmer auf der Robinwood Farm einzustufen gewesen wären und damit einen Anspruch auf einen Arbeitsvertrag, den Mindestlohn und gesetzlich geregelten Urlaub gehabt hätte.

Nun aber wird gegen die Robinwood Wwoofing Farm ermittelt und neben einer ruinierten Reputation drohen rechtliche Konsequenzen. Pro Verstoß könnte die Farm jedem Arbeitnehmer, als welche die Wwoofer hätten registriert sein müssen, bis zu 20.000 Dollar zahlen müssen.

Ob das eine späte Entlohnung für die niederen Zustände und Arbeitsbedingungen auf der Farm sein könnte, bleibt abzuwarten, denn wer weiß, ob die Farm, die einen so großen Wert auf billige Arbeitskräfte zu legen scheint, überhaupt liquide genug ist, um diese Strafe zu zahlen.
 

Wwoofing ist Glückssache

Immer wieder einmal wird einer katastrophalen Wwoofing-Erfahrung berichtet. Doch wie sollen Reisende wissen, was da auf sie zukommt, wenn die „Hosts“ sich erst nach der Anreise als Halsabschneider auf der Suche nach billigen Arbeitnehmern entpuppen. Wer also nicht über das Talent verfügt in die Zukunft zu sehen, sollte sich auf seinen gesunden Menschenverstand verlassen. Genügend Ersparnisse vor der großen Reise könnten einem jedenfalls die ein der andere Nacht im kalten Lagerraum unter der Treppe ersparen.

Einige Tipps und Erfahrungsberichte der Reisebine-Redaktion sind hier zu finden:

Wissenswertes zum Wwoofing
Wwoofing – moderne Sklaverei?
Gastgeberin gewährt Einblicke in Wwoof-Australia
Was erwartet mich beim Wwoofing?
Ausgenutzt beim Wwoofing: Wenn Freiwillige zu unbezahlten Angestellten werden


© Quelle: NZ Herald, Foto: DNSW

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