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Mardi Gras: 40 Jahre für die Gleichberechtigung

von am 7. März 2018

Seit Jahrzehnten kämpfen die Menschen in Australien schon für die Gleichberechtigung aller Geschlechter. Leider gehen die Meinungen zum 40-jährigen Mardi Gras Jubiläum weit auseinander.
 

 

24. Juni 1978 – Der erste australische Mardi Gras findet in Sydney statt.

Hunderte Homosexuelle zogen friedlich durch die Straßen von Sydney und sangen dabei ihre selbst ernannte Mardi Gras-Hymne “Glad to be Gay” von Tom Robinson. Sie protestierten, begleitet von Musik und Gesang, gegen die nicht endende Diskriminierung und Respektlosigkeit der Gesellschaft gegenüber aller Nicht-Heterosexuellen Mitbürger und traten damit die ersten Steine einer Lawine los.

Die 1970er Jahre in Australien waren eine schwierige und teilweise sehr gefährliche Zeit, um schwul oder lesbisch zu sein. Homosexualität war in New South Wales zu dieser Zeit noch illegal und stand unter Bestrafung. Menschen, die so mutig waren sich zu outen, liefen Gefahr, ihren Job zu verlieren oder sogar gänzlich von der Gesellschaft verstoßen zu werden.

“Unsere Leben waren illegal. Wir durften nicht existieren.”
Franc Hancock, Mitbegründer des ´78 Mardi Gras.

Leider erlebten auch die Teilnehmer des ersten Mardi Gras, wie wenig sie wirklich akzeptiert wurden. Keine halbe Stunde nach Beginn des Umzuges wurden sie von der Polizei bedrängt. Grund dafür war, dass viel mehr Menschen als ursprünglich geplant am Umzug teilnahmen und die Polizisten, die den Marsch als Aufsicht begleiteten, verloren sehr schnell den Überblick. Sie fingen an, die Menge in die Enge zu treiben und begannen die Aktivisten, die sich wehrten, zu schlagen und zu beleidigen. Insgesamt wurden 53 Menschen verhaftet.

Ich hörte Menschen schreien. Polizisten hielten Leute fest und es wurden Gegenstände durch die Gegend geworfen.” erinnert sich die Teilnehmerin Kate Rowe Jahre später an diesen Moment. Trotz der furchtbaren Geschehnisse ist sie froh, dabei gewesen zu sein. Denn an diesem Tag begann sich die Gesellschaft und die Politik Australiens zu verändern. Menschen fingen an, stärker und vor allem öffentlich für eine Gleichberechtigung und Gleichstellung zu kämpfen.

Es fühlte sich an, wie ein politisches Erwachen. Zum aller ersten Mal konnte ich sagen ´Ich bin lesbisch und ich habe das Recht, hier zu sein`.

Über die nächsten Jahrzehnte wandelten sich die Ansichten vieler. Die Akzeptanz gegenüber den Menschen, die sich als homosexuell oder mit einer anderen Geschlechtsidentität identifizierten wuchs immer weiter und in vielen Ländern interessiert es heute fast niemanden mehr, wer oder was man ist beziehungsweise sein möchte.
 

3. März 2018 – Das Sydney Gay and Lesbian Mardi Gras findet unter dem Motto “40 Years of Evolution” zum vierzigsten Mal statt.

“Wir haben noch einen sehr langen Weg vor uns.”
Noel Tovey, Mitglied der LGBTI-Bewegung

Der Aborigine Noel Tovey ist ein langähriger Teilnehmer des Mardi Gras und bekennend schwul. Er ist der Meinung, dass das Ziel noch lange nicht erreicht ist, da eine Gleichberechtigung vor dem Gesetz nichts mit der Gleichberechtigung in der Gesellschaft und dem sozialen Leben zu tun hat. Menschen sollen sich offen zu ihrer Sexualität bekennen dürfen, ohne dafür schiefe Blicke zu bekommen oder anders behandelt zu werden.

Auf die Frage, was er vom diesjährigen Mardi Gras halte, antwortete Tovey, dass “es nicht mehr das ist, was es einmal war. Es stand für viel mehr als nur ´Gemeinsam Sydney`. Es stand für die Ebenbürtigkeit aller und dafür, eine Stimme zu haben.”

Für viele ´78er, wie die Teilnehmer des ersten Mardi Gras genannt werden, hat das 40-jährige Jubiläum einen bitteren Nachgeschmack. Angeblich sei es “zu sehr im Trend“. Aus aller Welt kommen die Menschen, nur um sagen zu können, dass sie dabei waren und weil er gerade cool ist.
 

 
“In dieser Nacht geben die Leute vor, schwul zu sein.” sagte Tovey.

Besonders jetzt, nachdem 2017 in Australien die gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert wurde, strömen die Menschen in Massen nach Sydney. Dieses Jahr waren es über 12.300 Schwule und Lesben, die aktiv an der Parade teilnahmen und mehr als 300.000 Besucher, die am Straßenrand standen und zusahen. Einige der ´78er glauben, dass der ursprüngliche Sinn des Umzuges bei einer dreiwöchigen Feier und Hauptacts wie Cher einfach untergeht.

Dennoch sollte man auch die positiven Aspekte nicht vergessen. Ohne den ersten Mardi Gras, so gewalttätig es auch war, würde es viele Antidiskriminierungs-Gesetzte vielleicht gar nicht geben und Homosexuelle würden immer noch unterdrückt oder respektlos behandelt werden.

Trotz all der negativen Kommentare sollte man bedenken, wie weit die LGBTI-Bewegung mittlerweile gekommen ist. Innerhalb von 40 Jahren ist noch nicht alles, aber schon sehr viel geschafft. Der vierzigste Mardi Gras, sagt einer der diesjährigen Manager, sei nun erst einmal ein Grund zum feiern.

40.000 Menschen sind aufgestanden und setzen sich für die Gleichberechtigung aller ein,” fasst die Vorsitzende des Mardi Gras Umzuges zusammen. “Deswegen denke ich, dass wir nie wieder so unterdrückt werden können wie damals. Die Menschen wissen was sie tun, sie wissen sie können etwas verändern.


© Fotos: Destination NSW / Quelle: The Guardian, BBC News, abc.net.au

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