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Wombat-Plage in Australien

von am 21. Januar 2019

In Australien wird zum wiederholten Male diskutiert, wie man mit einer ‚Tierplage‘ umzugehen hat. Diesmal fühlen Schafhirten im Süden des Landes sich von der wachsenden Zahl der ansonsten allseits geliebten Wombats bedroht. Australische Tierschützer und Biologen sind sich jedoch einig, dass das Jagen der pummeligen Lebewesen nicht die Lösung sein darf und sie weiterhin unter Schutz stehen sollen.
 

 

Australien hat mal wieder eine Tierplage am Hals – das ist zumindest die Meinung einiger Einheimischer. Diesmal soll es einer zuckersüßen, heimischen Gattung an den Kragen gehen: den Wombats!

Der Schäfer David Linder beklagt sich über die wachsende Wombat-Population, die dafür sorgt, dass auf seinem Grundstück 150km nördlich von Adelaide keine heimischen Gräser mehr wachsen. Seiner Aussage nach leben mindestens 600 Wombats auf seinem Anwesen.

Wombats leben wie Kaninchen in Höhlen unter der Erde. Um die vielen Löcher herum fressen die  die Tiere das Gras und die Erde trocknet aus, sodass am Ende große Flächen ganz ausdörren, erklärt Linder. Er sei nicht er einzige Hirte, dessen Schafe sich ihr Gras mit den Wombats teilen müssen.

Patrick Medway, Minister der Australian Wildlife Society, stellt sich gegen diese Aussage. Er gesteht den Farmern zu, dass die Trockenheit ein großes Problem darstellt und spricht ihnen sein Mitleid aus. Der Grund dafür ist seiner Meinung nach aber die Überbeweidung durch Farmtiere, nicht die heimische Fauna.

Das Vorkommen des südlichen Haarnasenwombat hat sich in den letzten 30 Jahren verdreifacht, stellt Michael Swinbourne, Forscher an der University of Adelaide, fest. Dieser Anstieg liege an der zurückgehenden Zahl von Kaninchen und Dingos.

Seit den 1950ern werden Kaninchenpestviren und seit jüngerer Zeit auch Caliciviren eingesetzt, womit die Kaninchenzahl reduziert wurde, so Swinbourne. Dadurch konnte die Wombatpopulation sich erholen und wieder vermehren.

Seit 1885 schützt der Dog Fence die Schafindustrie in New South Wales, Victoria und Queensland vor Dingos, erklärt Swinbourne weiter. Würde dieser Zaun entfernt werden, könnten Dingos wieder in diese Bereiche einziehen und würden voraussichtlich einen Ausgleich an fleischfressenden und pflanzenfressenden Populationen schaffen.

Das Wiedereinführen von Dingos würde den Schafhirten aber vermutlich auch nicht gefallen, da diese wiederum ihre Schafe reißen könnten. Dennoch ist der Forscher der Überzeugung, es müsse auch fleischfressende Tiere geben, um eine natürliche Balance zu schaffen.

Für einige Australier wäre der leichteste (und liebste) Lösungsansatz sicher, die Wombats einfach selbst jagen zu dürfen. Dagegen gehen australische Naturschützer glücklicherweise vor. Wombats South Australia beispielsweise hält fünf Reservate für Wombats, auf denen rund 2000 von ihnen ungestört leben können.

Peter Clements, ebenfalls Forscher an der University of Adelaide, sieht ebenfalls die Entfernung des Dog Fence als beste Lösung. Menschen könnten nicht für eine natürliche Balance sorgen, wie Raubtiere es tun würden. Er glaubt, dass Wombats aufgrund ihrer Größe ein zu leichtes Schussziel wären und die Freigabe zum Jagen von Wombats nur zu einer schnellen Ausrottung dieser Art führen würde.

Obwohl Wombats gesetzlich geschützt sind, greifen einige Farmer schon jetzt illegal zur Waffe, wenn die großnasigen Tiere sich ihren Schafweiden nähern. Es gab auch schon Fälle, in denen Farmer die Wombathöhlen mit Fahrzeugen planierten und die schutzlosen Tiere absichtlich lebendig begruben.

Der Präsident von Livestock South Australia, Joe Keynes, plädiert deshalb für Reservate für die geschützten Haarnasenwombats. Zwar würden nicht viele Mitglieder sich über Probleme mit den Tieren beschweren, sie seien aber dennoch bekannt.

Es bleibt zu hoffen, dass Australien aus seinen bisherigen Kämpfen gegen heimische Tiere gelernt hat und die süßen Touristenmagneten nicht bald um ihre Existenz bangen müssen. Möglicherweise klappt es diesmal, dass rechtzeitig eine Lösung gefunden wird, die nichts mit Gewehren oder Gift zu tun hat.
 

 


Quelle: www.abc.net.au; Fotos: Tourism & Events Queensland

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