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Gratis Surfkurse für Flüchtlinge

Die Australier zeigen der Welt, wie leicht man Flüchtlinge integrieren kann. Durch gesponserte Surfkurse am Bondi Beach (Sydney) soll das Programm “Surfing Without Borders” nun vielen Heimatlosen helfen, die australische Kultur besser kennenzulernen.

Es gibt wenige Dinge, die mehr für australische Kultur stehen als das Surfen. Nichts ist schwerer, als einen Australier zu finden, der noch nie surfen war oder keinen Surfer im näheren sozialen Umfeld hat.

Was tut man also, um Asylbewerber schnellstmöglich in die australische Gesellschaft zu integrieren und es ihnen zu ermöglichen, auf sozialer Ebene Fuß zu fassen?
Das Surfprogramm “Surfing Without Borders”, zu deutsch etwa Surfen ohne Grenzen, liefert die offensichtliche Antwort: Surfkurse für Flüchtlinge.

Zustande kommt die Aktion dank der Surfschule “Let’s Go Surfing”, welche sich am Bondi Beach in Sydney befindet. Sie spendet Anfängerkurse für die Flüchtlinge. Dadurch hat jeder von ihnen die Chance, einmal das kultige Leben eines Surfers zu spüren und gleichzeitig einer Gemeinschaft anzugehören.
  

Surfer, vor allem auch Anfänger, fühlen sich wohl am Bondi Beach (© Foto: Steve Maw (Lizenz: CC BY-ND 2.0))

 
Der Plan geht auf. Jeder, der schon einmal auf einem Surfbrett saß, im leisen Rauschen des offenen Meeres, umgeben von anderen begeisterten Surfern, kennt das Zusammengehörigkeitsgefühl, das davon ausgeht. Das gemeinsame Warten auf die nächste Welle, sich gegenseitig anfeuern, wenn sie dann kommt und zusammen jubeln, wenn man erfolgreich bis ans Ufer gesurft ist.

Für die geräderten Asylsuchenden ist das ein wunderbarer Ausgleich, etwas Abwechslung im harten Leben als Heimatloser. Freundschaften werden geschlossen und die Sorgen sind für eine gewisse Zeit ausgeblendet.

Einen psychologischen Wert hat die ganze Aktion aber auch, da viele der Menschen den Weg über das Meer in kleinen Booten bestreiten mussten, um aus ihrem Heimatland zu entkommen. Somit sind für sie die salzigen, tosenden Wassermassen oft mit Angst, Gefahr oder gar Schmerzen verbunden.
Durch das Surfen lernen sie, dass der Ozean so viel mehr ist als ein Fluchtweg oder eine Lebensgefahr. Sie können es wieder mit Freude und Gelächter verbinden.

In Gang kam das Projekt Surfing Without Borders, nachdem eine Fallmanagerin der Organisation Settlement Services International (SSI) namens Sandra Oehman ihre asylsuchenden Klienten für einen Ausflug mit zum Strand nahm.
Die gebürtige Finnin wanderte selbst vier Jahre zuvor nach Australien aus und lernte surfen, um sich besser in die australische Kultur einfühlen zu können.

Da der Sport ihr damals sehr dabei geholfen hatte, ihre Sorgen zu vergessen, hatte Oehman die Hoffnung, dass es ihren Klienten genau so gehen würde.
Ihre Wünsche erfüllten sich, als die Männer sich durchweg begeistert zu deren ersten Surfversuchen äußerten.

Nachdem im Juni diesen Jahres der erste gesponserte Surfkurs mit der professionellen Surfschule Let’s Go Surfing ebenfalls nur positive Resonanzen erhielt, setzte das Projekt sich dauerhaft durch.
  

Die Surfschule “Let’s Go Surfing” in Bondi (© Foto: Kim (Lizenz: CC BY-SA 2.0))

 
Jeden zweiten Donnerstag surfen die Asylanten nun am Bondi Beach, mit nachfolgendem Barbecue am Strand. Dabei besteht für sie die Chance auch Locals, also einheimische Surfer, kennenzulernen und sich mit den Profis auszutauschen.

Brenda Miley, die Inhaberin der Surfschule war von Beginn an begeistert von der Aktion und ist froh, sie unterstützen zu können.
Ihrer Aussage nach ist Surfen der perfekte Sport, um Migranten in die australische Kultur einzugliedern.
Aber nicht nur die Flüchtlinge haben was vom Projekt Surfing Without Borders, sondern auch die einheimischen Surfer und Surflehrer können viel lernen.
So werden die Barrikaden zwischen ihnen und den fremden Asylbewerbern eingerissen und ein besseres Verständnis für die verschiedenen Lebensstile ermöglicht.

Die Australier zeigen mit diesem Programm eindeutig, wo es langgeht in Sachen Integration. Möglicherweise hat das den weiteren tollen Effekt, dass andere Länder sehen, wie schnell man Flüchtlingen die eigene Kultur schmackhaft machen kann und sie damit sanft eingliedert. Wünschenswert wäre das auf jeden Fall.


Quelle: theage.com.au
© Fotos: Welle: Steve Maw (Lizenz: CC BY-ND 2.0) ; Surfschule: Kim (Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Autor/in des Artikels

Jasmin Rhein

Da sie schon als Kleinkind von ihren Eltern quer durch die Welt geschleppt wurde, blieb Jasmin eigentlich nichts anderes übrig, als vom Reisefieber angesteckt zu werden. Noch vor dem Studium stehend sieht sie sich geplagt von der Entscheidung einen Zukunftsweg zu wählen, bei der Vielfalt, die die Welt noch für sie zu bieten hat. Als passionierte Surferin und Schnorchlerin aber ließ Australien nicht lange auf sich warten!
Seitdem ergänzt Jasmin das Reisebine-Team als freie Autorin.

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