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Schreiben neue historische Uni-Richtlinien die australische Geschichte um?

von am 31. März 2016

In Australien hat sich ein Streit um den Umgang mit der eigenen Geschichte entfacht. Auslöser sind neue historische Richtlinien der University of New South Wales, die die australische Geschichte in ein anderes Licht rücken.
 

© Foto: Tourism & Events Queensland / Cathay Finch

Das „Diversity Toolkit“, der neue uniinterne Historienführer, schlägt eine grundlegend neue Terminologie für die Beschreibung der australischen Geschichte vor, um Respekt vor den Aborigines und ihrer Kultur zum Ausdruck zu bringen.

Denise Knight, Pressesprecherin der University of New South Wales, sagte, der Historienführer solle lediglich dabei helfen, die Geschichte und Kultur der eingeborenen Australier angemessen zu beschreiben. Zugleich betonte sie, dass die Richtlinien nur als Empfehlung gedacht und die Studierenden nicht dazu verpflichtet seien, diese zu befolgen.

Die neuen Richtlinien besagen etwa, dass Australien nicht „entdeckt“, sondern in das Land „eingedrungen, es besetzt und kolonisiert wurde“. Dementsprechend sei das Land auch nicht „besiedelt“ worden, vielmehr habe man den Eingeborenen ihr Land „gestohlen“.

Zudem sei die Bezeichnung „Aborigines“ eine unangemessene Bezeichnung für die Ureinwohner Australiens, diese sollen künftig lieber „die einheimischen Australier“ genannt werden.

Generell wird empfohlen, die australische Geschichte in die beiden Phasen „vor der Invasion“ und „nach der Invasion“ zu unterteilen.
 

SAB-2012-Kakadu_Guide2_800© Foto: Sabine Hopf / Reisebine

Professorin Sarah Maddison von der University of Melbourne befürwortet die Richtlinien und teilt die Ansicht, dass Australien kolonisiert wurde: „Es ist schlicht Unfug zu glauben, dass Captain Cook Australien ‚entdeckt‘ hätte. Er war ja nicht einmal die erste weiße Person hier, vor ihm waren schon mindestens ein Dutzend holländische Erforscher da.“

Auch die Premierministerin von Queensland, Annastacia Palaszczuk, vertritt den Standpunkt, dass Australien kolonisiert worden sei und ermunterte Universitäten, „die Wahrheit“ im Land zu verbreiten.

Der Historiker Keith Windschuttle lehnt den Begriff „Invasion“ hingegen ab und ist der Meinung, dass die Universität falsch liege: „Gemessen an der Rechtsprechung des internationalen Rechts wurde Australien schon immer als ein besiedeltes Land angesehen, sowohl hier als auch im Rest der Welt. Solange sich das Gesetz nicht ändert, gibt es keine fundierte Grundlage, aufgrund derer man ‚Invasion‘ sagen könnte. Das ist falsch.“

Windschuttle kann ebensowenig nachvollziehen, warum den Ureinwohnern das Land gestohlen worden sei: „Aus meiner Sicht haben die Aborigines ihr Land freiwillig den Weißen überlassen und sie haben das getan, weil sie haben wollten, was die Weißen hatten.“

Auch die konservative Tageszeitung „The Daily Telegraph“ empörte sich auf ihrer Titelseite darüber, dass die University of New South Wales offenbar die gesamte Geschichte Australiens umschreiben wolle.

Die beiden Radiomoderatoren Alan Jones und Kyle Sandilands bezeichneten die neue Terminologie abfällig u.a. als „Mist“, was wiederum von Justin Mohamed, Vorsitzender von Reconciliation Australia, kritisiert wurde. Reconciliation Australia setzt sich für eine Versöhnung zwischen Ureinwohnern und Australiern britischer Abstammung ein.

Die Aussagen der Moderatoren würden sowohl „das Recht als auch die Geschichte verleugnen“, so Mohamed. „Das sind hohe Hürden für eine erfolgreiche Versöhnung“, so der Vorsitzende weiter, der aber auch anerkannte, dass mittlerweile die Mehrheit der Australier begangenes Unrecht an der einheimischen Bevölkerung im Zuge der Kolonisierung Australiens einräume.

Die Medienstudentin und Einheimische Rebekah Hatfield zeigt sich ebenfalls betroffen von manchen Reaktionen auf die Richtlinien: „Manche Aspekte der australischen Geschichte sind nicht angenehm. Aber das einige jetzt behaupten, man versuche, die Geschichte umzuschreiben, verletzt mich als Person mit einheimischen Wurzeln.“

Die Aufregung und die konträren Meinungen zu den freiwilligen Richtlinien zeigen sehr gut, dass das Thema „Aborigines“ innerhalb der australischen Gesellschaft immer noch ein sehr heikles ist und die Gräben weiterhin tief verlaufen.


Quellen: The New Daily, Brisbane Times, SBS
© Fotos: Tourism Australia / Cathay Finch, Sabine Hopf

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