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ALDI wegen Käfig-Eiern im Kreuzfeuer der Kritik

von am 4. April 2016

In Australien sieht sich ALDI derzeit massiver Kritik ausgesetzt, weil das Unternehmen weiterhin Eier aus Käfighaltung zum Verkauf anbietet.

SEB_Aldi-800© Foto:  Sebastian Hopf

Zuvor hatte die Tierschutz-Organisation Animal Australia ein Video veröffentlicht, in dem ALDI-Kunden Videomaterial über die katastrophalen Haltebedingungen von Käfig-Legehennen in ALDI-Zuliefererbetrieben vorgespielt wurde.

Daraufhin war es auf Facebook zu einem Shitstorm von ALDI-Kunden gegen das Unternehmen gekommen, in dem ein Ende des Verkaufs von Eiern aus Käfighaltung gefordert wurde.

Ein User etwa schrieb: „Ich habe gerade das Video von Animal Australia gesehen. Diese Tierquälerei ist entsetzlich. ALDI sollte sofort etwas daran ändern!“. Eine andere Userin stieß in dasselbe Horn: „Es ist eine Schande für das Unternehmen, das Eier aus Käfighaltung verkauft werden. Wir mögen eure Läden, aber wir hassen die Tatsache, dass ihr eine so schlechte Behandlung der Hühner zulasst.“

Andere riefen dann auch gleich zum Boykott auf: „Hallo ALDI, es ist wirklich an der Zeit, von Eiern aus Käfighaltung auf Eier aus Freilandhaltung umzuschwenken. Unsere Familie wird nicht mehr bei euch einkaufen gehen, bis sich dieser Wandel vollzogen hat, wie das in anderen Supermarktketten ja schon geschehen ist.“

Die Kundin spielte damit auf die Tatsache an, dass sich zuvor andere Unternehmen und Supermärkte dazu verpflichtet hatten, ihre Eierproduktion aus Käfighaltung stufenweise zurückzufahren. Dazu zählen u.a. Mars, Simplot, Subway, McDonald’s, Hungry Jacks, der Coffee Club, Starwood Resorts, das Hyatt Hotel sowie 46 IGA- und 20 Foodworks-Filialen.

ST_Foodworks_800© Foto: Stefanie Stadon

Auch der direkte ALDI-Konkurrent Coles hat die Käfig-Eier seiner hauseigenen Marke bereits aus dem Sortiment genommen und den Preis für Eier aus Freilandhaltung gesenkt. Animal Australia forderte ALDI noch einmal eindrücklich auf, sich ebenfalls der Verpflichtung zum künftigen Verzicht auf Eier aus Käfighaltung anzuschließen.

Lyn White, Kampagnenleiterin von Animal Australia, ist der Meinung, dass das Problem der Hühnerhaltung in Käfigen nicht so sehr ein gesetzliches, sondern ein ethisches sei: „Es ist ethisch nicht weiter hinnehmbar, Tiere ihr ganzes Leben lang leiden zu lassen, nur damit wir günstige Produkte erhalten. Diese Tage sind schon längst vorbei.“

Gleichzeitig stellt White die Frage, warum ALDI in Europa und den U.S.A die Eier aus Käfighaltung aus dem Sortiment verbannen werde, aber in Australien weiter an dieser „archaischen Praktik“ festhalte.

Im Gegenzug wiesen Geflügelbauern mit Blick auf den durchschnittlichen jährlichen Eierkonsum pro Kopf (213) darauf hin, dass es schlichtweg äußerst schwierig sei, diesen Bedarf nur mit Eiern aus Freilandhaltung zu decken und die Käfighaltung von Hühnern zu verbieten. Ein Produzent äußert sich dazu wie folgt: „Es ist so ziemlich genau dasselbe wie im Energiesektor. Keiner will Umweltverschmutzung, aber leider haben wir noch keine Alternative. Die Eier-Industrie bewegt sich langsam in die richtige Richtung, aber das Ganze ist ein schrittweiser Prozess.“

SB_Aldi_innen_800© Foto: Stefanie Stadon

Die 15-jährige Angelina Popovski hat sogar eine Online-Petition gegen ALDIs Käfig-Eier ins Leben gerufen, nachdem sie die Videoaufnahmen von Animal Australia gesehen hatte. Die Petition hat mittlerweile mehr als 57.000 Unterschriften erreicht.

„Ich habe nur mit 100 gerechnet“, so die Schülerin aus Victoria, die es bereits geschafft hat, dass in ihrer Schulkantine keine Eier aus Käfighaltung mehr verwendet werden.

Ein ALDI-Sprecher sagte, dass das Unternehmen auch künftig Eier verschiedener Kategorien anbieten werde: „Die Konsumenten entscheiden letztlich, welche Eier sie kaufen wollen (…). ALDI Australien nimmt das Wohlergehen der Tiere in der Produktion sehr ernst und hält weiterhin an seinen Tierhaltungs-Standards und denen hinsichtlich der Transparenz der Etikettierung fest. Unsere Versorgungsbetriebe müssen diese Standards ebenfalls erfüllen und unsere Leidenschaft für Qualität teilen, um mit uns zusammenzuarbeiten.“

Dass ALDI auch längerfristig weiterhin Eier aus Käfighaltung anbieten wird, ist angesichts des derzeitigen Gegenwindes bzgl. der „Qualitätsstandards“ bei deren Produktion und der heftigen Kundenreaktionen allerdings mehr als fragwürdig. Sollten die Proteste anhalten, wird sich das Unternehmen möglicherweise zum Handeln bzw. Umdenken in der „Eierfrage“ gezwungen sehen.


Quelle: news.com.au
© Fotos:  Sebastian Hopf, Stefanie Stadon

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