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Neue Hoffnung für das Great Barrier Reef?

von am 29. April 2016

In Australien gibt es neue Hoffnung hinsichtlich der Eindämmung des Korallensterbens im Great Barrier Reef. Im National Sea Simulator in Townsville werden umfangreiche Experimente durchgeführt, von denen man sich bahnbrechende Ergebnisse erhofft.
 

National Sea Simulator in Townsville © Foto: Australian Institute of Marine Science

Der SeaSim, wie er auch genannt wird, in Townsville ist eine hochmoderne Forschungseinrichtung des Australian Institutes of Marine Science (AIMS). Hier versuchen Wissenschaftler, entscheidende Erkenntnisse über die Einflüsse des Klimawandels und des Ausbaggerns des Meeresbodens auf Korallenriffe zu gewinnen.

Craig Humphrey, Forscher im SeaSim, nimmt die Regierung in Schutz, die bei ihren Entscheidungen bezüglich des Great Barrier Reefs in den letzten Jahren allzu sehr auf spärliche Informationen hätte zurückgreifen müssen.

„Wir haben keine verlässlichen Informationen über die Auswirkungen des Ausbaggerns und des Sedimentierens, das macht es für die Politiker ja so schwierig, Entscheidungen zu treffen“, verteidigt Humphrey die Entscheidungsträger. 

Diese Informationen wollen Humphrey und seine Kollegen der Regierung jetzt aber liefern, der $40 Millionen teure SeaSim bietet optimale Voraussetzungen dafür.

„Vor 20 oder 30 Jahren hatten wir hier auch schon Einrichtungen mit Aquarien, aber die waren ziemlich primitiv“, erinnert sich Humphrey.

Das Wissenschaftler-Team des SeaSims, das aus Ingenieuren, Technikern und Installateuren besteht, hat 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr Zugang zu der modernen Anlage.

Die Forscher können rund um die Uhr Experimente in den hochentwickelten Aquarien durchführen, in denen präzise verschiedene Werte und Kombinationen von Wassertemperatur, pH-Wert, Kohlendioxid, Lichteinstrahlung und Seewasser eingestellt werden können.

„Der SeaSim gibt uns die Möglichkeit, komplexere Experimente als jemals zuvor durchzuführen“, zeigt sich David Souter, Direktor des AIMS, begeistert.

Die Becken des SeaSims werden mit Industrietechnologie gesteuert, die vom deutschen Unternehmen Siemens entwickelt wurde.

„Wir reden hier von einer Technologie, mit der auch Atomkraftwerke betrieben werden“, unterstreicht Humphrey die Leistungsfähigkeit der Systeme.
 

Aquarien im National Sea Simulator© Foto: Australian Institute of Marine Science

 

Evolution 21

Letzten Monat wurde im SeaSim nun ein neues Projekt gestartet, das mind. fünf Jahre lang laufen und eine Antwort auf das Korallensterben im Great Barrier Reef geben soll: Evolution 21.

Bei dem Experiment werden Korallen, Schwämme, Algen und andere marine Lebensformen in Außenbecken mit einer Wassertemperatur und einem Kohlendioxidwert, wie sie zwischen 2050 und 2100 im Great Barrier Reef erwartet werden, gesetzt.

Die Wissenschaftler wollen auf diese Weise herausfinden, ob sich die Lebewesen anpassen können und – noch wichtiger – falls ja, ob sie diese Fähigkeit an ihre Nachkommen weitergeben können.

In der Vergangenheit gingen die Forscher davon aus, dass Änderungen in den Genen nur geerbt werden konnten, wenn eine Änderung der DNA-Sequenz vorlag und die Mutation weitervererbt wurde.

Inzwischen gehen sie jedoch davon aus, dass auch Umwelteinflüsse leichte Veränderungen in der Sequenz von DNA verursachen können, die besonders schnell und einfach weitervererbt werden.

„Selbst beim Menschen haben Markierungen in der DNA-Sequenz gezeigt, dass z.B. der Nachkriegsgeneration in Deutschland der Stress der Eltern, die die Wirren des Kriegs miterlebt hatten, weitervererbt wurde“, erläutert der Wissenschaftler Sven Uthicke.

In früheren Korallen-Experimenten war es zudem nicht möglich, die natürliche Fluktuation der Kohlendioxidmenge im Wasser zu simulieren, die nachts höher ist als tagsüber und auch in den einzelnen Jahreszeiten unterschiedlich hoch ausfällt. Die Technologie des SeaSims macht es nun allerdings möglich, diese natürlichen Muster zu simulieren.

Ein weiterer Vorteil von Evolution 21 ist die Tatsache, dass das Projekt mind. fünf Jahre lang laufen wird und sich einige Korallenarten in dieser Zeit mehrfach reproduzieren können.

„Können sich diese Organismen anpassen? Wenn sie es können, wie schnell können sie es? Nach wie vielen Generationen sehen wir diese Anpassungen?“, fragt die leitende Wissenschaftlerin Nicole Webster, die mit der Beantwortung dieser Fragen der Politik eine bessere Entscheidungsgrundlage verschaffen will.

Webster geht davon aus, dass die Fähigkeit zur Anpassung zwischen den einzelnen Arten variiert. Die ersten Ergebnisse des Projekts werden für Ende des Jahres oder Anfang 2017 erwartet.

 

Dredging

Das SeaSim untersucht außerdem die Auswirkungen, die das sog. dredging, also das Ausbaggern des Meeresbodens zwecks besserer Zugänglichkeit für Schiffe, auf Korallen und Schwämme hat.

Beim dredging können aufgewirbelte Partikel die Korallen und Schwämme bedecken und somit zum Absterben bringen.

„Ich denke, wir brauchen die Informationen, die durch diese Experimente gewonnen werden, dringend“, ist sich Webster sicher.

Allerdings könnten diese Informationen zu spät kommen, denn erst kürzlich wurde der Bau einer neuen, $16 Milliarden teuren Kohlemine genehmigt, für deren Bau 1,1 Millionen Kubikmeter Meeresboden nahe des Great Barrier Reefs ausgehoben werden sollen.

Auch angesichts dieser Tatsache bekräftigt Humphrey, dass es von eminenter Bedeutung sei, verlässliche Erkenntnisse für ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichen Aktivitäten und dem Schutz der Umwelt zu erlangen: „Wir müssen der Regierung wirklich gute Daten liefern, auf deren Grundlage sie stichhaltige Entscheidungen treffen kann. Wenn diese Daten nicht vorhanden sind, dann ist es sehr, sehr schwierig, die richtigen Entscheidungen zu fällen.“

Es bleibt nur zu hoffen, dass das SeaSim mit seinen High-Tech-Becken die besagten Daten so schnell wie möglich zutage fördert, um weiteren Schaden von den Riffen des Great Barrier Reefs abzuwenden.


Quelle: news.com.au
© Fotos: Australian Institute of Marine Science

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