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Keine Windhunderennen mehr in NSW ab Juli 2017

von am 13. Juli 2016

Nach einem Lebendköder-Skandal und weiteren grausamen Entdeckungen in der Windhund-Branche werden Windhunderennen ab Juli 2017 in NSW, Australien, verboten. Dies erklärte der Ministerpräsident von New South Wales, Mike Baird, vergangenen Donnerstag. Seine Entscheidung begründet sich auf den Bericht einer Sonderuntersuchungskommission, die die Zustände im Windhund-Gewerbe untersucht und ihre Resultate vor 2 Wochen der Regierung vorgelegt hat.
 

By Flickr user Alex Lapuerta (Smiles for the world) - Flickr here, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1605761© Foto: Flickr user Alex Lapuerta, CC BY 2.0

Alles begann mit der Aufdeckung eines „Lebendköder-Skandals“ im vergangen Jahr durch den Nachrichtensenders ABC. Schon damals wurden verstörende Filmaufnahmen von lebenden Tieren veröffentlicht, die für das Training der Windhunde (im Englischen Greyhound) genutzt wurden. Bei weiteren Nachforschungen wurden auch noch andere Skandale ans Tageslicht gebracht und es folgt eine drastische Maßnahme als Konsequenz.

Das Verbot von Windhunderennen in NSW tritt ab dem 01. Juli 2017 in Kraft. NWS ist zwar der erste australische Bundesstaat, der Windhunderennen verbietet und folgt damit einem wachsenden Trend in den USA und der Welt.

Das Australian Capital Territory (ACT) hat bereits seine Intention geäußert, es NSW gleich zu tun und Windhunderennen zu verbieten.
 

Erschreckender Bericht führt zum Verbot

Mr. Baird sagte, dass die Sonderuntersuchungskommission herausgefunden hat, dass zwischen 48.000 und 68.000 Windhunde, die für Rennen gezüchtet wurden, in den vergangenen 12 Jahren getötet wurden, weil man sie als „nicht wettbewerbsfähig“ erachtete.

Dieser Bericht hat ebenfalls aufgezeigt, dass bis zu 20% der Trainer in den „Lebendköder-Skandal“ verwickelt sind.

Pro Jahr erleiden 180 Windhunde katastrophale Verletzungen während eines Rennens, wie zum Beispiel eine Schädelfraktur oder ein gebrochenes Rückgrat. Diese Verletzungen führen zum sofortigen Tod des Hundes.

„Als eine humane und verantwortungsbewusste Regierung, haben wir keine andere Wahl als dieses Gewerbe zu beenden“, sagt Mr. Baird.

Er erklärte außerdem, dass Commissioner McHughs Bericht Licht in eine Branche gebracht hat, die die Abschlachtung von zehntausenden gesunden Hunden zugelassen hat, deren einziges Verbrechen war, dass sie nicht schnell genug rannten. Außerdem hat dieser Bericht ein Gewerbe aufgedeckt, das die barbarischen Praktiken mit Lebendködern wissentlich ignoriert hat.

Ein Verbot sei die zwangsläufige Schlussfolgerung, die man aus den schrecklichen Enthüllungen aus Mr. McHughes Bericht ziehen muss. „Jede andere Maßnahme würde die Tiere nicht vor weiteren Grausamkeiten schützen“, so McHughes.
  

Wie geht es nun weiter?

Nachdem man sich mit Interessengruppen und Tierschutzorganisationen besprochen hat, wird die Regierung in der zweiten Hälfte dieses Jahres einen „detaillierten Verbotsplan“ für das Hunderennen-Gewerbe gekannt geben. Dieser Plan wird wahrscheinlich auch eine Strategie enthalten, wie man für die Rennhunde ein neues Zuhause findet. Außerdem wird ein Ausgleichspaket für diejenigen, die in diesem Gewerbe arbeiten inkludiert sein sowie ein Konzept für die Schließung der Greyhound Racing NSW Organisation.

Die geschlossenen Rennbahnen sollen für die Gemeinden als Wiesen, Sportstätten oder ähnliches verwendet werden. Einen genauen Plan dafür gibt es noch nicht, aber sicher ist, dass nicht für den Wohnungsbaumarkt zur Verfügung gestellt werden sollen.
 

Reaktionen auf das Verbot für Windhundrennen

Wie so oft, sind die Reaktionen bei so einer einschneidenden Entscheidung sehr unterschiedlich.

Die „Royal Societey for the Prevention of Cruelty to Animals“ (RSPCA) bezeichnet diesen Schritt der australischen Regierung als eine sehr gute Entscheidung. Dies sei einer der wichtigsten Tage des Landes für das Wohlergehen von Tieren.

Die Animal Welfare League Australia (AWLA) lobt die Regierung von NSW für ihren Mut Windhunderennen zu verbieten und bittet andere Staaten inständig, diesem Beispiel zu folgen.

Mr. Bairds Entscheidung hat die Industriebosse überrumpelt, die sich nun beeilen ein Treffen für Gespräche über die Schadensbegrenzung zu organisieren. Die Organisation Greyhound Racing NSW hat bekannt gegeben, dass die Rennen erst einmal für 7 Tage ausgesetzt werden. Der Media General Manager von Greyhound Racing NSW, Michael East, hat erklärt, dass die Baird Regierung sie im Dunkeln über die Resultate des Berichts gelassen habe. „Wir wussten, dass der Bericht der Regierung übergeben wurde und das ein Verbot bereits im Gespräch ist, aber uns wurde nicht gesagt, dass dieses Verbot auch durchgesetzt wird,“ so East. Für Greyhound Racing NSW ist es ein sehr trauriger Tag, wie sie kurz nach Bekanntgabe der Entscheidung verlauten ließ.

Windhund-Trainer haben bereits erklärt, dass sie so lange kämpfen werden bis das Verbot aufgehoben wird.
 

Ein lukratives Gewerbe

Michael McCormack, Ministerpräsident von Riverina, hat sich ebenfalls zu diesem Entschluss der Regierung geäußert. „Für einige ist es nur ein Hobby – ein bisschen Spaß. Für andere ist das schon ernster – es ist ein zweites Einkommen, das dabei hilft ein paar Rechnungen zu bezahlen. Tausende Menschen, die im Windhunderenn-Gewerbe arbeiten, werden ihren Job verlieren

Warum nun die gesamte Branche unter den Konsequenzen leiden muss, versteh McCormack nicht. Das es mehr Regulierungen gebe müsse, sehe er ein, aber  absolutes Verbot ist seiner Meinung nach verboten.
 

Was wird aus den Hunden?

Für die Windhunde sollen neue Zuhause gefunden werden. Man müsse die Bevölkerung klar machen, dass Windhunde tolle Haustiere sind, erklärt Dr. Chris Brown, der von der NSW Regierung gerufen wurde, um die Sicherheit von „pensionierten“ Hunde zu gewährleisten. Genau Vorschläge oder Ideen wie man dies bewerkstelligen will, gibt es aber noch nicht.

Hier geht es zum vollständigen Bericht (in Englisch):  Greyhound Racing Inquiry

 

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Fakten zur Windhund-Industrie in Australien:

  • jedes Jahr werden rund 17.500 Windhundewelpen in Australien geboren, die meisten davon in NSW. 8000 Welpen im Jahr 2014.
  • 7.000 der 17.500 Windhundewelpen (40%) werden nie einem Hunderennen teilnehmen.
  • nur 600 Windhunde werden nach ihrer „Kariere“ an eine Pflegestelle oder neue Besitzer vermittelt wie es da „Greyhound As Pets“ –Programm vorsieht.
  • in einem geheimen Bericht von Greyhounds Australasia wird aufgezeigt, das die Windhund-Industrie für den unnötigen Tod von 13.000 – 17.000 gesunden Windhunden pro Jahr verantwortlich ist.
  • 74% – 96 % der Windhunde werden eingeschläfert bevor sie 42 Monate alt sind.
  • die RSPCA hat eine Einschläferungsrate von 15,9 %.
  • in Australien gibt es 3800 aktive Windhundezüchter.

Quellen: Daily Telegraph, News.com

© Fotos: Flickr user Alex Lapuerta, CC BY 2.0; Flickr user Scott Feldstein, CC BY 2.0

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