Australien News

Terminänderung für den Australia Day?

von am 25. Januar 2017

Jedes Jahr aufs Neue werden zum Australia Day am 26. Januar Stimmen laut, die eine Verschiebung des Nationalfeiertages von Australien, zum Beispiel auf den 01. Januar, fordern.
 

© Foto: Tourism Queensland / Cathy Finch

 
Und jährlich grüßt das Murmeltier…
So scheint es jedenfalls, denn die Debatte über das Datum des Australia Day wiederholt sich jedes Jahr – mit fast immer den gleichen Argumenten, der gleichen Wut und Trauer auf der einen und Ignoranz und Unverständnis auf der anderen Seite.

Aber schauen wir uns die Seiten einmal an:

Diejenigen, die für eine Verschiebung des Australia Day argumentieren, sind natürlich in erster Linie die Aborigines. Für sie ist der 26. Januar kein Grund zum Feiern, denn er erinnert an den Tag im Jahre 1788, als die Briten in Australien landeten, um den Kontinent – bzw. zuerst New South Wales – zu einer britischen Kolonie zu machen. Was diesem Tag folgte, war mehr als ein Jahrhundert der Entrechtung, Diskriminierung und Enteignung der Aborigines durch die Kolonialmacht.

Von Wirtschaftsexperten bekommen die Aborigines viel Zustimmung – nicht weil jenen Experten so viel an der Kultur der Ureinwohner liegt, sondern schlicht weil der Feiertag am 26. Januar (und die darauf folgenden zahlreichen „Krankmeldungen“ am 27. Januar) jedes Jahr für große Verluste für die Arbeitgeber sorgt. Dieses Jahr wird allein die Abwesenheit von verkaterten Angestellten am 27. Januar die Firmen insgesamt über 62 Millionen Euro kosten.

Die Vorschläge für eine Datumsänderung sind somit klar: Entweder man verschiebt den Australia Day auf den 01. Januar, um damit an den 01. Januar 1901 zu erinnern, an dem die sechs britischen Kolonien sich zu der australischen Nation vereinigten – oder aber man schiebt den Feiertag immerhin auf ein Wochenende, eventuell mit anschließendem freien Tag am Montag, damit den Hangover-Geplagten immerhin ein oder zwei Tage Zeit bleiben, sich auszukurieren.

Auf der anderen Seite stehen hauptsächlich Weiße – zum Teil Patrioten, zum Teil schlicht die, die ihren freien Tag nicht einer Verschiebung zum Opfer fallen lassen wollen.
Doch auch hier gibt es eine Reihe solider Argumente:

Der Punkt des Australia Day ist für den durchschnittlichen Australier ja nicht, mit einem Bier in der Hand dazusitzen und „Tod den Aborigines!“ zu brüllen. Im Gegenteil. Was gefeiert wird, ist nicht das Leid der Ureinwohner, sondern ihre faszinierende Kultur. Kaum einer denkt noch an die paar hundert britischen Sträflinge, die 1788 in Australien ankamen, um die Kolonie aufzubauen. Und wenn doch, dann nur, um ihnen zu danken, dass sie es für einen möglich gemacht haben, in Australien zu wohnen und die reichhaltige Kultur der Aborigines miterleben zu können.

Dabei sind natürlich die weißen Australier nicht die einzigen, die von der britischen Kolonialisierung profitiert haben. Es steht außer Frage, dass den damaligen Aborigines viel Gewalt angetan wurde – dass das Massensterben und die Enteignung der Ureinwohner grässlich war, bestreitet niemand und sollte auch niemand bestreiten.
Doch gerade für heutige Eingeborene ist das Leid nur noch eine entfernte Erinnerung. Aktuell und real dagegen sind jedoch all die Vorzüge, die die Briten über die Jahre mit sich brachten. Landwirtschaft, Architektur, Abwassersysteme, Technik – kurzum: fortgeschrittene Zivilisation, von der die Aborigines heutzutage ebenso profitieren wie alle anderen Australier.

Natürlich haben die australischen Ureinwohner jedes Recht, am 26. Januar den Verbrechen, die von den britischen Siedlern begangen wurden, zu gedenken. Das will ihnen auch niemand nehmen. Es werden allerdings immer wieder Befürchtungen geäußert, dass der große Aufschrei rund um den Australia Day lediglich als Vernebelung dient für all die realen Probleme, die heutzutage in den einheimischen Communities bestehen.

Den Australia Day zu verschieben wäre also vielleicht eine nette Geste, würde aber nichts ändern beispielsweise an dem Level von Alkoholismus und Gewalt unter den Aborigines.
Im Gegenteil; den Feiertag zu verschieben, würde das schädliche Narrativ, dass die Europäer und Weißen an all dem Leid der Aborigines Schuld sind, noch verstärken. De facto kommt die meiste Gewalt, die in den heutigen Zeiten gegen die Ureinwohner verübt wird, aber von ihnen selbst – sie verüben mit einer etwa 20 mal höheren Rate Gewalttaten als ein durchschnittlicher weißer Australier. Gerade Frauen und Kinder sind in den Aborigine-Gemeinschaften einem hohen Maß an Gewalt ausgesetzt.

Doch darüber regt sich kaum einer auf; und das Datum des Nationalfeiertags Australiens zu ändern, wird das Problem garantiert nicht lösen. Und so ist es nicht schwer, zu dem Schluss zu kommen, dass ein großer Teil der Debatte lediglich „virtue signalling“ ist (also das Demonstrieren von augenscheinlicher Tugend und Empathie), damit man sich danach für seine herausragende Hilfsbereitschaft auf die Schulter klopfen kann – und die realen Probleme der indigenen Community weiterhin verdrängen kann.


Quellen: cairnspost.com.au, theconversation.com
© Foto: Tourism Queensland / Cathy Finch

Vorheriger Artikel
Nächster Artikel