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Australien klinkt sich aus den Klimaverhandlungen aus

von am 20. November 2013

Diese Nachricht schockte: Australien wird keinen Regierungsvertreter zur UN-Klimakonferenz senden, die letzte Woche in Warschau begann. Weder Außenministerin Julie Bishop, die offiziell die Verantwortung für internationale Klimawandel-Verhandlungen hat, noch Umweltminister Greg Hunt werden bei dem Klimagipfel anwesend sein. Mr. Hunt begründete seine Abwesenheit damit, dass er sich in diesen Wochen auf die Abschaffung der Klimasteuer konzentrieren wolle, anstatt in Warschau über Wege zur Reduktion von Treibhausgas-Emissionen zu diskutieren. Die liberal-konservative Regierung hatte schon im Wahlkampf ihre klimaskeptische Haltung zum Ausdruck gebracht.

 

Trockene Graslandschaft im Outback Australiens   

Welche Veränderungen kommen auf die Australier zu?

Als Tony Abbott im September zum neuen Premierminister von Australien gewählt wurde, kamen die geplanten Veränderungen in der Umweltpolitik schnell ins Rollen.

Die neue Regierung kündigte an, die von der Laborregierung eingeführte CO2-Steuer wieder abzuschaffen. Diese Steuer war dazu gedacht, die großen Industrieunternehmen und Hauptverursacher der hohen Treibhausgas-Emissionen zu einer Verringerung dieser zu bewegen. Laut Plänen der ehemaligen Regierung wären die Steuersätze aufgrund der Umstellung zu einem Emissionshandelssystem wie dem der EU im nächsten Jahr sogar gesunken. Die neue Regierung ist dennoch strikt gegen jegliche Versteuerung von CO2-Emissionen und hat für den Donnerstag, den 21.11.2013, die Abstimmung im House of Representatives zur Abschaffung der Maßnahme angeordnet.

Zusätzlich sollen auch Geldmittel zur Förderung erneuerbarer Energien reduziert werden. Dem Australian Renewable Energy Agency (ARENA) werden wichtige Geldmittel gestrichen, was einen riesigen Einbruch in Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der sauberen Energien zur Folge hätte. Im renommierten nationalen Forschungsinstitut CSRIO, bekannt für seine Qualiätsarbeit in der Klimawandel-Forschung, ist geplant, viele Stellen zu streichen, ähnlich wie in den verschiedenen Abteilungen der Bundesstaaten zu Klima- und Umweltschutz. Neu bewertet werden sollen auch die Zahlungen an den UN Green Climate Fund, der das Ziel hat, Entwicklungsländer bei der Entwicklung erneuerbarer Energien zu fördern.

Ein weiteres Zeichen für die Klimaskepsis der neuen australischen Regierung ist außerdem die Abschaffung der Klimakommission ein paar Stunden nach Regierungsantritt Abotts. Sie war eingerichtet worden, um Regierungsvertreter und die Öffentlichkeit über Entwicklungen in der Klimaforschung und Auswirkungen des Klimawandels zu informieren. Nun wurde sie mit privaten Mitteln als “Climate Council” wiedergegründet.

 

Landschaft nach einem Buschfeuer  

Werden die Wetterextreme in Zukunft stärker?

Australien ist seit jeher ein Land der extremen Wetterphänomene gewesen. Heißes, trockenes Outback, regelmäßige Buschfeuer, starke Regenfälle und Überschwemmungen sind keine Seltenheit. Dennoch gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass sich die typischen Wetterereignisse Australiens verstärken und im direkten Zusammenhang mit dem weltweiten Temperaturanstieg stehen. Das Jahr 2013 ist bisher das wärmste Jahr seit Beginn der Messung in Australien. Die UN World Meteorological Organization hat ermittelt, dass Australien dieses Jahr außerdem weltweit den höchsten Anstieg der Durchschnittstemperatur hatte.

Auch aus Untersuchungen der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen geht hervor, dass Hitzewellen in Europa, Asien und Australien zunehmen.

 

Überschwemmung  

Steigende Temperaturen durch den Treibhauseffekt können unterschiedliche Auswirkungen auf die Ökosysteme in Australien haben. Die Wasserknappheit macht vielen Tierarten zu schaffen und trockene Vegetation kann wie jüngst bei den Buschfeuern in New South Wales zu tagelangen schweren Bränden führen. Umfragen haben ergeben, dass erstmals seit 2006 mehr Australier die globale Erwärmung als schwerwiegendes Problem ansehen. Eine vielfältige und intakte Landschaft ist gerade in Australien der wichtigste Faktor für die starke Tourismuswirtschaft. Hier hat sich in den letzten Jahren auch viel getan. Es gibt zahlreiche Ökozertifikate und Nichtregierungsorganisationen, die sich für eine nachhaltigere und klimaschonendere Lebensweise einsetzen.

  

Industrieanlage in Australien  

Trotzdem gewann Tony Abbott den Wahlkampf nicht zuletzt aufgrund seiner skeptischen Haltung zum Klimawandel und dessen Auswirkungen. Die unbeliebte CO2-Steuer wurde von der Bevölkerung vielerorts für steigende Preise für Gas, Strom und Lebensmittel verantwortlich gemacht. Die mächtige Bergbau- und Kohleindustrie beschwerte sich über gebremstes Wachstum und verlagerte die entstehenden Kosten auf die Verbraucher. Mit negativer Presse und starkem Lobbyimus setzten die Unternehmen die ehemalige Regierung stark unter Druck.

Australien hat unter den Industrieländern mit die höchsten CO2-Emissionen und hatte sich verpflichtet bis 2020 eine Senkung von 5% gegenüber den Messwerten im Jahr 2000 zu erreichen. Abbott’s Regierung will nun anstatt der “Carbon-Tax” ein System einführen, nach dem Unternehmen bezahlt werden, sollten sie ihre Emissionen reduzieren. Darüber hinaus ist geplant Millionen von Bäumen zu pflanzen. Diese Maßnahmen des “Direct Action” Programms der konservativen Regierung wird jedoch einiges mehr kosten als ein Emissinshandeslsystem, meinen Experten. Zusammen mit anderen Industrieländern sollen weitere Lösungen gefunden werden.

Dazu wäre zumindest ein australischer Vertreter auf der UN Klimakonferenz sicher nützlich gewesen, um zu unterstreichen, wie ernst es die neue Regierung mit ihren Versprechungen nimmt.


© Fotos: Reisebine

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