Australien News

Australien in Aufruhr – das dramatische Ende der Bali 9

von am 29. April 2015

Es war 2005, als die indonesische Polizei auf dem Flughafen von Bali einen Schmugglerring aus neun Australiern bei dem Versuch festnahm, mehr als 8 kg Heroin nach Down Under einzufliegen. Heute, nach zehn Jahren Haft, zahlreichen diplomatischen Bemühungen und Protesten wurden die zwei Anführer der Gruppe von einem Schießkommando hingerichtet.

Die Exekution von Andrew Chan und Myuran Sukumaran neben sechs weiteren verurteilten Drogenhändlern spaltet das Land wie kaum eine politische Debatte zuvor. Beherrschendes Thema in den Medien ist nicht etwa das Erdbeben in Nepal oder die anhaltenden Unwetter rund um Sydney, sondern die Geschichte der so genannten „Bali 9“. Auch internationale Nachrichten berichten von der erfolgten Hinrichtung. Beschränkt sich die Berichterstattung hierzulande auf die wichtigsten Hintergrundinformationen, ging der Vollstreckung des Urteils in Australien ein Jahrzehnt voller Wortgefechte und Bittstellungen voraus.

Die Geschehnisse

Im April 2005 reiste eine Gruppe von neun Australiern nach Bali, um einmal mehr Heroin in ihr Heimatland zu schmuggeln. Köpfe der Unternehmung waren Andrew Chan und Myuran Sukumaran. Die australische Bundespolizei war ihnen bereits auf der Spur und setzte die indonesischen Behörden über die Schmugglerbande in Kenntnis. Als die Australier mitsamt der am Körper festgeschnallten Heroinpakete zurück fliegen wollten, kam es zur Festnahme. Es folgte ein Jahrzehnt sich dahin ziehender Gerichtsverhandlungen. Urteile folgten Berufungen. Berufungen folgten Ablehnungen. Sieben der neun Schmuggler verurteilte das Gericht zu 20 Jahren bzw. lebenslanger Haft. Den beiden Schlüsselfiguren, Chan und Sukumaran, sprach der Richter das Todesurteil aus. Mehrere Einsprüche scheiterten ebenso wie die zum Schluss erhoffte Begnadigung durch den indonesischen Präsidenten Widodo.

Indonesiens Vorgehen gegen den Drogenhandel gilt als eines der striktesten weltweit. Auf Schmuggel steht als höchste Strafe die Hinrichtung durch Erschießung. Bereits im Januar waren sechs Gefängnisinsassen so zu Tode gekommen.

Anhaltende Proteste und Kritik

Mehrere australische Premierminister, so zuletzt Tony Abbott, plädierten in breiter Öffentlichkeit dafür, das Todesurteil in eine Gefängnisstrafe umzuwandeln. Erfolgte Hilfeleistungen nach dem Tsunami 2004 kamen dabei ebenso zur Sprache wie die Anzweiflung der politischen Kompetenz des indonesischen Präsidenten. Die Außenministerin Julia Bishop offerierte letztendlich sogar einen Tausch von drei in Australien inhaftierten Indonesiern für Chan und Sukumaran. Doch die Regierung in Jakarta verwies auf ihre eigene, zu respektierende Rechtssprechung. Man kam den Forderungen Canberras ebenso wenig entgegen wie der internationalen Kritik seitens der UN oder Amnesty International.

Der indonesische Präsident Midodo ist bestrebt, ohne Gnade gegen die Drogenverbrechen im Land vorzugehen. Australien zog unmittelbar nach der Hinrichtung diplomatische Konsequenzen. Der australische Botschafter wurde aus der Hauptstadt Jakarta abberufen, zu Konsultationen wie es offiziell heißt. In einer Ansprache verwiesen sowohl Abbott als auch Bishop darauf, dass man die Hinrichtung nicht hinnehmen könne und zukünftig das gegenseitige Verhältnis abwägen müsse. Auch die Reaktionen in der Bevölkerung sind zutiefst gespalten. Wer Drogen einführe, müsse mit den Konsequenzen leben, so die Meinung der Einen.

Die drohende Todesstrafe in Indonesien sei seit langer Zeit bekannt. Dass die Medien die Schuldigen zu „tapferen“ Männern stilisiert, die einem unmenschlichen Rechtssystem zu Opfer fallen, stößt vielen bitter auf. Andere argumentieren vorrangig gegen die erfolgte Hinrichtung. In den 10 Jahren ihrer Inhaftierung seien die beiden Anführer vollständig rehabilitiert. Chan wurde ein Priester, Sukumaran ein angesehener Maler. Sie hätten sich zu besseren Menschen entwickelt, so ein Gefängniswärter in einer Aussage. Eine Strafmilderung auf Grund dieser Umstände sei zu keiner Zeit abgewogen worden.

Touristische Konsequenzen

Ein Auszug aus den Bali Boykotten online

Quelle: Twitter/@ItsSabrinaa_xo

Ebenso angespannt wie die politische Stimmung ist die Urlaubseuphorie der Australier. Bali ist seit jeher das Mallorca Australiens. Allen voran die Westaustralier haben einen starken Bezug zur Insel nördlich ihrer Küsten, liegt Bali doch näher als die heimischen Metropolen Sydney und Melbourne. Sympathisanten der Hingerichteten rufen angesichts der erfolgten Hinrichtung dazu auf, Indonesien mit aller Vehemenz zu boykottieren. Unter dem Titel „Boycott Bali for the Boys“ fordert eine Facebook Gruppe nicht nur die Einstellung aller Reisen in den Inselstaat, sondern auch den Verzicht auf von dort stammende Produkte, allen voran Kleidung.

Befürworter von Bali

Quelle: Twitter/@hamid1908

Auf Twitter ist die Diskussion unter verschiedenen Hashtags wie #boycottbali angefacht. So mancher Australier storniert seinen geplanten Urlaub, ein Reisebüro in Sydney hat Indonesien sogleich aus seinem Programm gestrichen. Andere wiederum appellieren daran, nicht die Bevölkerung Indonesiens zur Rechenschaft zu ziehen. Die Vollstreckung des Urteils war Sache der Politik, nicht des Urlaubslandes.

Ein Urlaubsland, welches von den Diskussionen profitieren wird, ist Thailand – ein ebenso beliebtes Reiseziel der Australier. Ob es sich um Kurzschlussreaktionen handelt oder sich das Verhältnis nicht nur der Urlauber, sondern auch der Politik gegenüber Indonesien dauerhaft ändert, wird sich wohl erst nach längerer Zeit erkennen lassen. Mit dem heutigen Tag hat ein Thema ein ebenso dramatisches wie umstrittenes Ende gefunden, welches die australische Nachrichtenwelt seit einem Jahrzehnt begleitet hat.

STICHWORTE

SCHREIBE EINEN KOMMENTAR

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.