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Soll Vegemite, der Inbegriff australischer „Esskultur”, etwa verboten werden?

von am 19. August 2015

Nigel Scullion, Australiens Minister für indigene Angelegenheiten, behauptet, dass Einheimische mit dem Kult-Brotaufstrich ihr eigenes Bier brauen und will nun etwas dagegen unternehmen.

Vegemite ist seit Generationen der Brotaufstrich Nummer 1 an jedem Frühstückstisch in Australien. Die schwarze, extrem salzige und würzige Hefepaste wird den Australiern quasi schon mit der Muttermilch verabreicht und ist von keinem Toastbrot mehr wegzudenken. Dass Vegimite kaum in Europa erhältlich ist, liegt schlicht und ergreifend daran, dass der europäische Gaumen sich nicht mit dem doch sehr gewöhnungsbedürftigen Geschmack anfreunden konnte. Nun hat Scullion angeblich Hinweise darauf erhalten, dass australische Ureinwohner in ihren Hinterhöfen und Garagen selbst Bier brauen. Das hefehaltige Vegemite soll dabei eine der Hauptzutaten und Auslöser für die Bildung von Alkohol sein. Zudem berichtet Scullion, dass selbst Kinder das Gebräu konsumieren und anschließend zu benommen seien, um in die Schule zu gehen.

Vegemite© Foto: Eline Bakker

Aber Bier brauen mit Vegemite? So richtig können wir das nicht glauben und haben einmal nachgeforscht! Wann immer etwas gärt – sprich wenn Zucker in Alkohol umgewandelt wird – sind daran verschiedene Mikroorganismen beteiligt, darunter Bakterien und Hefe. Selbst in vielen nicht alkoholischen Produkten, wie Schokolade, Sauerkraut oder Brot, wird bei der Produktion vom Gärungsprozess Gebrauch gemacht, immer mit Hilfe von Hefe. Auch Vegemite hat einen großen Hefeanteil. Die Paste wird bei der Herstellung jedoch mit viel Salz angereichert und stark erhitzt, was die meisten Organismen, und auch die Hefe, abtötet. Um den Brotaufstrich zum Brauen zu nutzen, müsste erneut Hefe hinzugefügt werden. Das macht Vegemite nicht nützlicher für die Alkoholherstellung als jedes andere zuckerhaltige, organische Produkt. Weitere Informationen dazu findest du in diesem Video.

Wir halten es daher für sehr unwahrscheinlich, dass der beliebte Brotaufstrich von Einheimischen zur Alkoholherstellung verwendet wird und auch die australische Regierung scheint nicht daran zu glauben. Sie wirft Scullion vor, dass er mit seinen Behauptungen ein negatives Licht auf die Einheimischen werfen wolle. Zudem fehlen bis jetzt jegliche Beweise, die die Behauptung von Scullion stützen könnten.

Alle Vegemite Liebhaber und die, die es – nach dem Überwinden des ersten kulinarischen Schocks – einmal werden, können also aufatmen und weiterhin ihr geliebtes Veggie-Toastbrot essen.


Quellen: www.abc.net.au/news; www.nzherald.co.nz
© Foto: Eline Bakker

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