Panorama

Vibrierende Schuhe statt Stadtplan

von am 25. Mai 2016

Die Billigfluggesellschaft EasyJet stellt in Barcelona den Prototyp ihrer neuen „Sneakairs“ vor. Die Schuhe sollen das Sightseeing an fremden Orten durch ein eingebautes Navigationssystem in der Sohle in Zukunft auf ein neues Level bringen, doch ist die Innovation wirklich ein Vorteil für kommende Städtetrips?
 

"Sneakairs"© Foto: EasyJet

 
Sightseeing ohne Stadtplan und ständigem Blick aufs Smartphone? Das soll dank der britischen Billigfluggesellschaft EasyJet bald möglich sein. Auf dem Barcelona Street Project Event stellte das Unternehmen seine neuen Smart Sneakers vor.

Die Schuhe wurden designt, um Touristen in unbekannten Städten durch Vibration der Sohle den Weg zu weisen. Die Sneakers besitzen eingebaute Sensoren, die über Bluetooth mit dem Smartphone und einer GPS App verbunden sind, die im Hintergrund läuft. So muss der Blick nicht ständig auf den Bildschirm gerichtet werden und das Handy bleibt bequem in der Hosentasche.

Größter Vorteil dieser Innovation soll angeblich das neue Gefühl sein, das man für seine Umgebung entwickelt. Sich nicht mehr orientieren zu müssen und stattdessen seinen Füßen „blind“ zu vertrauen, lenkt den Blick auf andere Dinge, so die Entwickler.

Doch ist das wirklich wahr? Was versprechen die Schuhträger sich von dem Zukunftsmodell?

Kommunizierende Schuhe

Testperson Maurizio Pesce vom amerikanischen Technologie-Magazin Wired berichtet, beim Probelaufen in Barcelona die Architektur der Altstadt wesentlich mehr genossen zu haben. Ohne Blick auf Karte, Schilder oder Handy erlief er erfolgreich diverse Highlights der Stadt zu Fuß und verließ sich dabei auf das dank drei Millimeter dünnem Sensor deutlich spürbare Vibrieren unter seiner Ferse. Brummte der Schuh links, bog er nach links ab, brummte es rechts, wandte sich auch Pesce nach rechts. Kam er einmal doch vom festgelegten Weg ab, meldeten sich die „Sneakairs“ mit zweifachem Vibrieren, während die Route durch das integrierte Ortungssystem augenblicklich neu berechnet wurde. Am Ziel angekommen signalisierte ein dreifaches Vibrieren beider Sohlen dem Träger die meist schon sichtbare Sehenswürdigkeit.
 

© Foto: EasyJet, Integriert in der Sohle: Vibrationssensoren und ein Ortungssystem, das sich mit der GPS App des eigenen Smartphones verbindet.

 
Der Weg ist das Ziel

Wer sich mit brummendem Fuß auf der schnellstmöglichen Route von einer Sehenswürdigkeit zur anderen lotsen lässt, kann sich zwar zu den Vorreitern des modernen und zeitsparenden Stadttourismus zählen, gibt aber auch die Gelegenheit auf, eine Gegend wirklich zu erkunden.

Doch ist das ziellose Herumschlendern und sich in der Stadt treiben lassen nicht gerade eines der Dinge, die das Kennenlernen neuer Orte ausmacht? Was wird aus den Gesprächen mit Einheimischen, die wir verpassen, wenn wir in Zukunft darauf verzichten, nach dem Weg zu fragen? Was ist mit den Stadtplänen, die uns auf einen Blick verraten, welche Sehenswürdigkeiten sich gerade in der Nähe befinden? Wie viele Chancen und Geheimtipps versäumen wir, wenn wir geradewegs zum eingegebenen Ziel laufen, anstatt Umwege durch die Nebenstraßen links und rechts zu nehmen?

Sicher, die „Sneakairs“ sind eine revolutionäre Entwicklung im Bereich der Fußgänger-Navigation. Sie erleichtern mit simplen Anweisungen die Strecke von A nach B. Nicht nur tagsüber, sondern auch im Dunkeln nach einem langen Partyabend von der Innenstadt zurück zum Hotel, zum Beispiel, wie EasyJet betont.
 

Sneakairs© Foto: EasyJet

Aber macht das verloren gehen in einer großen Metropole nicht manchmal auch ein kleines bisschen Spaß? Stolpern wir nicht häufig beim Entdecken über Kleinigkeiten, nach denen wir nicht einmal Ausschau gehalten haben?

Ist nicht der Weg das eigentliche Ziel?

Was passiert, wenn uns die „Sneakairs“ geradeaus lotsen und wir plötzlich in der Nebenstraße ein interessantes Geschäft entdecken? Werden unsere vibrierenden Sohlen dann zu Höchstleistungen auflaufen, während wir einen kleinen Shopping-Stop abseits der Route einlegen?

Oder macht die Batterie vorher schlapp? Durchaus denkbar beim Prototyp. Die im Moment noch auf drei Stunden beschränkte Laufzeit ist nur einer der Schwachpunkte, denen sich die Macher des Schuh-Navigationssystems noch stellen müssen.

Bis jetzt ist das System des orangen Smart Schuhs mit EasyJet Schriftzug nur mit I-Phones kompatibel. An einer Version für Android wird allerdings schon gearbeitet.

Ein weiteres Problem stellt die ständige Nutzung der mobilen Daten dar, die erforderlich ist, um die Schuhe mit Google Maps zu verbinden. Das treibt die Kosten für die intelligenten Schuhe auf Dauer in die Höhe.

Doch EasyJet ist zuversichtlich und arbeitet weiterhin an der Verbesserung des Prototypen. Die „Sneakairs“ sind nicht die erste Erfindung der Fluggesellschaft. Erst letztes Jahr hatte das Unternehmen Drohnen zu Inspektion der eigenen Flugzeuge entwickelt und auch aktuell arbeiten sie an einer innovativen Wasser-Brennstoffzellen für ihre Flieger.

Was die navigierenden Schuhe betrifft, wurde noch kein offizieller Verkaufsstart angekündigt. Geplant sei allerdings, die „Sneakairs“ künftig an Bord während des Fluges zu verkaufen oder die Rechte einem großen Schuhhersteller zu überschreiben.


Quelle: news.com.au; Wired

© Fotos: EasyJet

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