Panorama

Junges Start-Up verändert die Weltkarte

von am 27. Juni 2016

Drei zufällig kombinierte Wörter um jeden beliebigen Ort auf der gesamten Welt zu bestimmen – das ist das Konzept eines jungen Startup-Unternehmen aus Großbritannien. Die Gründer von what3words haben ein neuartiges Adress-System entwickelt, dass mit Hilfe eines Algorithmus jeder Stelle auf dem Globus einen Namen zuweist und so dafür sorgt, das jeder Mensch eine eigene Anschrift erhält.
 

what3words Karte für Laptop, Tablet und Smartphone © Foto: what3words

Die neue Methode lässt alles, was wir bisher über Straßen, Postleitzahlen und Städte wussten, vergessen und folgt stattdessen einem ungewöhnlichen Schema. Mit Hilfe eines selbst entwickelten Programms teilt what3words die Weltkarte in ein Raster aus 57 Billionen Quadrate mit einer Seitenlänge von je drei Metern.

Ein Algorithmus generiert für jedes Quadrat eine eigene „Adresse“, bestehend aus drei aneinander gereihten Wörtern, unter Berücksichtigung von Wortlänge, Verwechselbarkeit, Häufigkeit und Schwierigkeitsgrad der Schreibung und Aussprache. Dabei greift er auf vorher zusammengestellte Listen zurück, die aus 25.000 bis 40.000 Wörtern bestehen. Anstößige und gleich klingende Wörter wurden vorher von den Entwicklern aussortiert.

Ein Atlas zufälliger Wörter

Auch eine deutliche Fehlererkennung haben die Programmierer für den Atlas zufälliger Wörter entwickelt. Gibt man eine Wortkombination aus Versehen fehlerhaft ein und verwendet zum Beispiel den Plural statt den Singular eines Wortes, dann befindet sich die falsche Adresse nicht ein paar Straßen weiter, sondern gleich in einem anderen Land oder Kontinent. So wird gewährleistet, dass der Fehler auf den ersten Blick von Mensch und Maschine erkannt wird.

© Foto: what3words

  
Ein weiteres Beispiel:

weil.männlich.absetzte = Brandenburgische Straße 30; Adresse des Reisebine-Büros in Berlin

weil.männliche.absetzte = Adresse in Cancún, Mexio
 

WW-what3words_screenshot_map-800 © Foto: what3words

Zurzeit gibt es das what3words System in neun verschiedenen Sprachen, unter anderem in Englisch, Deutsch, Türkisch und Russisch. Jede Sprache hat dabei ihre eigenen Wortkombinationen und wird nicht einfach nur übersetzt. So lautet die englische Adresse des Reisebine-Büros instead.mirror.iron (übersetzt stattdessen.spiegel.eisen, was wiederum in der deutschen Version für ein Quadrat im Südwesten Tansanias steht).

Einprägsame Postanschriften für Menschen weltweit

Dem ein oder anderen mag das Konzept von what3words noch befremdlich erscheinen, doch dass auf diese Weise eine präzise und einprägsame Postanschrift für jeden Menschen generiert wird, ist nicht von der Hand zu weisen.

Um eine ähnlich genaue Ortsangabe mit Hilfe von Koordinaten auszudrücken, bräuchte man eine schwer zu merkende Kombination aus 16 Zahlen, 2 Schriftzeichen, 2 Dezimalzeichen und einer Leerstelle/einem Komma/einer neue Zeile.

Mit ihrem neuen Adress-System wollen die Gründer des Startup-Unternehmens Chris Sheldrick und Jack Waley-Cohen sowohl Industriestaaten bei exakter Navigation als auch Entwicklungsländer bei Notfallmaßnahmen und humanitärer Hilfe unterstützen. Uneinheitliche, komplizierte oder ungenügende Adress-Systeme seien bis heute ein großes Problem, rund 4 Milliarden Menschen in 135 Länder hätten keine Möglichkeit, ein eigenes Bankkonto zu eröffnen oder Lieferungen und Unterstützung zu erhalten und würden so in der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung gehemmt, heißt es auf der Webseite von what3words.

Ihre neue Weltkarte lässt sich auf dem Internetbrowser eines Computers ebenso wie in einer App abrufen und wird schon heute von Taxi-Unternehmen, Logistikfirmen, Reiseführern und Navigations-Apps verwendet.

Die what3words-App ist kostenlos und für IOS und Android erhältlich. Sie funktioniert ähnlich wie Google Maps, hat eine Ortungsfunktion und einen „Teilen“-Button, der es den Nutzern möglich macht, die aktuelle Position per E-Mail, SMS oder Messenger anderen Personen mitzuteilen.

Bisher lässt sich die 5-10 Megabyte kleine Weltkarte, die auf jeden Smartphone-Speicher passt, in vier Sprachen auch offline nutzen, was in Gegenden mit schlechter oder nicht vorhandener Datenverbindung von Vorteil ist. An weiteren Sprachen wird gearbeitet.

Mongolei führt als erstes Land das what3words System ein

Als erstes Land der Welt hat nun die schwach besiedelte Mongolei beschlossen, das Adress-System einzuführen und Briefe und Pakete künftig an Drei-Wörter-Anschriften zu liefern. In der Mongolei gibt es viele unbenannte Straßen, selbst in der Hauptstadt, und zahlreiche Menschen mussten bisher zu einem Sammelpunkt reisen, um ihre Post von dort abzuholen.

Ob künftig weitere Länder folgen werden, bleibt abzuwarten. Ein langfristiges Ziel der Entwickler ist in jedem Fall die Einbindung ihres Algorithmus bei Google Maps, sodass das Adress-System weiteren Menschen zugänglich wird.


Quelle und © Fotos: what3words

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