Surf-Instructor Ausbildung im Test

Zurück im Wasser – als Surfer und als Lehrer!

von am 26. April 2012

© Foto: Linda Aulbach

Endlich, die Warterei hat ein Ende: Ich darf wieder surfen! Und nicht nur das, diese Woche durfte ich mich sogar schon als Instructor ins Wasser wagen.

Gleich an meinem ersten Tag mit der Freiheit, ins Wasser gehen zu dürfen und meinen Körper mit ein wenig mehr als mit Yoga und leichtem Joggen zu beanspruchen, erwartete mich mein erstes Mal als assistierender Surflehrer einer Anfängerstunde.
Ich bewaffnete mich mit einem der lang ersehnten roten Lyrcra-Shirts mit der Aufschrift „INSTRUCTOR“ auf dem Rücken und begrüßte in einem möglichst undeutschen Akzent die Schüler.
Ganz cool, lässig und den Blicken so mancher der Surfneulinge bewusst, stand ich neben dem Headcoach Nicko, der neben mir sogar noch größer und stärker aussah als sonst. Gott sei Dank sah man mir absolut nicht an, dass ich ziemlich viel Schiss vor der ganzen Sache hatte. Ich wusste wie man paddelt und aufsteht und surft, aber ob ich das den Kunden verständlich erklären kann? Und bin ich stark genug, Leute in die Wellen zu schieben?  Oweh, oweh, ich machte mir ernsthaft Sorgen…

© Foto: Linda Aulbach

Um in meiner ersten Stunde nicht vollständig zu versagen, versuchte ich mich in der Nähe der leichtesten und sportlichsten Kunden aufzuhalten. So lief ich fröhlich plaudernd zwischen fünf aufgeregten Mädchen zum Strand, half ihnen bei den Strandübungen und war aller guten Dinge – bis ich sah, dass drei ältere Herren sich um einiges verspätet zu uns gesellten. Mit einer gewissen Vorahnung sah ich zu Nicko und er bestätigte meine Befürchtung:  Jetzt war ich dafür zuständig, die Aufwärm- und Trockenübungen auszuüben und somit die Neuankömmlinge aufs Surfen vorzubereiten. Meine neuen „Schützlinge“ waren aber leider alles andere als sportlich und leicht und als wäre das noch nicht genug, sprach nur einer von ihnen gebrochenes Englisch.
Meine Hoffnung auf einen guten Start als Surfinstructor sank. Nach ein paar anfänglichen Schwierigkeiten aber lief es sogar ziemlich gut und dank meiner scheinbar perfekten ;-) Gestik und Mimik haben mich die älteren Herrschaften tatsächlich verstanden und als sie im Wasser das frisch Gelernte ausprobierten, funktionierte es! Während die Männer mehr oder weniger gut surften, sprang ich im Hintergrund fröhlich umher und freute mich über Nickos‘ anerkennende Blicke.

© Foto: Linda Aulbach

In der nächsten Unterrichtsstunde, in der ich assistieren durfte, lernte ich „taxi-ing“, eine Methode, in der der Surflehrer hinten am Board „hängt“ und versucht dem Surflehrling mehr Balance zu geben. Hier auf dem Foto seht ihr mich bei einem meiner ersten Versuche. Es ist ziemlich anstrengend (wie ihr an meinem Gesichtsausdruck erkennen könnt) und noch hab ich nicht die richtige Technik drauf, aber es macht wirklich viel Spaß (und Muskelkater).
Ein noch besseres Gefühl kommt aber auf, wenn einer der Anfänger endlich aufsteht und gespannt über die Schultern zurückschaut, um ein Daumen-Hoch und ein lautes „YEAH!“ zu bekommen. Ein Academy-Family-Mitglied hat einmal gesagt, man fühlt sich wie eine Mutter, deren Kind das erste Mal aufsteht und zu Laufen anfängt… :-)

Ein ziemlich gutes Gefühl hat heute Morgen ein Blatt Papier mit sich gebracht. Gestern fand der monatliche First-Aid-Test statt, den ich im ersten Monat (wie ihr in meinem Artikel „Zweite Woche – erster Test“ erfahren könnt) leider nicht bestanden habe und im zweiten Monat verpasst habe (ich befand mich auf Erholungspflichturlaub -> „Von Wind, Wetter und Krankheit„).
Es war also meine letzte Chance und ich hatte enorm viel Glück, dass das 500 Meter Schwimmen aus unerfindlichen Gründen im Meer stattfand und wegen den starken Strömungen und dem hohen Wellengang nicht zeitlich gemessen wurde. Somit musste ich es nur schaffen, diese Strecke ohne zu ertrinken hinter mich zu bringen. Es hat einige Zeit gedauert, aber ich habe überlebt! Und hier auf dem Foto ist er, der Beweis… seid stolz auf mich!

Lindas 1. Prüfung© Foto: Linda Aulbach

Natürlich habe ich meine Zeit im Wasser nicht nur neben Surfboards verbracht. Ich kann das Wort „endlich“ nur immer wieder wiederholen, ENDLICH ging es wieder mit einem Surfboard auf in die Wellen! Und ich kann euch gar nicht sagen, wie lange ich vor meinem Bildschirm saß und versucht habe, das Gefühl vom Wieder-im-Wasser-und-auf-dem-Surfboard-sein so genau und realitätsnah wie möglich zu beschreiben. Hier ist mein bester Versuch und wenn ihr es gelesen habt, stellt euch alles noch 3,5 mal schöner und besser vor:
Im ersten Moment war es einfach wortwörtlich unbeschreiblich. Unmengen von Glücksgefühlen strömten durch meinen Körper, als ich den Wind in den Haaren, das Board in den Händen und den Salzwassergeschmack auf den Lippen spürte. Die ersten Paddelzüge machten mir klar, dass ich nie wieder so lange auf Surfen verzichten will und dass ich mich ohne Board und Meer irgendwie verloren fühle. Ich habe mich in diesem Sport gefunden und wenn ich dran denke, dass ich irgendwann wieder zurück nach Deutschland muss, wird mir ganz unwohl.. Warum liegt Bayern nicht am Meer?! :-(
So wunderschön der erste Moment war, so unschön war der zweite Moment: Mein Gott, habe ich viel Kraft verloren! Ich erwartete zwar nicht, dass ich auf dem gleichen Level wie vor meine Krankheit bin, aber so schwach hätte ich mir mich nicht vorgestellt. Ein wenig schockiert und enttäuscht setzte ich mich schon nach einer halben Stunde an den Strand und wenn mein Surflehrer sich nicht neben mich gesessen hätte und mir ein paar tröstende und aufmunternde Worte gegeben hätte, wären sicherlich ein paar Tränen gelaufen. Aber so schöpfte ich Hoffnung und schon jetzt, ein paar Tage später, fühle ich mich bei weitem stärker als an meinem ersten Tag.

Bis zu nächsten Woche.


© Fotos: Linda Aulbach

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