Australien Reise-Tipps

Geisterstädtchen in Westaustralien

© Foto: Tourism Western Australia

Auf den Spuren der ersten Siedler und Glücksritter im Outback Westaustraliens

Wie Wildblumen schossen sie überall im Outback aus dem Boden. Kleine Siedlungen entstanden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert überall dort in der kargen Landschaft des westaustralischen Hinterlands, wo man Bodenschätze fand oder anderweitig zu Reichtum kommen konnte.

Viele dieser Orte verschwanden so schnell von der Landkarte wie sie entstanden waren, zerfielen zu Staub und wurden vergessen. Manche wurden zu Geisterstädten, in denen man bis heute die Überreste zerfallener Gebäude und rostiger Autos findet. Versiegte das Gold, ließ man all das, was man nicht tragen und mitnehmen konnte, zurück und zog weiter, immer der nächsten Verheißung nach.
 

© Foto: Tourism Western Australia / Jarrad Seng

Gwalia Ghost Town, Gwalia

In Gwalia wirken die Wellblechhütten aus der Zeit des Goldrauschs so, als hätten die letzten Siedler sie gerade erst verlassen.

Wer den Geist der ersten Pioniere spüren und eine kleine Zeitreise unternehmen möchte, der ist im staubigen Outback Westaustraliens genau richtig. Der lange Weg zu den meist unwirtlichen Orten lohnt sich.

 
Kookynie: 13 Einwohner und ein Pferd

Kookynie im „goldenen“ Outback Westaustraliens, ist das, was man eine lebendige Geisterstadt nennt. Hier gibt es mehr verfallene Häuser und vor sich hin rostende Autos als Einwohner. Die Gemeinde, die etwa zwei Autostunden nördlich der Minenstadt Kalgoorlie liegt und seit 1898 ständig bewohnt ist, zählt heute nur noch 13 Einwohner und ein ehemaliges Rennpferd namens Willie, das täglich im örtlichen Pub des „Grand Hotels“ vorbeischaut und sich dort auch gerne mal direkt an die Theke stellt. Die altehrwürdige Herberge, in der Reisende bis heute übernachten können, ist die Hauptattraktion des Örtchens und genau die richtige Anlaufstelle für ein kaltes Bier oder einen schmackhaften Burger.

Besucher erfahren hier mehr über die Blütezeit Kookynies zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zur Zeit des Goldrauschs lebten in dem Ort etwa 2.300 Menschen, es gab 400 Gebäude, sieben Hotels, eine Pferderennbahn, ein Schwimmbad und sogar zwei Rotlicht-Bezirke. Davon sind heute nur noch einige Ruinen übrig, so z.B. die des Cosmopolitan Hotels und einiger alten Geschäfte.

Am Old Miner’s Cottage, dem letzten Gebäude aus Holz und Eisen, das noch aus der Zeit der Jahrhundertwende stammt, können sich Besucher vorstellen, wie das Leben der Pioniere wohl ausgesehen haben mag. Schilder mit Erläuterungen lassen den Ort und seine Bewohner vor dem inneren Auge wieder lebendig werden.

 
Gwalia: Übernachtung im Bett von Herbert Hoover

Bis 1963 war das heutige Geisterstädtchen Gwalia, das unweit der Minenstadt Leonora liegt, der Inbegriff einer „Boomtown“. Es gab hier eine dampfbetriebene Straßenbahn, Geschäfte, ein Schwimmbad, ein Gemeindezentrum und sogar ein staatlich geführtes Hotel. Die „Sons of Gwalia“-Goldmine wurde von 1896 bis 1963 betrieben. Auch Herbert Hoover, der später als 31. Präsident die USA regieren sollte, leitete die Mine im Jahr 1898 einige Monate.

Der Großteil der etwa 1.200 Einwohner lebte in notdürftig zusammengeschusterten Wellblechhütten. Nach der Schließung der Mine im Jahr 1963 verließen die meisten Einwohner Gwalia innerhalb weniger Stunden.

Bei einem Spaziergang durch die restaurierten Hütten und Cottages reisen Besucher in eine Zeit, in der Glücksritter aus aller Welt in Gwalia lebten. Auf den Tischen stehen noch Emaille-Tassen und Waschschüsseln, Türen quietschen im Wind, ein Piano mit kaputten Tasten trotzt den unwirtlichen Bedingungen des Outbacks, verrostete Autos liegen in der sengenden Sonne im Staub.

Ein Besuch im Gwalia Historical Museum, das im ehemaligen Minen-Büro untergebracht ist, rundet die Zeitreise ab. Übernachten können Besucher im historischen Hoover House, das heute ein Bed & Breakfast ist. Wer kann schon sagen, einmal im Bett eines späteren Präsidenten geschlafen zu haben!?

 Nach einem Spaziergang durch die Wellblechhütten-Siedlung der Minenarbeiter (links) lohnt auch ein Besuch des Hoover House (rechts), das direkt an der Abbruchkante der “Sons of Gwalia”-Goldmine steht.

Cossack: Ehemaliges Handelszentrum der Pilbara-Region

Das heute unter Denkmalschutz stehende, historische Geisterstädtchen Cossack (Bajinhurrba) in der Nähe von Roeburne in der Pilbara-Region, wurde 1863 als erster Hafen in Australiens Nordwesten an der Mündung des Harding River gegründet. Zu seiner Blütezeit war Cossack das Zentrum der westaustralischen Perlenindustrie, mehr als 80 Perlenfischerschiffe, meist mit Aboriginal-Australiern und Asiaten bemannt, lagen hier in den 1870er Jahren im Hafen vor Anker. Auch für Goldsucher und die Weidewirtschaft in der Region war das Städtchen von Bedeutung.

Der Niedergang Cossacks begann mit der Verlagerung der Perlenindustrie nach Broome. Der Bau eines neuen Hafens in Point Samson führte schließlich zur vollständigen Aufgabe des Ortes im Jahr 1950. 2007 wurde es zum Museumsstädtchen erklärt und die historischen Blausteingebäude unter Denkmalschutz gestellt.

Bei einem Spaziergang über den Cossack Heritage Trail unternehmen Besucher eine Reise in die Blütezeit des Städtchens als Tausende von Menschen ihr Glück in der schnell wachsenden Perlenindustrie und in den Goldminen der Pilbara-Region suchten. Acht vollständig restaurierte Originalgebäude, der asiatische und europäische Friedhof, die ehemalige Werft sowie das bis heute völlig intakte Post- und Telegrafenamt erzählen vom rasanten Aufstieg und Fall Cossacks.

Das Cossack Museum im Court House (unten) gibt einen umfassenden Einblick in die harte Arbeit und Erfolge der ersten Siedler. In der Art Gallery stellen Aboriginal Künstler aus der Region ihre Werke aus und bieten Kunsthandwerk zum Verkauf. Während der Trockenzeit (Mai bis Oktober) können Besucher in einfachen Bed & Breakfast-Zimmern in der ehemaligen Polizeistation übernachten.

 Der Cossack Heritage Trail führt Besucher zu den vollständig restaurierten Originalgebäuden des ehemaligen Handelszentrums in der Pilbara-Region.

Roadtrips zu den Geisterstädten

Reisende, die Kookynie und Gwalia einen Besuch abstatten möchten, unternehmen am besten einen Roadtrip auf dem Golden Quest Discovery Trail, der den Spuren der ersten Goldsucher im Outback rund um Kalgoorlie folgt. Auch die “Super Pit” in Kalgoorlie, eine der größten Goldminen der Welt, und den Salzsee Lake Ballard, auf dem der Künstler Antony Gormley für das Perth International Arts Festival sein Werk „Inside Australia“ installiert hat, erleben Besucher bei dieser Tour.

Reisende, die Cossack besuchen möchten, folgen dem Warlu Way, der von Exmouth am Ningaloo Reef bis ins Perlenstädtchen Broome in der westlichen Kimberley-Region führt. Zu den Highlights dieser etwa sieben Tage langen Tour gehören der Karijini Nationalpark, der Millstream Chichester Nationalpark, die Burrup-Halbinsel, Cossack und Roeburne, Port Hedland sowie der Eighty Mile Beach.


Fotos: Tourism Western Australia
Quelle: The Conjoint Marketing Group

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Sabine Hopf

Sabine, Gründerin der Webseite "Reisebine.de", Fotografin und Chef-Redakteurin unserer Online-Redaktion. Sabine bereiste Australien seit 1987 rund 17x und kennt den roten Kontinent wahrscheinlich besser als ihre Heimatstadt Berlin.

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