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Circa’s Peepshow: Australischer Zirkus zu Gast in Berlin

von am 12. September 2018

Atemberaubend, unerwartet und sexy obendrein: Durch das Berliner Chamäleon Theater weht dieser Tage ein Hauch Australiens. Die Kompanie des Circa Contemporary Circus stammt aus Brisbane und lädt zur Peepshow, einer modernen Zirkusvorstellung der Extraklasse.
 

 

Der Name Brisbane weckt, zumindest bei mir, hauptsächlich Assoziationen mit ganzjährig warmen Temperaturen, der Southbank und Ostküsten-Roadtrips. Den Gedanken an modernen Zirkus auf höchstem Niveau verbinden bislang hingegen wohl hauptsächlich Kenner mit Queenslands sonniger Hauptstadt. Dabei sind in Brisbane gleich mehrere moderne, international erfolgreiche Zirkuskompanien zu Hause. Zu den Besten nicht nur der Stadt, sondern der Welt zählt der Circa Contemporary Circus.

Das Berliner Chamäleon Theater kennt und liebt die artistische Truppe aus Down Under seit Jahren, und lud sie in diesem Jahr bereits zum fünften Male zum halbjährigen Gastspiel nach Berlin ein. Auf dem Programm steht Circa’s Peepshow, eine verführerische Kombination aus Zirkus, Cabaret und Wow-Faktor.
 

 
Gerne nehmen wir die Einladung des Chamäleon Theaters an, eine Vorabaufführung des australischen Gastspiels zu besuchen. Eine Dreiviertelstunde vor Vorstellungsbeginn holen wir unsere Tickets am Eingang der Hackeschen Höfe ab und begeben uns an einen Tisch im hübschen, stimmungsvoll in rot und blau beleuchteten Theatersaal im ersten Stock. Angenehm gespannt unterhalten wir uns bei leckeren Cocktails (auch alkoholfrei) und Häppchen aus der Chamäleon-Küche mit unseren Tischnachbarn über das, was da kommen mag.

Ein erwartungsvolles Raunen erfüllt den Saal, und während unsere freudige Erwartung steigt, stellen wir fest, wie international das Publikum ist. Viel Englisch ist zu hören, hier und dort sogar mit australischem Zungenschlag. Kein Wunder, denn in Australien ist die Circa eine echte Hausnummer; die Kompanie gewann bereits zahlreiche Preise und betreibt in Brisbane eine eigene Zirkusschule für vielversprechenden Nachwuchs.
 

Das Spiel mit dem Titel: Peepshow

Schon erklingt der dritte Gong und die Gespräche verstummen, während sich der rote Vorhang öffnet. „Peepshow“, verkünden leuchtende Buchstaben über einem weiteren, silbernen Vorhang, und bevor wir uns versehen, befinden wir uns mitten in selbiger.
 

 
Rote Samthandschuhe entführen uns in eine Welt der mal mehr, mal weniger knappen Bekleidung und des beeindruckenden artistischen Könnens. Die Australier – vier Frauen, drei Männer – wirbeln auf dem Boden, an Seilen und Tüchern, über oder aufeinander stehend und bisweilen scheinbar schwerelos über die Bühne. Dabei ist die Bezugnahme auf den voyeuristischen Gedanken einer Peepshow sehr bewusst Teil der Aufführung.

Die aufreizend schönen Körper in paillettenbesetzten Höschen, die sich zu fast unmöglich erscheinenden Akten verbiegen, bergen einen tieferen Hintergedanken. Von der Bühne aus entfaltet sich ein mal mehr, mal weniger subtiles Spiel mit den Publikumsreaktionen, das einige Überraschungen birgt. Mal tragen die selbstbewusst starken Frauen sich gegenseitig über die Bühne, während sie obendrein zahlreiche Reifen um ihre Körper schwingen, mal werden sie fast zerbrechlich wirkend von den Herren auf Händen getragen, wenn diese nicht gerade selbst verrückte Sprünge und Kontorsionen aufführen.
 

 
Und dann, auf einmal, steht alles still, und dem Publikum wird sozusagen der Spiegel des Zuschauens vorgehalten. Immer wieder entstehen nachdenklich stimmende und überraschende Momente des Innehaltens, die kurz darauf erneut von beeindruckender Artistik abgelöst werden. Wer reflektiert hier eigentlich wessen Verhalten – und ist das wichtig, wenn man sich so gut unterhalten fühlt?

Mehr sollte ich allerdings wirklich nicht verraten, schließlich ist die Überraschung elementarer Teil des verführerischen Spiels mit Elementen aus Peepshow, Cabaret, Club und ganz viel zeitgenössischem Zirkus der Extraklasse. Zum Ende der Show gibt es verdiente Standing Ovations, während Chamäleon-Direktor Henrik Fröbel den müden, aber glücklichen Performern noch einmal persönlich zur fantastischen Leistung gratuliert.
 

 
Fazit

Circa schaffen einen wundervollen, artistischen, nachdenklichen und immer wieder witzigen Abend, der völlig ohne Worte auskommt. Die musikalische Untermalung pendelt zwischen ätherischen, nachdenklichen Klängen und spannend-aufpeitschenden Bässen – das ist stellenweise ungewohnt, und doch seltsam passend.
Kurzum: Beste Unterhaltung, made in Australia!

 

Die Fakten

Circa’s Peepshow
Spielzeit: 25. August 2018 – 17. Februar 2019
Preis: Ab 37 € (reg.) / 28 € (erm.)

Chamäleon Theater, in den Hackeschen Höfen

Mehr Infos und Tickets: https://chamaeleonberlin.com/de/shows/peepshow


© Fotos: Chamäleon / Andy Phillipson; Eline Bakker

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