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Rodeo-Wettbewerb in Queensland – Sportevent oder Tierquälerei?

von am 12. August 2016

Das jährliche Mount Isa Rodeo im australischen Queensland steht vor der Tür und hält für die Besucher ein dreitägiges Spektakel rund um die fragwürdige „Sportart“ bereit.
  

MUMU-JP_Clay-Smith-800© Foto: Mullewa Muster & Rodeo – Jane Parker

  
Jedes Jahr im August kommen Tausende Australier und Touristen in das 20.000 Einwohner Städtchen Mount Isa im nordwestlichen Outback des Bundesstaats Queensland, um dem größten Rodeo der südlichen Hemisphäre beizuwohnen, bei dem sich ehrgeizige Reiter auf dem Rücken von „wilden“ Tieren zur Schau stellen. Das sportliche Event beginnt offiziell am Freitag und zieht sich mit Live-Unterhaltung, Konzerten, Märkten, Straßenparaden und sogar einer Miss-Rodeo-Wahl über das gesamte Wochenende.

Profis und Nachwuchstalente stellen ihr Können in verschiedenen Disziplinen auf Pferden und Bullen unter Beweis und kämpfen dabei um unterschiedlich hohe Preisgelder. Die Wettkämpfe teilen sich in zeitliche Herausforderungen, bei denen Schnelligkeit gefragt ist und Kür-Aufgaben, wo es um die Ausführung und den Reitstil der Teilnehmer geht.

Dass Rodeos für Tiere eine wahre Tortur darstellen und sie über einen langen Zeitraum darauf trainiert werden, buckelnd ihre Reiter abzuwerfen, stört die begeisterten Besucher nicht, die für den Eintritt zur Show tief in die Tasche greifen. 40 A$ kostet das Ticket für einen Tag und wer das gesamte Ereignis von Freitag bis Sonntag live mitverfolgen möchte, muss sogar 95 A$ bezahlen.

Das jährliche Event ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region und schmückt Mount Isa und das Outback Queensland seit über 50 Jahren mit dem Titel „Rodeo Capital of Australia“. Trotz Protesten zahlreicher Tierschützer gilt Rodeo-Reiten in vielen Teilen Australiens noch immer als ein Stück Kultur. Auch die junge Generation wird an die nicht ungefährliche „Sportart“ herangeführt und kann beispielsweise in der Mount Isa Rodeo School in Queensland alles rund um das Thema Rodeo lernen.

Für die heranwachsenden Möchtegern-Cowboys gibt es Workshops, bei denen neben Theorie, Sicherheit und Etikette der Umgang mit Sattel- und Zaumzeug sowie verschiedene Reit- und Abstiegstechniken erlernt werden können.
Einer der Ausbilder ist der australische Rodeo-Champion Brad Pierce, der seinen Schülern beibringen möchte, wie man sich in der Arena verhalten muss, um das Verletzungsrisiko zu minimieren und wie man mit empfindlichen Pferden umzugehen hat.
Pierce ist überzeugt, dass die richtigen Grundlagen vieles vereinfachen und dabei helfen, mehr Leute zur Teilnahme zu motivieren.

Unter seinen jungen, ambitionierten Schülern ist auch der 16-Jährige Darcy Harrison aus dem nahegelegenen Cloncurry, für den es das erste Mal auf dem Rücken eines Wildpferdes ist. Erfahrung mit Bullen hat er bereits, aber ähnlich wie schon seine Freunde möchte er nun auch dem Pferde-Reiten eine Chance geben.
Doch der Workshop in der Rodeo-Arena zählt nicht nur Anfängern zu seinen Teilnehmern. Auch Jugendliche, die schon Erfahrung mitbringen, sind als Schüler angemeldet, um wie Jordan Iker (17) an ihrem Können für das kommende Mount Isa Rodeo zu feilen. Jordan ist extra die weite Strecke aus Rockhampton angereist und möchte sich vor dem Wettkampf dieses Wochenende noch ein paar Tipps vom Profi holen.

Obwohl die Vorbereitungen für das Rodeo-Ereignis auf Hochtouren laufen, berichtet Brad Pierce von zurückgehenden Reiterzahlen in allen Disziplinen. Immer weniger Australier scheinen sich für die umstrittene Tierdressur zu interessieren und auch weniger Jugendliche wollen die gefährliche Reittechnik erlernen.

Durch das anstehende Rodeo-Event könnte das wichtige Thema erneut zum Gegenstand öffentlicher Diskussionen werden. Daher bleibt zu hoffen, dass die menschengemachte Tierquälerei zu Unterhaltungszwecken auf lange Sicht ein Ende finden wird.


Quelle: abc.net.au, Isa Rodeo

© Fotos: Mullewa Muster & Rodeo – Jane Parker, Tourism & Events Queensland

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