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Haiangriffe in Australien – Wer bedroht hier eigentlich wen?

von am 11. April 2014

Im vergangenen Jahr kam es vermehrt zu Haiattacken in Australien, ein Großteil davon an den Küsten Western Australias. Der 5. Kontinent stand damit einmal mehr auf Grund seiner bisweilen tödlichen Tierwelt im Fokus der Medien – ein Ruf, der für ein Land, welches sich vor allem über seine traumhaften Strände definiert, nur schwer zu verkraften ist. Australien sah sich zum Handeln gezwungen und geht seither nicht gerade zimperlich und unumstritten gegen die scharfzähnigen Meeresbewohner vor.

Doch sind Haie tatsächlich eine so große Gefahr für Einheimische und Touristen, wie es sich in Berichten häufig darstellt? Wer greift hier eigentlich wen an? Und wie lässt sich ein Haiangriff vermeiden? Der nachfolgende Bericht soll euch einen ersten Überblick über die gestellten Fragen geben. Urteilen muss jeder für sich selbst.
  

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Weltweit gibt es um die 400 Haiarten. Etwa 180 davon sind in den Gewässern rund um Australien zu finden, zumeist entlang der südlichen Küstenabschnitte. Die Vielfalt reicht vom nur 30 cm langen Pygmäenhai (pygmy shark) bis hin zum gigantischen, 12 m langen Walhai (whale shark). Die Mehrzahl dieser Arten ist für den Menschen vollkommen ungefährlich. Lediglich der Weiße Hai (great white), der Tigerhai (tiger shark) und der Bullenhai (bull shark) stellen für Schwimmer eine ernsthafte Gefahr dar. Eigentlich sollte man sich daher über die Artenvielfalt freuen. Dass viele Haiarten an den australischen Küsten leben, ist ein Zeichen für ein gesundes Ökosystem. Sie kontrollieren den Bestand der Beutetiere und fressen alte und kranke Tiere, während die gesunden überleben und einen intakten Artenbestand aufrecht erhalten. Allerdings überlappt sich jenes Ökosystem immer intensiver mit dem Lebensbereich des Menschen.

Etwa 85% der Australier leben weniger als 50 km vom Meer entfernt und verbringen viel Zeit im Wasser. Der Strand gehört zum Lebensgefühl Down Unders dazu. Zahlreiche Küstenabschnitte sind heute mit geringem Aufwand zu erreichen. Reisen in abgelegene Regionen, in denen man ungestört von anderen Touristen schwimmen, schnorcheln, surfen und tauchen kann, waren früher nicht möglich. Diese zunehmende Mobilität ermöglicht es uns, immer weiter in Gegenden vorzudringen, die eigentlich der Tierwelt vorbehalten sind. Bei jedem Gang ins Wasser dringt der Surfer oder Schwimmer zwangsläufig in den Lebensraum der Meeresbewohner ein. Mensch und Hai treffen häufiger aufeinander als je zuvor. Haiangriffe sind sehr selten, verlaufen dann aber oft tödlich. In den Medien werden sie als brutale Bestien dargestellt. Dass ihre Zähne nachwachsen können und die Tiere so in ihrem Leben bis zu 3.000 davon haben können, macht die Angst vor den Meeresbewohnern noch größer. Der 1975 erschienene Film „Der weiße Hai“ verfestigte das Bild der Bestie in den Köpfen vieler Menschen.

Aber ist es wirklich der Mensch, der sich vor dem Hai fürchten muss?

Laut der Australian Shark Attack File  gab es seit Beginn der Aufzeichnungen 1791 in ganz Australien insgesamt 892 Haiangriffe. 217 davon verliefen tödlich. Das entspricht etwa einem Hai-Opfer pro Jahr. Die Wahrscheinlichkeit, durch eine Hai-Attacke zu sterben, ist somit geringer, als von einem Blitz getroffen zu werden oder auf Grund der Folgen des Rauchens umzukommen. Dagegen sind laut UN 30% der Haiarten gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Überfischung, Klimawandel und der Appetit der Asiaten auf Haifischflossensuppe sind vermutlich die Hauptgründe für den dramatischen Rückgang von Hai-Populationen. Doch obwohl der Bestand der Haie abnimmt, scheinen sich tödliche Bisse zu häufen. Das natürliche Verhalten der Tiere, dahin zu ziehen, wo das Nahrungsangebot am größten ist, trägt dazu bei. Durch Meeresströmungen verschieben sich die Orte unaufhörlich, die den Tieren eine nährstoffreiche Ernährung ermöglichen. Sichere Prognosen, wo genau sich Hai-Populationen aufhalten, sind also schwer aufzustellen.

 

Was unternimmt Australien gegen die Haiangriffe?

Den Schutz vor Haiangriffen zu verbessern, wird in Australien groß geschrieben – nicht zuletzt, um weiterhin ein beliebtes Touristenziel zu bleiben. Ein Meilenstein bei der Verbesserung der Sicherheit war die Einführung des „Shark Alarm Systems“. Den Haien wird, ohne großen Aufwand, ein kleiner akustischer Transmitter im Magen eingesetzt, der ein Signal sendet. Nähert sich ein Hai dem Strand, wird in weniger als 2 min ein Signal an Sicherheitsdienste und öffentliche Netzwerke wie Twitter gesendet. Der Strand kann dadurch sehr schnell geschlossen und Wassersportler rechtzeitig aus dem Wasser geholt werden. Mehr als 320 Haie wurden auf diese Weise bereits markiert, bzw. ge-“tagged“. Weitaus umstrittener als das „Shark-Tagging“ ist der Einsatz von mit Ködern bestückten „Drum Lines“ und Netzen.

Erst im Januar 2014 beschloss die Regierung Western Australias, mit dieser aggressiven Vorgehensweise weiteren Haiangriffen vorzubeugen. Eine Drum Line ähnelt einer riesigen Angel: ein großer Haken, bestückt mit einem Köder, verbunden mit einer Kugel, die als Flott dient. Am Boden befestigt ist die Drum Line so eine perfekte Falle für Haie. Sie wird ca. einen Kilometer vom Strand entfernt befestigt. Beißen Haie an, die größer als 3 m sind, werden diese getötet. Haie, die kleiner als 3 m sind, werden getagged und wieder freigelassen. Die Regierung des größten Bundesstaates Australiens entschied sich für den Einsatz von Drum Lines, da Netze aufgrund der Beschaffenheit der Strände nicht genug Schutz bieten und die Haie unter den Netzen hindurch schwimmen können. Sie stecken dann allerdings in einem eingezäunten Bereich fest und können dort getötet oder getagged werden.

Die Tötung der Haie sorgte unter der Bezeichung “Shark-Culling” für Aufruhr in internationalen Medien und ist noch immer stark umstritten. Australienweit gab es Proteste gegen das unangemessen harte Vorgehen. Selbst Opfer von Haiangriffen sprechen sich gegen den Einsatz von Drum Lines und Netzen sowie Hai-Tötungen aus. Naturschutzorganisationen weisen darauf hin, dass sich neben kleineren, ungefährlichen Haien auch eine Vielzahl anderer Meereslebewesen in ihnen verfangen.

So zum Beispiel Meeresschildkröten, Delfine, Wale, Robben und Dugongs. Rund 1/3 der Tiere, die sich in den Netzen verfangen, sind ohnehin schon vom Aussterben bedroht und verenden dort oft qualvoll, weil sie zu spät befreit werden. Erste Statistiken Ende Februar zeigten, dass nach 3 Wochen Einsatz dieser Drum Lines insgesamt 66 Haie gefangen wurden, von denen 75% kleiner als die geforderten 3 m waren. Außerdem befand sich kein einziger “great white” darunter – diejenige Haiart, die seit 1980 für alle außer einer Haiattacke in WA verantwortlich war. Der Nutzen dieser Maßnahme lässt sich damit umso mehr in Frage stellen. Kein Netze oder Drum Lines bieten einen 100%igen Schutz vor Angriffen. Vielleicht sollt man, statt weitere Maßnahmen einzuführen, einfach aufhören, in den Lebensraum der Meeresbewohner einzugreifen.
 

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The Best And Most Educational SharkShow In The World

 
Wer die folgenden Hinweise des Australian Government – Department of the Environment beachtet und den Tieren den nötigen Respekt entgegen bringt, ist weitaus weniger gefährdet!

    1. Nur an bewachten Stränden schwimmen
    2. Nicht an Stränden schwimmen, surfen oder tauchen, an denen bereits häufig Haie gesichtet wurden
    3. Nie allein schwimmen (viele Todesfälle resultieren daraus, dass man das Ufer nicht mehr aus eigener Kraft erreicht)
    4. Nicht in trüben Wasser schwimmen
    5. Das Schwimmen in Flussmündungen vermeiden
    6. Das Wasser verlassen, wenn Fischschwärme sich zusammenscharen
    7. Nicht mit Haustieren schwimmen gehen
    8. Vor dem Sprung ins Wasser (vom Boot aus) genau hinschauen
    9. Nicht in der Dämmerung oder nachts schwimmen
    10. Nicht dort schwimmen, wo andere angeln
    11. Sofort das Wasser verlassen, sollte ein Hai in der Nähe gesichtet werden

© Fotos: Reisebine

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