Rund ums Fliegen

6 Wahrheiten über Flugzeugverpflegung

von am 26. Oktober 2015

Flugzeugverpflegung. Bild: S. Stadon© Foto: Stefanie Stadon

Aluschälchen, Dumpingpreise und natürlich Tomatensaft…

Brötchen hart wie Stahlbeton, Fleischlappen wie Schuhsohlen und pfützenartiger Kartoffelbrei in unansehnlichen Aluschälchen, die zusätzlich in drei Lagen Plastik eingewickelt sind. Schon beim Versuch, die Mahlzeit in mundgerechte Stücke zu zerteilen, brechen die Zinken der Plastikgabel ab und fliegen dem Sitznachbarn , dessen Ellenbogen schon seit drei Flugstunden unangenehm in deine Taille drückt, um die Ohren. Dazu ein Mini-Plastikbecher mit mehr Eiswürfeln als Getränk, so dass man am liebsten gleich drei davon auf einmal bestellen würde.

Ach ja, die Flugzeugverpflegung: Ein leidiges Thema, das wohl nie an Aktualität verlieren wird. Bordmahlzeiten kommen schon unansehnlich verpackt daher, sind immer entweder zu fad oder übersalzen und machen einen ohnehin schon unangenehmen Langstreckenflug noch viel unerträglicher – so zumindest das gängige Vorurteil. Irgendwie möchte selbst die Cola nicht schmecken, ist langweilig und nicht süß genug.

Wir erklären, warum das so ist – und stellen 6 Dinge vor, die du vielleicht noch nicht über Flugzeugessen und -getränke gewusst hast.

 

1. Dumping-Einkaufspreise

Nicht nur beim Sitzkomfort gibt es große Unterschiede zwischen den Airlines und Klassen.

Brahim’s Airline Catering aus Kuala Lumpur beliefert rund 30 internationale Fluggesellschaften aus der ganzen Welt – unter anderem Etihad, Emirates, Malaysia Airlines, Cathay Pacific und viele andere. Airlines legen im Voraus ein Budget pro Einzelmahlzeit fest – los geht es bei rund 2,50 € (bzw. 10 Malaysischen Ringgit) für Economy Passagiere. Für First Class Reisende wird derweil bis zu 10 Mal soviel ausgegeben. Auch bei LSG Sky Chefs, der Cateringfirma der Lufthansa, sind die Unterschiede groß. Laut einem Spiegel Online Bericht kostete 2012 ein First-Class-Essen etwa 15€; für die Business-Class wurde etwa 6 € pro Mahlzeit berechnet, während in der Economy Class mit “wenigen Euro” kalkuliert wurde – und das am europäischen Markt. 

Die Diskrepanz ist leicht zu erklären: Business Class und First Class sind finanziell die lukrativsten Klassen, gleichzeitig ist die Konkurrenz mordend. Kein Wunder also, dass Fluggesellschaften regelmäßig versuchen, das Image ihrer Mahlzeiten aufzupolieren. Das tun sie beispielsweise durch Werbung mit Sterne-Köchen oder mittels “edleren” Gerichten wie Fisch oder Meeresfrüchten (die oftmals nach wenigen Flugzeug-Reihen alle sind).

Wie wenig Geld die Fluggesellschaften ihren Zulieferern pro Economy-Mahlzeit tatsächlich zahlen, bleibt derweil meist trauriges Branchengeheimnis.

 

2. Es liegt nicht an dir. Essen schmeckt im Flugzeug fade.

Der Geschmack von Flugzeugessen ist eine Wissenschaft für sich. An Bord eines Flugzeuges nehmen wir Geschmäcker anders – und bis zu 30% weniger intensiv – wahr als am Boden, das ist wissenschaftlich erwiesen.

Warum das so ist, hängt mit zahlreichen Faktoren zusammen; vom veränderten Luftdruck über trockene Kabinenluft bis zu den von den Turbinen verursachten Dauervibration. Müdigkeit, Zeitverschiebung und Geräuschbelastung tun sicher ihr übriges, dass uns das Essen im Flugzeug nicht so recht schmecken will.

Essen über den Wolken muss deshalb deutlich salziger, süßer, fettiger und/oder saftiger sein als das, was wir normalerweise zu uns nehmen. Kein Wunder also, dass Brötchen uns dort oben viel zu trocken sind – unser Körper verlangt nach Geschmacksverstärkern und vollmundigem umami-Geschmack. Das erklärt auch, warum Kartoffelbrei in Flugzeugen so flüssig und das Fleisch so salzig ist.

Flugzeugverpflegung in der Business Class. Foto: Sebastian Hopf

Mehr Mühe beim Anrichten & bei der Auswahl der Gerichte in höheren Klassen. (© Foto: S. Hopf)

3. Müllberge.

Ich denke, ich bin nicht die einzige, der die unglaublichen Müllberge im Flugzeug unangenehm auffallen. Selbst auf Kurzstrecken werden Unmengen von Getränkedosen, Papp- und Plastikbechern, Mini-Verpackungen und zusätzlich in Plastik eingeschweißte Salz-, Zucker-, Milchpulver- und Pfeffer-Tütchen verwendet und weggeschmissen. Von den riesigen Bergen an halbgessenen Mahlzeiten, Einweg-Geschirr, Plastikbesteck, Zeitschriften, Zeitungen und Verpackungsmüll auf Langstreckenflügen fange ich lieber gar nicht erst an. Laut einer Studie aus dem Jahr 2010 generiert jeder Passagier rund ein Kilo Müll pro Flug. Lassen wir uns das mal auf der Zunge zergehen: Ein Kilogramm Müll. Pro Passagier. Pro Flug. Als wären die Umweltfolgen des Fliegens nicht schon schlimm genug!

Wären Müllvermeidung, -trennung und Recycling da nicht der sinnvollere und sogar kosteneffizientere Weg?

Das stimmt offenbar nur zum Teil. Einweggeschirr ist meist leichter als Mehrweg-Varianten – und spart deshalb zusätzliche Kerosin-Kosten für die Airlines. Hinzu kommt, dass der Weg zum Recycling oftmals durch rigorose Einfuhrbestimmungen beschränkt wird. In Australien beispielsweise dürfen aus Angst vor Schädlingen keinerlei Essensreste eingeführt werden – so dass ein Großteil des Flugzeugmülls direkt in die “Biosecurity”-Tonne, und damit die Müllverbrennungsanlage wandert. Ein letzter Punkt schließlich sind die Flughäfen: Um Recyclingprogramme international zu ermöglichen, müsste jeder Flughafen den landenden Flugzeugen ein Recycling-Programm ermöglichen – das ist aber noch lange nicht der Fall.

Derweil haben Lowcost-Airlines mehr oder minder unbeabsichtigt bereits eine mögliche Antwort auf das Müllproblem geliefert: Mahlzeiten und Getränke gibt es nur noch als bezahltes Extra. Was für Reisende nervig sein mag, führt erwiesenermaßen zu weniger Müll und Essensverschwendung. Ob das allerdings auch für Langstreckenflüge ein sinnvolles Modell ist…?

 

4. Zaubermittel I: Tomatensaft

Die meisten Vielflieger kennen das Phänomen: Eine Person bestellt Tomatensaft, dann noch jemand – und auf einmal hat das halbe Flugzeug Plastikbecher mit dem dickflüssigem roten Getränk vor sich stehen. Das kommt nicht von ungefähr: Tomatensaft schmeckt beim in Flugzeugkabinen vorherrschenden Unterdruck angenehmer, da fruchtiger und frischer. Er ist, vor allem mit etwas Salz, Pfeffer, Tabasco und/oder Worcestersauce ideal dazu geeignet, unsere tauben Geschmacksnerven an Bord wieder wachzukitzeln. Außerdem rehydriert er, macht satt und ist dickflüssig genug, dass man nicht ständig davon auf die eher semi-angenehmen Bordtoiletten laufen muss.

Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist es übrigens, dass einem von Tomatensaft bei Turbulenzen weniger schnell schlecht wird, als von anderen Getränken – angeblich. Na denn: Prost! 

Flugzeugverpflegung Foto: GillyBerlin auf Flickr© Foto: GillyBerlin (Flickr / CC-Lizenz)

 

5. Zaubermittel II: Nasenspray

Die trockene Luft in Flugzeugen ist bekanntermaßen trocken. Sehr trocken. Dies ist, wie bereits erwähnt, ein maßgeblicher Faktor dafür, dass Airline-Essen in der Luft anders schmeckt und riecht. Mein persönlicher Vielflieger-Tipp: Etwas Meerwasser-Nasenspray vor den Mahlzeiten hilft dabei, die Nase wieder anzufeuchten, den Geruchssinn zu verbessern und damit auch Geschmäcker wieder besser wahrzunehmen.

Abschwellendes Nasenspray ist außerdem für Reisende mit Erkältungen und/oder Ohrenproblemen bei Start und Landung sinnvoll. Aber Vorsicht: Nasenspray mit abschwellenden Mitteln kann süchtig machen!

 

6. Alkohol

Ein Bierchen zum Essen, ein Whiskey zum Nachtisch, ein Weinchen zum Einschlafen und eine Bloody Mary zum Frühstück. Wie soll man denn sonst so einen elenden Langstreckenflug überleben…?

Ich bin sicherlich nicht die erste und nicht die letzte Flugpassagierin, die in Anbetracht der kostenlosen Getränke an Bord schon einmal etwas übertrieben hat – und mit höllischen Kopfschmerzen belohnt wurde. Das weit verbreitete Gerücht, dass man im Flugzeug durch den niedrigeren Luftdruck schneller betrunken wird, konnte zwar wissenschaftlich bislang nicht belegt werden. Dennoch ist der übermäßige Alkoholkonsum auf Langstreckenflügen keine gute Idee: Durch die trockene Kabinenluft und die geringere Sauerstoffzufuhr dehydriert der Körper. Dauermüdigkeit und Jetlag sind ebenfalls keine guten Voraussetzungen, um einen Kater zu umgehen. Glaub mir, ich habe es ausprobiert.

Übrigens: Wein im Flieger schmeckt – wie das Essen auch – erwiesenermaßen anders als am Boden. Fluggesellschaften lassen sich deshalb von Sommeliers beraten, welche Weine auch in der Luft ihren Geschmack angenehm entfalten – denn Säure wird über den Wolken normal empfunden, während Süße und Bitterkeit eher abgedämpft wahrgenommen werden. Wenn du also einen weißen Flugzeugwein als besonders sauer empfindest, versuche es doch vielleicht zur Abwechslung einmal mit einem Rotwein.


Quellen: News.com.au; Spiegel Online; Welt.de; Sueddeutsche.de; Traveller.com.au & 2; Stuff.co.nz; Wastedfood.com; Zeit.de; Fragenohneantwort.de; NOZ.de.
© Fotos: Stefanie Stadon; S. Hopf; GillyBerlin (Flickr / CC-Lizenz)

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