Neuseeland News

Rekordzahl an Walen in der Cook-Straße

von am 16. Juli 2015

Im frühen Winter ziehen große Gruppen von Buckelwalen an der Küste Neuseelands entlang und durch die Cook Straße zwischen den Inseln in wärmere Pazifikgewässer. Die Freiwilligen der jährlich stattfindenden Cook Strait Whale Survey konnten in diesem Jahr eine Rekordzahl von 137 Buckelwalen beobachten. Unter den gesichteteten Tieren waren auch der in Australien berühmte Albinowal „Migaloo“, sowie ein frisch geborenes Jungtier.

Rekordzahl an Walen in der Cook-Straße

Wal-Fluke in der Cook Strait (© Foto: Cook Strait Whale Project (Facebook))

Jedes Jahr zwischen Juni und Juli findet nahe Picton eine bemerkenswerte vierwöchige Studie statt. Unter der Leitung von Department of Conservation (DOC) Mitarbeiterin Nadine Bott begibt sich eine Gruppe von Freiwilligen zur Arapawa-Insel am nördlichen Ende der Marlborough Sounds. Von einem Hügel aus bietet sich eine hervorragende Aussicht über die Cook Straße – und damit auf jährlich in Küstennähe vorbeiziehende Buckelwale, die sich von der Antarktis aus zur Paarung auf dem Weg in wärmere Pazifikgewässer befinden. Diese Tatsache machten sich bereits vor über 100 Jahren die auf Arapawa ansässigen Waljäger der Perano Whaling Station zunutze. Vom Aussichtspunkt aus wurde den Skippern die genaue Position und Anzahl der Tiere durchgegeben, so dass von Natur aus neugierigen Meeressäuger einfacher gejagt werden konnten. Zwischen 1911 und 1964 wurden von Arapawa aus 4.200 Wale – meistens Buckelwale – gefangen, getötet und weiterverarbeitet.  In den frühen 1960er Jahren wurde der Walfang zunehmend unrentabel, bis er 1964 ganz eingestellt wurde.

Das Projekt

Mittlerweile stehen Wale in Neuseeland bereits seit 1978 unter besonderem Naturschutz, Jagd und Fang sind strikt verboten. Allerdings ist wenig bekannt über die Entwicklung der tatsächlichen Bestände, seitdem der kommerzielle Walfang 1982 weltweit unter Strafe gestellt wurde.

Rekordzahl an Walen in der Cook-Straße

Vom Waljäger zum erfahrenen Beobachter (© Foto: Cook Strait Whale Project (Facebook))

Das Cook Strait Whale Survey Projekt möchte an den unzureichenden Zahlen – zumindest für Neuseeland – etwas ändern. Die jährliche Studie wurde in diesem Jahr zum 12. Mal durchgeführt. Als Freiwillige am Projekt beteiligt sind, neben vielen anderen Helfern, sechs ehemalige Walfänger der Perano Whaling Station – heutzutage mit gänzlich friedlichen Absichten. Vier Wochen lang saßen die erfahrenen Wal-Sucher in der Hütte am Arapawa-Aussichtspunkt und beobachteten mit Ferngläsern das Wasser der Cook Strait. Nach der ersten Sichtung der Tiere wurden sie jeweils von einem Projektboot aus genauer in Augenschein genommen. Wenn möglich wurden außerdem mit Hilfe eines Spezialgewehres kleine Hautproben zur Identifikation und Forschung gesammelt. Videoreportage über das Projekt von 2011:

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 Ergebnisse 2015

2015 war ein erfolgreiches Jahr für die Beobachter der Cook Strait Whale Survey. Zum Ende der diesjährigen Studie am 11. Juli meldete das DOC eine Rekordzahl von 137 beobachteten Buckelwalen – davon 27 an einem einzigen Tag. Zusätzlich konnte das Team im Verlauf der Studie auch vom Aussterben bedrohte Blauwale, Pottwale und einen Südkaper (südlicher Glattwal) beobachten.

Rekordzahl an Walen in der Cook-Straße

Albinowal (Migaloo?) mit Begleitung (© Foto: Cook Strait Whale Project (Facebook))

Zwei Sichtungen bleiben den Forschern ganz besonders im Gedächtnis. Ein Albino-Buckelwal, von dem man annimmt, dass es der in Australien sehr bekannte und beliebte Migaloo sein könnte, durchquerte gemeinsam mit einem anderen Buckelwal am 5. Juli die Cook Strait. Außerdem wurde am 7. Juli ein neugeborenes Buckelwal-Kalb gesichtet – erst das zweite jemals in Neuseeland beobachtete Walbaby seiner Art. Anlass zur Besorgnis gaben zwei Tiere, die sich offenbar unabhängig voneinander in Flusskrebskäfig-Leinen und Bojen-Verankerungen verheddert hatten, und Leinenreste hinter sich her zogen. Buckelwale sind von Natur aus sehr neugierige Tiere mit ungewöhnlich großen Flossen, die deshalb besondere Gefahr laufen, sich in Leinen zu verheddern und dabei zu verletzen, oder sogar zu ertrinken. In den kommenden Wochen werden die Hautproben der Wale sowie ihre Fotos untersucht und mit den Ergebnissen der vergangenen Jahre verglichen. Projektleiterin Bott zeigt sich zuversichtlich, dass die Bestände sich zunehmends erholen und mit zunehmenden Schutzmaßnahmen in neuseeländischen Gewässern vielleicht sogar die Walbestands-Wachstumsratre von 11% jährlich – wie in Australien – erreicht und beobachtet werden kann.


Quellen: Department of Conservation;  Business-Insider; Stuff.co.nzCook Strait Whale Project (Facebook); „Whaling for Life“ (Youtube; H. Coleman-Ross)
© Fotos: Cook Strait Whale Project (Facebook)

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