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Whanganui oder Wanganui? Wie ein Buchstabe eine Region entzweit

von am 17. November 2015

Whanganui© Foto: Department of Conservation

Der neuseeländische Wanganui District bekommt ein zusätzliches h und wird ab sofort zum Whanganui District, das hat das W(h)anganui District Council heute entschieden. Es ist die neueste Entwicklung in einer Debatte, die bereits seit über 20 Jahren immer wieder geführt wird.

Das Städtchen Whanganui in Neuseeland ist das Zentrum der gleichnamigen Region, knapp 200km nördlich von Wellington. Der Name geht auf die Maori-Bezeichnung „Whanga nui“ zurück und bedeutet „Große Bucht“ oder „Großer Hafen“. In der Sprache der Maori wird der Laut „Wh“ in etwa wie ein hartes deutsches F ausgesprochen und kommt vor allem in Ortsbezeichnungen häufig vor. So kommt es etwa zustande, dass der Ort Whangarei von den Kiwis üblicherweise „Fangarei“ ausgesprochen wird – und bei unbedarften Neuseeland-Reisenden für fragende Gesichter sorgt.

Der lokale Maori-Dialekt der Whanganui-Region folgte allerdings zu früheren Zeiten einer weicheren Betonung, so dass die ersten europäischen Settler in der Region den Namen so notierten, wie sie ihn verstanden: „Wanganui“. Am 20. Januar 1854 wurde entsprechend der Name Wanganui (mit zugehöriger Aussprache) offiziell eingeführt und von den Einheimischen seither konsequent mit einem ausatmendem W-Laut ausgesprochen – der für Zugereiste allerdings schwer nachzusprechen ist.

Die Diskussion über den zusätzlichen Buchstaben ist keineswegs neu

Die „richtige“ oder „falsche“ Schreibweise – und Betonung – des Ortsnamens wird seit etwa 20 Jahren kontrovers diskutiert. Während Maori-Vertreter sich meist für Whanganui aussprechen – und aufgrund der mittlerweile im gesamten Land üblichen Betonung „Fanganui“ sagen, fielen zwei (unverbindliche) Bürger-Referenden in der Stadt W(h)angarei in den Jahren 2006 und 2009 gegen die Änderung aus.

Dennoch riss die Debatte nicht ab. Ende 2009 fällte die Stadt die salominische Entscheidung, dass beide Schreibweisen ab sofort ihre Richtigkeit haben sollten – mit dem Hinweis an lokale Behörden, die Schreibweise mit h über die kommenden Jahre voran zu treiben und zu bevorzugen.

Die Whanganui Journey auf dem gleichnamigen Fluss ist ein beliebter Besucher-Magnet

Die Whanganui Journey auf dem gleichnamigen Fluss ist ein beliebter Besucher-Magnet (© Foto: Department of Conservation)

Doch war das noch lange nicht das Ende der Diskussion. Während die eine Seite dabei blieb, dass „Wanganui“ ein simpler Schreibfehler sei, der behoben gehöre, beharrte die andere auf einer mittlerweile 150 Jahre alten Tradition des Städtenamens. Bei der Auswahl von Argumenten waren beide Seiten nicht immer zimperlich: Von gegenseitigen Rassismus-Vorwürfen bis hin zum Argument der „Steuerverschwendung“ schaukelte sich der Kleinstadtkonflikt um den zusätzlichen Buchstaben bis auf die nationale Ebene hoch.

Im Jahr 2011 entschieden der ehemalige Bürgermeister von Wanganui Michael Laws und sein in der „H-Frage“ langjähriger Widersacher und Maori-Aktivist Ken Mair, dass die Schlagfertigkeit mit Worten nicht mehr ausreichte. Kurzerhand setzten sie – in typisch humorvoller Kiwi-Manier – einen Boxkampf um die richtige Schreibweise und Aussprache des Städtenamens an. Der Kampf spielte etwa 50.000 NZ$ an Spendengeldern für das derzeit frisch von zwei verherenden Erdbeben getroffene Christchurch ein.

Ein eindeutiges Ergebnis gab es dennoch nicht: Der Kampf endete in einem Unentschieden.

Nun also Whanganui District statt Wanganui District

Nachdem einige Zeit Ruhe herrschte, hat heute das District Council entschieden, ausschließlich das h im Namen Whanganui District gelten zu lassen.

Das ist zumindest konsequent, schließlich wurden auch bereits vor einigen Jahren der Whanganui River samt gleichnamigen Nationalpark mit dem zusätzlichen h versehen. Das hilft auch dabei, den für seinen „Great Walk“ bekannten Fluss vom Wanganui River auf der Südinsel zu unterschieden.

Dass die Debatte um den ärgerlichen Buchstaben damit beendet ist, wagen wir derweil zu bezweifeln – und bleiben gespannt.


Quellen: Stuff.co.nz: 12; 3; Radio NZ; 3News.co.nz; Dominion Post; Wikipedia; Land Information New Zealand; DOC.
Foto: Department of Conservation

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