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Vorprogrammierte Ausbeutung oder die Chance auf das große Geld?

von am 20. Juli 2017

Nachrichten über die Ausbeutung auf den Farmen in Australien machen immer wieder aufs Neue die Runde. Viele, die in den vergangenen Jahren für das 2nd Year Working Holiday Visum gearbeitet haben, packen eine Geschichte aus, wenn es um schlechte Arbeitsbedingungen geht. Die Bezahlung ist oft Teil dieser Geschichte. Sollte man Backpackern von Pro-Stück-Bezahlungen generell abraten oder handelt es sich doch um eine gute Möglichkeit die Reisekasse aufzubessern?
 

© Foto: Thomas – Photography via Wikimedia Commons (Lizenz: CC BY 2.0)

Auch wir haben schon des Öfteren über die Ausbeutungen auf australischen Farmen berichtet. „Wie dubiose Farmer Backpacker in Australien abzocken“ oder „trügerische Stellen für Backpacker – Wie kann ich mich schützen?“ beschreiben genau dieses Problem und zeigen, dass es sich nicht um ein Neues handelt.
In den letzten Tagen war es dann wieder ganz aktuell. Neue Diskussionen wurden entfacht, die sich vor allem um die Art der Bezahlung drehen. Dabei geht es um speziell um „Piece Löhne“ – also am Beispiel einer Farm, die Bezahlung pro Korb.
Es gibt zwei Möglichkeiten, um für die Arbeit auf einer australischen Farm entlohnt zu werden: der Basistarif mit Bezahlung nach Stunde oder die „Piece-Rate Bezahlung“, bei der der Lohn von der jeweiligen Fähigkeit des Arbeitenden abhängt.

Die Fair Work Commission, die Institution in Australien für Arbeitsrecht und faire Arbeitsbedingungen, ist nun angehalten eine Entscheidung darüber zu treffen, wie die Bezahlung in Zukunft geregelt werden soll.

Bessere Bezahlung Horticulture Award?

Befürworter der Veränderung der Lohnstruktur wollen nun erreichen, dass all diese Arbeiten unter den Horticulture Award fallen. 122 Awards, also vertragliche Dokumente, die die Arbeitsbedingungen und den zu zahlenden Mindestlohn angeben, gibt es insgesamt in Australien. Der Horticulture Award ist speziell für die Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Landwirtschaft ausgelegt.

Bis jetzt gibt es für die Farmer allerdings noch die Möglichkeiten bestimmte Jobs, beispielsweise „Fruitpicker“, davon auszugliedern. Durch eine Änderung des Awards wäre dies dann nicht mehr möglich. Erntehelfer würden in jedem Fall einen Stundenlohn bekommen, der dann wenigstens dem Mindestlohn der jeweiligen Arbeit entsprechen muss.

Gemessen an den Fertigkeiten des Arbeitenden können dann noch bis zu 15% Zuschlag auf diesen Stundenlohn gerechnet werden. Diese Änderung gilt auch für befristete oder kurzzeitige Jobs.

Australische Arbeiter bevorzugen die „Pro-Stück-Bezahlung“

Für australische Erntehelfer, die schon seit vielen Jahren auf einer Farm angestellt sind, würde eine Änderungen zuwider der „Pro-Stück-Bezahlung“ nicht gerade recht kommen. Sie argumentieren damit, dass sie durch die Art der Entlohnung mit ihrem langjährigen Training viel mehr verdienen können, als wenn sie nach dem neuen Tarif bezahlt würden. Außerdem stimmen sie mit den Arbeitgebern, den Farmern, darüber ein, dass die Motivation produktiver zu arbeiten größer sei, wenn sie pro gepflückter Menge bezahlt würden. Die Gegner dieser Änderungen sagen auch, dass die Ausbeutung, die die Backpacker betrifft, schon damit aufhören würde, wenn die Farmen auf die „Working Hostels“ als Vermittler verzichten und die neuen Arbeitskräfte direkt anwerben würden.

Unterstützer halten Gleichheit der Löhne für fair

Eine, von der australischen Fair Work Commission unabhängige Gruppierung, die Australien Industry Group, argumentiert klar für die Abdeckung jeglicher Arbeiter in dem Landwirtschaftssektor.
Ihrer Meinung nach aber zur gleichen Versorgungskette gehören. Von der Aussaat der Kartoffelpflanze bis Auslieferung der fertigen Knolle zum Supermarkt – laut der Mitolo Group, die größte Kartoffelfarm Australiens und Mitgründer der Australien Industry Group, ist es nur fair, wenn alle, die an dem Ergebnis teilhaben, auf die gleiche Art entlohnt werden.

Für weitere Informationen rund um Farmjobs in Australien klickt einfach hier oder hier. Auf diesen Seiten ist nochmal alles rund um die Arbeit als Fruitpicker und das Problem mit den Working Hostels für euch zusammen gefasst.


Quelle: ABC
© Foto: Thomas – Photography via Wikimedia Commons (Lizenz: CC BY 2.0)

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