Australien Work & Travel

Höhere Steuerzahlungen für Backpacker

von am 12. Mai 2015

Australien hat seinen Bundesetat für die kommende Haushaltsperiode verabschiedet. Leidtragende von Einsparungen und der Suche nach neuen Einnahmequellen sind unerwartet die Backpacker. Ab Juli 2016 werden sich die Steuerzahlungen für Working Holiday Reisende deutlich erhöhen. 

Ab dem kommenden Steuerjahr gilt, dass jeder Backpacker als “non-resident” ab dem ersten verdienten Dollar eine Einkommenssteuer in Höhe von 32,5% zu zahlen hat. Ausnahmeregelungen sind nicht vorgesehen. Bisher galt eine Steuerfreigrenze von AU$ 20.000,-, sofern sie sich länger als sechs Monate im Land aufhielten und damit steuerrechtlich als “local-residents” eingestuft wurden. Bis zu einer Verdiensthöhe von AU$ 37.000,- genossen die jungen Arbeiter einen ermäßigten Steuersatz von 19%. Erst darüber hinaus zahlten sie 32,5% Steuern.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Mit der neuen Regelung erhofft sich die Regierung innerhalb der nächsten vier Jahre Einnahmen in Höhe von AU$ 540 Mio. Schatzmeister Joe Hockey sagte in seiner Rede zu den Beweggründen: “We don’t want to increase taxes on Australians, but we do want everyone to pay their fair share along the way.” Die Steuererhöhung ist nicht der einzige Kostenschlag des neuen Etats, der Backpacker trifft. Ebenso erhöht sich die Antragsgebühr des Working Holiday Visums von derzeit AU$ 420,- auf AU$ 440,-, welches voraussichtlich weitere AU$ 5,- Mio. in die Kassen der australischen Regierung spült.

Australien war bisher das Traumland vieler Backpacker© Foto: Stefanie Stadon

Vor allem die Tourismusbehörde zeigt sich anlässlich der verabschiedeten Beschlüsse besorgt. Die Geschäftsführerin des Tourism & Transport Forums (TTF) Margy Osmond hält den Beschluss schlichtweg für grotesk. Eine Besteuerung ohne Freigrenze ließe viele Backpacker zweimal darüber nachdenken, in welchem Land sie ihr Working Holiday Jahr zukünftig unternehmen, so Osmond.

Es ist außerdem zu befürchten, dass erhöhte Abgaben für Backpacker den Anstieg der Schwarzarbeit forciert. Wer das Geld auf die Hand erhält, muss schließlich keine Abgaben zahlen – und das gilt für alle Beteiligten. Skrupellose Jobagenturen dürften diesen Umstand für sich ausnutzen.

Erst vergangene Woche offenbarte eine TV-Reportage die verbreitete Schwarzarbeit und auch Ausbeutung von Backpackern in der landesweiten Farmarbeit. Die Steuerbeschlüsse der Regierung treffen den australischen Agrarsektor nun aufs Neue. Die Mehrheit der dortigen Arbeiter sind seit jeher junge Working Holiday Reisende aus Übersee. Man ist auf sie angewiesen, so der President der National Farmers’ Federation Brent Finlay.

Die neuerlichen Meldungen zur Ausbeutung der Backpacker hat das Ansehen Australiens schwer beschädigt. Der Ruf Down Unders als Working Holiday Traum-Destination dürfte sich durch den verabschiedeten Haushaltsplan nicht verbessern.


© Foto: Stefanie Stadon

Vorheriger Artikel
Nächster Artikel