Australien Work & Travel

Bauern in Australien kämpfen vereint gegen Steuererhöhungen für Backpacker

Die sinkenden Backpackerzahlen in Australien machen vielen örtlichen Farmern schwer zu schaffen. Die geplanten Steuererhöhungen könnten den Todesstoß für viele Obstbauern und Kollegen bedeuten. Eine Opposition gegen die geplanten Neuerungen soll jetzt die Rettung für Backpacker und Farmen sein.

Wie schön ist es doch, in Australien ein Jahr Work and Travel zu machen. Die Backpacker übernehmen Jobs, für die einige Einwohner sich salopp gesagt zu Schade sind, werden dafür aber mit offenen Armen empfangen.
Steuern müssen sie erst ab einem gewissen Einkommen zahlen, so haben sie die Möglichkeit bis zu 18 200 A$ zu verdienen, ohne auch nur einen Cent an den Staat abgeben zu müssen.
Ein attraktiver Deal für beide Seiten.

Ein herber Schlag war es, als die Regierung vergangenes Jahr verkündete, Mitte diesen Jahres eine sofortige Steuerpflicht für alle Work and Traveller einzuführen.
Ab dem ersten verdienten A$ sollen dann 32,5 % Einkommenssteuer verlangt werden.
Damit versalzen die Politiker nicht nur den Backpackern ordentlich die Suppe.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich betroffene Arbeitgeber zur Wehr setzen.
So startete der Verbund Growcom eine Kampagne, um die Politiker wach zu rütteln und vor einem großen Fehler zu bewahren.
Growcom bezeichnet sich selbst als “Stimme des Gartenbaus in Queensland”. Als diese erhält sie derweil großen Schwung und Unterstützung von allen Seiten.

Pat Hannan, Vorsitzender der Organisation, fasst die Angst vieler Farmer vor der Neuerung in einem Satz zusammen: “Sie wird Backpacker davon abschrecken, herzukommen und auf unseren Farmen zu arbeiten.”
Die sowieso schon schwer strauchelnde “Fruitpicking” Industrie wird bald einige Bauernhöfe verlieren, wenn die Arbeitnehmerzahlen weiter sinken.

Ohnehin eher unattraktive Jobs auch noch schlechter zu bezahlen, wird die Wirtschaftslage in Australien, die eigentlich mit dieser Regelung verbessert werden soll, nur noch weiter verschlechtern.
Ein Backpacker, der heute beispielsweise 22,62 A$ die Stunde verdient, wird in einem halben Jahr nur noch 14,59 A$ verdienen. Das wird sich bei den jungen Reisenden schnell herumsprechen und ihr Interesse an Jobs in Australien drastisch senken, so Pat Hannan.

Letztendlich würden alle Backpacker, Gärtner und Farmer sowie die lokale Agrarwirtschaft schwer beeinträchtigt werden, führt Hannan weiterhin aus.
  

© Foto: Laura Kluth

 
Schon jetzt, ohne die neuen Steuerregelungen, herrscht ein großer Mangel an Working Holiday Reisenden in Australien. Innerhalb der letzten zwei Jahre sind die Zahlen um ca. 34 000 Visa- Besitzer gesunken.

Gerade die Obstbauern leiden unter den Mängeln. Für sie gibt es nur ein kurzes Zeitfenster im Jahr, in dem die gesamte Ernte vollzogen werden muss, aber ohne Helfer ist es unmöglich, alle Früchte rechtzeitig abzuernten.

Betroffen von den fehlenden arbeitswilligen Fruitpickern sind vor allem South Australia, Victoria und New South Wales.
Dass im Northern Territory ein allgemeiner Backpackermangel herrscht, ist auch schon seit Längerem klar.

Trotz aller Arbeitsverweigerung wollen Australier weiterhin australische Produkte kaufen, keine aus asiatischer Herkunft. Dennoch sollen sie natürlich möglichst billig sein, sodass Farmern nichts anderes übrig bleibt, als ihre Fruitpicker schlechter zu bezahlen.
Zusammengenommen mit den drohenden hohen Steuern ist abzusehen, dass Backpacker es sich bald dreimal überlegen werden, ob sie nicht doch lieber in ihrem Heimatland Geld verdienen und sich in Australien lieber nicht ausbeuten lassen.
Oder aber sie umgehen das Land ganz und verbringen ihre Working Holidays anderswo, was die Wirtschaft in Australien natürlich auch nicht gerade ankurbeln würde.

Der Vorsitzende der Northern Territory Farmers Association verkündete, dass sie sich bereits mit Growcom und anderen Landwirtschaftslobbys zusammengefunden haben.
Sie versuchen mit Briefen an verschiedene Politiker zu appellieren, diesen gewagten Schritt noch einmal zu überdenken.

Wir hoffen, dass die Opposition wirksam sein wird und halten euch selbstverständlich über Neuigkeiten in der Backpacker- Krise auf dem Laufenden.


Quellen: abc.net.au/news/2016-01-06, abc.net.au/news/2016-01-08  
© Fotos: Laura Kluth

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Jasmin Rhein

Da sie schon als Kleinkind von ihren Eltern quer durch die Welt geschleppt wurde, blieb Jasmin eigentlich nichts anderes übrig, als vom Reisefieber angesteckt zu werden. Noch vor dem Studium stehend sieht sie sich geplagt von der Entscheidung einen Zukunftsweg zu wählen, bei der Vielfalt, die die Welt noch für sie zu bieten hat. Als passionierte Surferin und Schnorchlerin aber ließ Australien nicht lange auf sich warten!
Seitdem ergänzt Jasmin das Reisebine-Team als freie Autorin.

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