Australien Work & Travel

Farmer begrüßen Überarbeitung des Steuergesetzes

von am 18. März 2016

Die australischen Farmer begrüßen die von der Regierung angekündigte Überarbeitung des für den Sommer geplanten Steuergesetzes für Backpacker mit Working Holiday Visum, das ab dem 1. Juli in Kraft treten und den Backpackern eine Steuerrückerstattung unmöglich machen sollte.

Bisher werden Backpacker mit einem Working Holiday Visum zwar auch schon mit 32,5 Prozent besteuert, sie können sich die einbehaltene Steuer später aber zurückerstatten lassen. Diese Möglichkeit der Steuerrückerstattung sollte den Backpackern nun verwehrt werden.

Agrar- und Tourismusindustrie sowie verschiedene Lobbyverbände hatten seit Bekanntwerden der neuen Steuerpläne der Regierung massiv gegen diese protestiert, weil sie ihre Zukunft gefährdet sahen. David Menzel, ein Melonen-Farmer aus dem Norden Western Australias, ist der Meinung, dass eine Steuererhöhung die Backpacker von der Farmarbeit abhalten würde. Dementsprechend froh ist er über das Einlenken der Regierung: „Ausländische Reisende sind für uns als Arbeitskräfte sehr wichtig, vor allem in so abgelegenen Regionen wie dieser hier.“

 OTB-sheep-pens-800© Foto: Out the Back Australia; Laura Kluth

Zustimmung erhält er von Andrew Coldbeck, einem auf Farmarbeit spezialisierten Arbeitsvermittler in Western Australia und dem Northern Territory: „Ich stimme dem Gesetz in einigen Punkten zwar zu, aber die Steuersätze müssen realistisch bleiben. Wir wollen die Backpacker nicht mit einer unfairen Besteuerung abschrecken.“

Die Agrarministerin von Queensland, Leanne Donaldson, befürchtet eine Verminderung der Produktivität und findet ebenfalls deutliche Worte: „Queensland ist gegen dieses Gesetz. Wir hören von all unseren lokalen Farmern, dass es sie hart treffen würde. Die Regierung sollte das Gesetz so lassen, wie es ist.“

Die führende Agrar-Lobbygruppe in Queensland, Growcom, kann dem geplanten Gesetz auch Positives abgewinnen. „Wir stimmen mit der Regierung überein, dass Backpacker mehr Steuern bezahlen sollen und dies auch grundsätzlich ab dem ersten Dollar. Der Satz von 32,5 Prozent ist allerdings viel zu hoch“, so Rachel Mackenzie, Sprecherin von Growcom.

Der Agrarrat von Queensland, dem Growcom angehört, spricht sich für einen Steuersatz für Backpacker von 15 Prozent aus. „Wir stehen voll hinter einer Überarbeitung des Gesetzes. Wir sind uns der gewaltigen Auswirkungen des Gesetzes auf unsere Agrarindustrie bewusst, und wir müssen versuchen, diese Auswirkungen so zu gestalten, dass uns auch in Zukunft Arbeitskräfte wie bisher zur Verfügung stehen.“

Darryl Hardman, ein Bananen-Farmer aus Carnavaron, bringt eine Änderung der „superannuation“-Regelung (australischer Rentenfonds) als mögliche Lösung ins Spiel: „Wenn die Regierung Geld will, dann soll sie an die Rentenbeiträge der Backpacker gehen. Die Backpacker sollen das Geld entweder hier ausgeben oder hierlassen. Aber es sollte definitiv in Australien bleiben und nicht in die Tasche der Backpacker wandern.“

Alle Backpacker zahlen automatisch einen bestimmten Betrag in ihren persönlichen Rententopf in Australien ein, sobald sie eine Arbeit aufnehmen. Dieser kann zwar nur einmal im Leben beantragt werden, da die meisten Backpacker aber nicht vorhaben, später nach Australien auszuwandern, lösen viele von ihnen ihr Rentenkonto auf und lassen sich den dortigen Betrag auf ihr heimisches Konto überweisen.
 
LK-Woofing2© Foto: Out the Back Australia; Laura Kluth

 
Als treibende Kraft hinter der Überarbeitung des Gesetzes sieht sich indes der Parlamentsabgeordnete Andrew Broad aus Victoria.

„Viele Leute haben eine Rolle gespielt, aber ich war sicherlich derjenige, der diesen ganzen Prozess beim Treffen der Koalitionsparteien gesteuert hat. Der Zeitrahmen bis Juli ist jetzt natürlich knapp bemessen. Wie dem auch sei, wenn wir uns gezwungen sehen, unsere Haushaltsplanungen um zwölf Monate zu verschieben, dann sollten wir das tun“, so der aus der landwirtschaftlich bedeutenden Sunraysia-Region, die ebenfalls Bedenken gegen das neue Steuergesetz geäußert hatte, aus dem Westen Victorias stammende Broad.

Die Überarbeitung des Steuergesetzes wird von Tourismusminister Richard Colbeck geleitet und soll noch vor dem 1. Juli abgeschlossen werden.


Wir haben bereits mehrmals zum Thema berichtet:


Text: ABC
© Fotos: Out the Back Australia; Laura Kluth

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